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LIST zum Earth Overshoot Day: „Es geht um Zukunft und Gerechtigkeit“

Aug 2, 2018

CELLE. Die Gruppe „Land in Sicht – Transition“ (LIST) hat am 1. August auf dem Celler Wochenmarkt eine kleine Aktion zum „Earth Overshoot Day“ durchgeführt. Auf dem Flyer, der verteilt wurde, hat die Initiative das Motiv aufgenommen, dass die Menschheit ab diesem Tag bildlich gesprochen „auf Kredit“ lebt.

Earth Overshoot Day bedeutet soviel wie „Erdüberlastungstag“. Es geht darum, dass die Menge der global verfügbaren natürlichen Ressourcen ins Verhältnis gesetzt wird zur Nachfrage bzw. zum Verbrauch. Und die Nachfrage hat die Kapazität der Erde zur Erneuerung der Ressourcen in diesem Jahr am 1. August überschritten. Die Sprecherin der Gruppe, Cornelia Döllermann-Nölting dazu: „Das heißt, wir beleihen die Zukunft. Und weil wir nichts zurückzahlen können, geht’s vor allem auf Kosten künftiger Generationen. Denn es gibt eben keinen zweiten Planeten, den wir plündern könnten.“

Die Kennzahlen des Earth Overshoot Day sind festgelegt vom Global Footprint Network, einer Non-Profit-Organisation im Umweltsektor. Es geht z.B. um Abholzung der Wälder, Rückgang der Artenvielfalt, Überfischung – also um „erneuerbare“ Biokapazität. Bei Treibhausgasen geht es um jenen Anteil, der über die Abbaufähigkeit von Wäldern und Ozeanen anfällt.

Die Initiative wies gleichzeitig darauf hin, dass der „Earth Overshoot Day“ auf Deutschland bezogen schon am 2. Mai war. Auf der Homepage des Global Footprint Network finden sich Vergleichszahlen für alle möglichen Länder. Dabei wird deutlich, dass die frühindustrialisierten Länder den höchsten Ressourcenverbrauch haben. Aber auch hier müsse differenziert werden, so Döllermann-Nölting: „Auf die Bevölkerung in Deutschland geschaut, ist es so, dass die wohlhabenderen Schichten trotz der Anschaffung von energieeffizienteren Geräten und dem Kauf von Bio-Lebensmitteln einen deutlich schlechteren ökologischen Fußabdruck haben als Normalverdiener*innen und die eben auch nochmal schlechter abschneiden als einkommensschwache Schichten. Das liegt zum Beispiel einfach an Flugreisen, insgesamt an unterschiedlichen Formen der Mobilität, aber auch an dem pro Kopf in der Regel deutlich größeren Wohnraum.“

Der Kern einer der Kritik bestehe zunächst einmal in einem Gerechtigkeitsanspruch. Die Nachhaltigkeitsdefinition des sogenannten Brundtland-Berichts, also dem 1987 von der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung verabschiedeten Bericht „Our Common Future“, fordere inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit. Es gehe um Gerechtigkeit zwischen den heute gleichzeitig lebenden Menschen (intragenerationell) und der Gerechtigkeit zwischen der heutigen und künftigen Generationen (intergenerationell).

Für die Initiative LIST geht es dabei nicht einfach um Verzicht. Döllermann-Nölting erläutert das am Beispiel Beispiel Lebensmittel: „Selbstverständlich muss sich in Deutschland jede und jeder Bio-Lebensmittel leisten können, nicht wegen der Gesundheit, sondern weil Böden und Artenvielfalt so besser erhalten werden. Auf der anderen Seite ist eine deutliche Verringerung des Fleischkonsums unumgänglich. Oder nehmen wir den Bereich der Mobilität: Wer von Celle nach München will, kann diese Absicht hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs in sehr unterschiedlicher Weise verwirklichen. Der Flug von Hannover aus ist ökologisch eindeutig belastender als die Fahrt mit der Bahn. Fliegen ist die eindeutig schädlichste Fortbewegungsart. Und deshalb ist aus unserer Sicht hier ein Verzicht angebracht. 80 Prozent der Menschen auf diesem Planeten sind noch nie geflogen, die anderen 20 Prozent beteiligen sich gerade in nicht unbeträchtlichem Maß an der Klimakatastrophe.“

Wir müssten uns jetzt die Frage stellen, die der Sozialpsychologe Harald Welzer ins Zentrum gestellt hat: Wer wollen wir gewesen sein? Jene Generation, die weiter kräftig an der Klimakatastrophe mitgearbeitet, oder jene, die sich der Frage der Gerechtigkeit konsequent gestellt hat. Dafür sei der Earth Overshoot Day ein Stolperstein zum Nachdenken und zur Umkehr.

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