100 Jahre Bauhaus – Otto Haesler – Celle – und mehr

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CELLE. Die otto haesler initiative in Celle lädt anlässlich des Bauhausjubiläums mit Unterstützung der Stadt Celle zu einer Vortragsreihe über Otto Haesler ein und stellt damit den bedeutenden Architekten, der lange ein Schattendasein in der Erinnerung der Menschen fristete, in den Mittelpunkt des Veranstaltungsjahres 2019.

Sabine Maehnert (Stadtarchiv), Carsten Maehnert (1. Vorsitzender der otto-haesler-initiative) und Dietrich Klatt (Ehrenvorsitzender) stellten das Programm des Jubiläumsjahres vor.

Nicht nur in Weimar, Dessau und Berlin wird in diesem Jahr das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ gefeiert, sondern das Jubiläumsprogramm weist ausdrücklich darüber hinaus und lädt „zu einer deutschlandweiten Entdeckungsreise ein. Sie führt zu den Ursprüngen und Wirkungsstätten der Moderne. Dorthin, wo revolutionäre Ideen in Architektur, Kunst, Design, Fotografie oder Tanz entstanden und entstehen“ (Quelle: https://www.bauhaus100.de/orte-reisen/). Dazu gehört auch Celle: „Beispielhaft sind die Gebäude von Otto Haesler in Celle mit der Altstädter Schule und den Siedlungen Italienischer Garten, Georgsgarten oder Blumläger Feld“, heißt es im Programm der „Grand Tour der Moderne“ (https://www.bauhaus100.de/orte-reisen/niedersachsen/).

Otto Haesler (1880-1962) war zwar selbst nicht am Bauhaus, die Tatsache, dass seine Bauten aber zu diesem Jubiläumsprogramm gehören, zeigt erneut die große Wertschätzung, die er schon vor 1933 im Bauhaus fand. Und so erfasst die aktuelle „Grand Tour der Moderne“ mehrere Architekten in Deutschland, die wie Haesler damals außerhalb des Bauhauses moderne Architektur, wie sie im Bauhaus gefördert wurde, gestalteten.

Zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ stellt die Stadt Celle deshalb die Bauten Otto Haeslers aus den 1920er Jahren in den Mittelpunkt. Die otto haesler initiative unterstützt dies mit einer Vortragsreihe, die auch mit neuen Perspektiven und Fragestellungen neue Zugänge zum Werk Haeslers erschließen will. Im Mittelpunkt steht dabei die Zeit des Bauhauses. Das beginnt mit Haeslers Bezug zum Bauhaus im Eröffnungsvortrag von Dr. Simone Oelker (Potsdam) am Freitag, 15. Februar, und reicht bis zum konkreten Unterricht am Bauhaus am Beispiel des dort tätigen Künstlers Paul Klee – wahrscheinlich am 12. Dezember, der Termin muss aber mit der Referentin Dr. Marianne Keller Tschirren (Bern) noch im Detail abgestimmt werden.

Die otto haesler initiative freut sich, bei insgesamt neun verschiedenen Vorträgen namhafte Referenten begrüßen zu können, die sich jeweils auf ihrem Fachgebiet einen guten Namen gemacht haben und so den aktuellen Forschungsstand vorstellen können. Die Initiative finanziert die Vortragsreihe mit eigenen Mitteln und einem Zuschuss der Stadt Celle. Deshalb ist der Eintritt zu den Veranstaltungen frei.

Im Einzelnen stehen folgende Vorträge auf dem Programm:

Freitag, 15. Februar, 19 Uhr
Ort: galerie dr.jochim, Magnusstr. 5, 29221 Celle
Dr. Simone Oelker, Architekturhistorikerin, Gründungspartnerin von team [BEST]. (Potsdam)
„Der Name Haesler hat die Bauhäusler angerührt.“
Hermann Bunzels Zitat offenbart Haeslers feste Verankerung mit dem Netzwerk der Bauhausschule. Seit 1927 war er mit dem Bauhaus Dessau in Kontakt. Bauhäusler bewarben sich und arbeiteten in seinem Celler Büro, er verwendete Bauhaus-Produkte und war selbst sogar für den Posten des Direktors nominiert. Der Vortrag stellt Haeslers Austausch mit dem Bauhaus und die Auswirkungen auf sein architektonisches Schaffen vor.

Donnerstag, 7. März, 19 Uhr
Ort: galerie dr.jochim, Magnusstraße 5, 29221 Celle
Monika Markgraf (Bauhaus Dessau)
„Standards und Normen der Bauhauszeit in der aktuellen Denkmalpflege“.
Monika Markgraf vom Bauhaus Dessau setzt sich auseinander mit den Normen und Standards, die die Architektur der Moderne geprägt haben. Da sie mit heutigen Anforderungen oft nicht übereinstimmen, müssen dann in der Denkmalpflege Antworten auf viele Fragen gesucht werden.

Donnerstag, 4. April, 19 Uhr
Ort: Celler Synagoge, Im Kreise 24, 29221 Celle
Dr. Ines Sonder (Universität Potsdam)
„Bauhaus in Israel – Vom Mythos zum UNESCO-Weltkulturerbe“
Veranstaltung des Stadtarchivs Celle mit der otto haesler initiative e.V., der Jüdischen Gemeinde e.V. und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e.V.
Jüdische Architekten und Architektinnen, die ihre Ausbildung an europäischen Hoch- und Kunstschulen, darunter am Bauhaus, erhalten hatten, emigrierten in den 1930er Jahren ins britische Mandatsgebiet Palästina und brachten das Formenvokabular der architektonischen Moderne mit. So entstand zum Beispiel in Tel Aviv die „Weiße Stadt“, die 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Mittwoch, 8. Mai, 19 Uhr
Ort: voraussichtlich in der Altstädter Schule, Sägemühlenstraße 9 in 29221 Celle.
Dietrich Klatt, Ehrenvorsitzender der otto haesler initiative (Celle)
„Der Weg der Architektur vom Jugendstil zur Neuen Sachlichkeit am Beispiel der Bauten Otto Haeslers in Celle“
Otto Haesler hat von 1906 bis 1933/34 in Celle als Architekt gearbeitet. Beispiele der zahlreichen noch erhaltenen Bauten zeigen in dem Lichtbildvortrag seinen Weg zur Moderne und belegen damit exemplarisch deutsche Architekturgeschichte.

Donnerstag, 20. Juni, 19 Uhr
Ort: wohl Paul-Klee-Schule, Wittestraße 14, 29225 Celle
Dr. Ute Maasberg, Architektenkammer Niedersachsen
„Katt Both – Eine Bauhausschülerin im Atelier von Otto Haesler“
Katt Both (1905-1985) studierte am Bauhaus in Dessau und kam 1929 in Haeslers Büro nach Celle. Sie war an allen großen Bauprojekten des Büros als Architektin beteiligt. Nach der Schließung des Büros arbeitete sie weiterhin zusammen mit Hermann Bunzel in Celle.

Mittwoch, 4. September, 19 Uhr
Ort: galerie dr. jochim, Magnusstraße 5, 29221 Celle
Dr. Michael Stöneberg (Kulturhistorisches Museum Magdeburg)
„Haeslers Bauten in den Fotos von Arthur Köster – dem wichtigsten Fotografen des Neuen Bauens“
Köster (1890–1965) gehört zu den Fotografen, deren Architekturaufnahmen bis heute das Bild vom „Neuen Bauen“ der 1920er Jahre prägen.

Mittwoch, 23. Oktober, 19 Uhr
Ort: galerie dr.jochim, Magnusstraße 5, 29221 Celle
Dr.-Ing. Sid Auffarth, Architekt, Stadtbau-Historiker und Autor (Hannover)
„Otto Haesler und das Neue Bauen in Hannover – ein Blick auf Akteure in Kunst und Architektur“.
Die Akteure der Moderne in Hannover – Schwitters, Dorner und Spengemann – blickten neidvoll nach Celle, wo verblüffend rationelle Bauten entstanden. Die zaghaften Ansätze in Hannover, sachlich zu bauen, drängten die lokale Avantgarde, sich mit Haesler zu befassen.

Mittwoch, 13. November, 19 Uhr
Ort: galerie dr. jochim, Magnusstraße 5, 29221 Celle
Prof. Dr. Heidemarie Kemnitz, Professorin für Schulpädagogik an der TU Braunschweig
Die Altstädter Schule in Celle – „Ein Muster-Schulhaus“? Otto Haeslers Schulbau im Kontext von Schularchitektur und Pädagogik der 1920er Jahre
Die von Otto Haesler in Celle gebaute Altstädter Schule wurde binnen kurzer Zeit berühmt. Sie galt als „ein Muster-Schulhaus“, als „ganz modern“ und wurde international mit großer Aufmerksamkeit bedacht. Der Vortrag geht der Frage nach, was genau aber „modern“ hieß und wie sich Haeslers Schulbau in die zeitgenössische Entwicklung von Schularchitektur und Pädagogik einordnen lässt.

Donnerstag, 12. oder 19. Dezember, 19 Uhr
Ort: Paul-Klee-Schule, Wittestraße 14, 29225 Celle
Dr. Marianne Keller Tschirren, Kunsthistorikerin (Bern)
„Die Formung bestimmt die Form“. Paul Klees Unterricht am Bauhaus.
Vor 140 Jahren, am 18. Dezember 1879, wurde Paul Klee (1879–1940) geboren. Ein Blick auf seine Unterrichtstätigkeit zeigt, dass das Bauhaus weit mehr als nur die Architektur umfasste. Marianne Keller Tschirren hat mit Fabienne Eggelhöfer den riesigen Bestand an Unterrichtsmaterial des Künstlers im Zentrum Paul Klee Bern untersucht. – Veranstaltung zusammen mit der Paul-Klee-Schule Celle.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Innerhalb des Progranms sind, besonders hinsichtlich der Veranstaltungsorte, noch Änderungen möglich. Weitere Informationen sind zeitnah im Internet unter http://otto-haesler-intitiative.de/ abrufbar. Ein Flyer zur Veranstaltungsreihe liegt zudem in vielen öffentlichen Einrichtungen im Stadtgebiet aus.

Redaktion
Celler Presse

Fotos: Birgit Stephani und otto-haesler-inititaitve





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