Bürger wehren sich gegen neues Baugebiet in Wienhausen

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WIENHAUSEN. „Wenn man sich die Pläne unserer gewählten Bürgervertreter im Rat von Wienhausen ansieht, fragt man sich, wessen Meinung da vertreten wird.“ Die Bürger der Klostergemeinde sind sauer, denn: rund 150 neue Bauplätze soll am Lageweg entstehen und die Schönheit und Einzigartigkeit von Wienhausen bedrohen. So sehen es zumindest die, die dort schon lange leben.

Rund 600 Häuser gibt es derzeit in Wienhausen, einem eher beschaulichen Dorf mit begrenzten Einkaufsmöglichkeiten oder Schulen. Mit einem Neubaugebiet allerdings möchte man das Dorf fortentwickeln und junge Familien nach Wienhausen holen. Die, sind sich die Wienhäuser sicher, zieht es eher ins Nachbardorf, also nach Lachendorf. Mit Oberschule, Gymnasien und unzähligen Geschäften und Einkaufszentren ist die Gemeinde gerade für junge Menschen weitaus attraktiver.

Doch Wienhausen hat auch etwas zu bieten, was besonders die, die da bereits wohnen, zu schätzen wissen: Natur.

Über eine asphaltierte Straße kann man über den Lageweg entlang einer Allee aus alten Bäumen direkt in die Natur spazieren und den Blick weit über Wiesen und Feld bis hin zum Wald schweifen lassen. Erholung direkt vor der Haustür, finden die Wienhäuser, die es zu schützen gilt. Stattdessen möchte die Samtgemeinde aber diesen Fleck Erde mit einem Neubaugebiet verbauen.

Das darf nicht sein und diesem Vorhaben wollen die Bürger von Wienhausen nicht tatenlos zur Seite stehen. Hilfe holten sie sich daher von Jörn Schepelmann, CDU-Landtagsabgeordneter, und Charles Sievers, der für die FDP im Kreistag sitzt. Vor Ort schauten sie sich daher die Begebenheiten an und dabei fällt auf: es geht nicht nur um den Erhalt der Natur, sondern auch den Schutz des Ortes vor Hochwasser.

Die tiefer gelegenen Bereiche zwischen Lageweg und Alter Postweg werden von Zeit zu Zeit überschwemmt. Unklar ist, ob sich durch die zusätzliche Erschließung und Versiegelung die Hochwassersituation im restlichen Dorfgebiet drastisch verändert und beispielsweise die durch die geplante Fläche gespeisten Entwässerungsgräben höher belastet werden.

Auch die Verkehrsbelastung darf nach Meinung der Bürger nicht vernachlässigt werden. Ein großer Teil der Anwohner der südöstlichen Ortslage wäre von erheblicher Mehrbelastung durch Autoverkehrs betroffen. An einigen der betroffenen Straßen ist das Verkehrsaufkommen über die vergangenen Jahre bereits merklich gestiegen. Ein Neubaugebiet dieser Größe würde vielerorts den Wohnwert deutlich senken.

Die Idee der Bebauung am Lageweg allerdings ist nicht neu. Bereits im Jahr 2001 war der versuch gescheitert, eine Wohnbebauung an dieser Stelle zu ermöglichen. Zuvor hatte es massive Proteste von Bürgern gegeben, die letztlich dazu geführt hatten, die Pläne nicht umzusetzen.

Noch bis zum 25. Januar besteht die Möglichkeit, schriftliche Einwände an die Samtgemeinde zu schicken (Postanschrift: Am Alten Bahnhof 3, 29342 Wienhausen). Stellungnahmen können alternativ auch mündlich im Rathaus oder per Mail an info@flotwedel.de abgegeben werden.

Die Zahl der Teilnehmer am Besichtigungstermin zeigten für Schepelmann, dass es einen Gesprächsbedarf gibt. Allerdings verwies er auch darauf, dass es sich zunächst um Planungen handelt, in die alle Möglichkeiten aufgenommen werden. Auf der Grundlage von Kritik und Einwänden werde man dann entscheiden, was wirklich umgesetzt werden kann und darf. Schepelmann versprach, dass er all das, was er beim Besichtigungstermin gehört hat, in den Rat der Samtgemeinde mitzunehmen und sich dort mit seinen Ratskollegen zu beschäftigen und vor allem auch zu berücksichtigen.

Redaktion

Celler Presse

Fotos: Birgit Stephani





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