Volkstrauertag auf dem Alten Friedhof in der Gemeinde Faßberg OT Müden/Ö. – Volkstrauertag nicht nur am Ehrenmal auf dem Kirchvorplatz

MÜDEN/Örtze. Zum vierten Mal fand in diesem Jahr, nach der offiziellen Veranstaltung zum Volkstrauertag vor der Müdener Ev.-luth. St. Laurentius Kirche, eine kleine Gedenkfeier auf dem alten Friedhof am Neuen Damm statt. Dort liegen Grabtafeln, die auf Russen, Ukrainer und Polen hinweisen, die in Müden durch die bzw. in den Kriegen umgekommen sind. Es ist zu spüren, in diesem Jahr ist vieles ganz anders, die Kriege in der Welt, die Anschläge in Deutschland und die rechten Wahlergebnisse in den neuen Bundesländern. „Jede, jeder ist in Deutschlang aber auch in unserer Gemeinde irgendwie betroffen und erschrocken.“ So Hans-Dietrich Springhorn.

Pastor Rudi Blümcke hat dieses Gefühl sehr gut in seiner Predigt zum Volkstrauertag zum Ausdruck gebracht. Alle sollten in sich gehen und nicht auf die anderen zeigen, dies sei zu einfach. Dies würde nicht ausreichen und sei auch nicht richtig! Alle, ein jeder hätte seine dunklen und bösen Seiten, seinen Steine unter dem das Schlimme und Schreckliche verborgen bleiben solle. Ortsvorsteher Volker Nickel erzählte bei seiner Ansprache vor dem Ehrenmal, was Deutsche in Polen ab dem 1. September 1939 alles angerichtet haben. Allein die Aufzählung der vielen KZ in Polen macht sprachlos – nicht vorstellbar welche Verbrechen auch unsere Vorfahren dort angestellt haben.

Nachdenklich und beeindruckt machte sich eine kleine Gruppe – diesmal aber wesentlich größer als 2018 – nach der diesmal ganz anderen offiziellen Gedenkfeier auf den Weg zum Alten Friedhof am Neuen Damm. Volker Nickel sprach dort von den unmenschlichen Lebensbedingungen und der Ernährungslage der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter im Celler Raum im 2. Weltkrieg. Er berichte, dass in dieser Zeit fast sechs Millionen ausländische Arbeiter und rund zwei Millionen Kriegsgefangene aus 26 europäischen Ländern im Deutschen Reich gearbeitet haben. Der größte Teil dieser Menschen, auch Kinder, kamen ums Leben oder wurden von den Nazis ermordet. Stellvertretend nannte er den Namen Wolodimir Falion aus der Ukraine, der im Oktober 1943 zu Tode gekommen ist und in Müden begraben wurde.

Doris Artelt und Karin Chamberlain stellten den Friedenswunsch zentral in ihre kurze Ansprache. Derzeit gibt es weltweit 28 Kriege – Ende 2018 waren über 25,9 Mio. Menschen auf Grund von Krieg, Konflikten, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht, davon die Hälfte unter 18 Jahre alt. Laut UNO Flüchtlingshilfe werden ca. 1,8 Billionen US-Dollar weltweit für das Militär ausgegeben – alles erschreckende und immer stetig steigende Zahlen. Gewalttätige Konflikte und Krieg bedeuten für die Menschen neben direkter Waffengewalt und unmittelbarem Leid den Entzug ihrer Lebensgrundlage. Menschen müssen jedes Jahr aufgrund von Krieg und Gewalt ihre Heimat verlassen.

Beide brachten den Wunsch und die Erwartung zum Ausdruck, dass sich alles unbedingt in eine andere Richtung entwickeln müsse. Höhere Militärausgaben, auch mehr Bundeswehreinsätze im Ausland, würden die Welt nicht sicherer und besser machen.

Im Anschluss legten die Teilnehmer der Gedenkfeier unter dem Lied, „Sag mir wo die Blumen sind“ gesungen von Joan Baez, kleine Blumegestecke nieder.

HDSP
Fotos: H.-D. Springhorn

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