Bernd Rauschenbach liest neue Traumtexte: „Notizen von den Äußeren Skurrilen“

CELLE. Realistisches ist in den Texten nicht beschrieben, die Bernd Rauschenbach auf Einladung der Ernst-Schulze-Gesellschaft im Dichterraum Celle im Kanzlei-Café vor einem faszinierten Publikum las. Traumhafte Wirklichkeiten bietet er. In den noch nicht veröffentlichten Texten spricht ein Ich von Träumen und schafft Träume, die auf einer Inselgruppe stattfinden, den „Äußeren Skurrilen“, die schon in ihrem Namen die Phantasie, das Phantastische versprechen, auch das Widersprüchliche, das Absurde. Und so hörte das Publikum schildernde Sätze wie diese: „Bei der Entstehung der Äußeren Skurrilen wurde von Anfang an Wert darauf gelegt, es mit dem Skurrilen nicht zu übertreiben“ oder: „Ich träume, seit ich auf der Insel bin, wie ein Scheunendrescher – das ist nicht passend.“

Mit bewährter Könnerschaft trägt Rauschenbach seine Texte vor, die noch in diesem Jahr als Buch erscheinen sollen. Er bringt Sprachspielereien und Metaphern, knüpft auch an Triviales an und schreckt vor Reimen nicht zurück: „Algorithmus, wo jeder mit muss.“ oder „Coffee to go oder zum Mitnehmen“. Mit Worten schafft er phantastische Wirklichkeiten oder reflektiert traumhaft: „Agentur für aussichtslose Fernreisen“, „Traumhaften Urlaub verspricht der Reiseveranstalter.“, „Ich habe einen Traumurlaub, wenn es denn Urlaub ist.“

Im zweiten Teil stellt der Autor einen etwas längeren, schon vor einigen Jahren erschienenen Text vor, die Titelgeschichte des Bandes „Applausordnung“. Dem Celler Publikum konnten bei dieser Geschichte vom Theater, von Schauspielerinnen, Schauspielern und Publikum die zahlreichen Bezüge zum hiesigen Theater nicht entgehen. Berichtet wird von einem hochgeschätzten älteren Schauspieler, der sich bei einer Aufführung, an der er nicht beteiligt ist, in den begeisterten Schlussapplaus hineindrängt, um davon etwas abzubekommen. Damit handelt er sich die Feindschaft des übrigen Ensembles ein. Am Schluss der nächsten Aufführung, die ihm den größten Beifall bringen könnte, lassen die gekränkten Kollegen es nicht zu, dass er sich als der Star des Abends präsentiert, indem sie in jedem Augenblick neben ihm sind und sich stets gemeinsam mit ihm verbeugen. Sein Zusammenbruch ist das Ende.

Bernd Rauschenbach, der seit Kurzem zu den im Dichterraum Celle gewürdigten Schriftstellern gehört, schloss die Lesung mit einigen vielsagenden Kürzest-Texten als Zugabe. Die zahlreiche Zuhörerschaft verabschiedete ihn mit dankbarem Beifall, in Vorfreude auf das Erscheinen der „Notizen von den Äußeren Skurrilen“.

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