Lesung Tobias Premper: Mit der Literatur-Lupe sehen lernen

CELLE. „Ich fänd’s schön, wenn wir uns mal wieder treffen könnten“, sagte die Frau, die Frida hieß, und ging an den Gräbern vorüber nach Hause.“ Mit diesem Schluss der „Miniatur“ „Fünf Frauen“ endete die jüngste Lesung von Tobias Premper in der Galerie Dr. Jochim. Und vermittelte Tatsachenbeschreibung wie Textqualität in einem.

 Viele Leserinnen und Leser waren gekommen, um den aus Celle stammenden Autor wieder zu hören, neugierig gemachte Literatur-Enthusiasten waren gefolgt. Denn die „Miniaturen“ Tobias Prempers beschreiben aufs genaueste Selbstbeobachtungen, Nöte, Fluchtversuche, Träume der Menschen. Sie ermöglichen Erschrecken und Lachen, fordern immer zum Innehalten auf

.Lothar Haas begrüßte als Vorsitzender der Ernst-Schulze-Gesellschaft und spannte dabei einen Bogen von dem vor 200 Jahren verstorbenen Ernst Schulze zu Tobias Premper: zwei Dichter aus Celle, die beide im Dichterraum Celle im Kanzlei-Café gewürdigt werden. Haas konnte auch daran erinnern, dass Premper 2017 mit einem skurrilen witzig-ironischen Text als Hommage Schulze geehrt hatte.

Tobias Premper stellte in seiner Lesung zunächst acht „Miniaturen“ aus seinem jüngsten Buch vor: „Ich war klein, dann wuchs ich und war größer“. Darunter waren drei, die „bestimmt nicht in Celle, sondern in Hannover“ ihren Ort hätten, so beruhigt er die Zuhörer. In den „Aristokraten“ stopft ein „Mann mit Hut“ eine Familie mit vier Übergewichtigen, die sich offensichtlich von und in einer Mülltonne etwas erhoffen, in die Tonne und schlägt den Deckel zu. In der grotesken Kurzerzählung „Anleitung, wie mit einem Tyrannen umzugehen ist“ bespritzt ein „schlaksiger Mann“ den „Tyrannen“ mit „Senf und Ketchup“ und verschwindet „im Getümmel lachender Menschen“. Zum Nachsinnen wohl sehr zu empfehlen!

Zum Vergnügen seines Publikums las Premper auch einige Kurzgeschichten aus zwei seiner weiteren Bücher, die ebenfalls im renommierten Steidl-Verlag erschienen sind: „Durch Bäume hindurch“ und „Mississippi Orangeneis Blues“. Und nicht nur das, er rezitierte auch Geschichten, die es noch nicht in einem Buch nachzulesen gibt, so die Miniatur „Der Reiher“. Sie handelt von einem Vogel, der einen Fisch fängt und ihn vor den Augen eines seinen Kaffee trinkenden Beobachters zu zerteilen versucht. Die vergeblichen Hackkünste des Vogels, der den Fisch schließlich liegen lässt, lösen im Ich etwas aus: „Nachdem ich bezahlt hatte, stand ich auf und versuchte mich ganz normal zu verhalten. Ich scheiterte kläglich.“

Die Lesung fand im Direktorenhaus statt, ehemals Magnushütte, einem Haesler-Bau. Der klare Raum korrespondierte in eigener Weise mit der gebotenen skurril-klärenden Literatur und trug zu einer sehr konzentrierten Atmosphäre bei. Die Ernst-Schulze-Gesellschaft wie das Publikum dankten herzlich.

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