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„Nächstenliebe geht doch immer“

CELLE. Die Bahnhofsmission Celle sucht ehrenamtliche Mitarbeiter*innen. Die Leiterin Daniela Brückner spricht im Interview über abgerissene Knöpfe, pralle Kaffee-Vorräte und eine erfüllende Tätigkeit.

Daniela Brückner, wie sieht die Arbeit in der Bahnhofsmission eigentlich aus?

Daniela Brückner: Aktuell arbeiten wir mit 13 Mitarbeiter*innen, davon elf Ehrenamtler, in drei Bereichen der Mission. Unten im Eingangsbereich des Celler Bahnhofs bieten wir in unseren Räumlichkeiten niedrigschwellige Sozialarbeit an. Man kann bei uns für wenig Geld Kaffee trinken und belegte Brote essen, vor allem zusammen sein, ein bisschen plaudern und soziale Kontakte pflegen. Zusätzlich gibt es ein Badezimmer mit Dusche und Toilette. Außerdem sind wir Ein- und Ausstiegshilfe direkt am Bahnsteig. Wir helfen alleinreisenden Müttern mit Kindern, Senior*innen oder Menschen mit Handicap. Und der dritte Bereich: Wir begleiten Reisende im Nahverkehr, zum Beispiel Heimbewohner*innen, die in ihre Heimat fahren. Das fiel allerdings aufgrund der Corona-Maßnahmen lange Zeit flach.

Sie selbst sind seit bald 22 Jahren in der Bahnhofsmission tätig. Wie würden Sie den sozialen Umgang im Team beschreiben?

Unser Team harmoniert wirklich großartig, das ist ein ganz tolles Miteinander. Und mit unseren Gästen ist der Kontakt teilweise schon familiär. Dafür braucht es allerdings Vertrauen und die Arbeit daran kann manchmal mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die meisten kommen nicht zu uns, um etwas zu essen oder zu trinken – sondern um zu quatschen. Ein gute*r Kommunikator*in sollte man bei uns also schon sein. Dafür bekommen wir eine Menge Zuspruch und Dankbarkeit zurück. Manchmal reichen dafür schon ein hartgekochtes Ei und ein offenes Ohr. Ich empfinde das als sehr schön und erfüllend.

Vermutlich ist die Arbeit aber auch nicht immer so einfach.

Nein, natürlich nicht. Ganz selten kommt es vor, dass wir auch mal jemandem den Zutritt für eine Weile verbieten müssen, wenn er oder sie sich etwas danebenbenommen hat. Wobei das oft die Besucher untereinander regeln. Besucher, weil wir zu 99 Prozent männliche Gäste haben.

Wie würden Sie das Anforderungsprofil für die ehrenamtliche Mitarbeit in der Bahnhofsmission beschreiben?

Es ist wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein. Extremes Beispiel: Wenn ich selbst psychische Probleme habe und es mir schwerfällt, positiv auf Menschen einzugehen, dann bin ich hier an der falschen Adresse. Wichtig ist auch eine gewisse Flexibilität und Zuverlässigkeit. Wir haben feste Schichten zu vergeben und müssen uns dann auch auf die Mitarbeiter*innen verlassen können. Besonderen Bedarf haben wir momentan Mittwoch bis Freitag von 12:30 bis 17 Uhr. Und schön wäre es, wieder mehr Männer im Team zu haben. Aktuell haben wir genau einen männlichen Kollegen.

Was wird den Ehrenamtlern vor Ort geboten?

Ein tolles und kontaktfreudiges Team, freie Kost und Logis, Dienstkleidung natürlich und mindestens ein*e feste*r Kolleg*in – wir arbeiten immer mindestens in Zweierteams. Selbstverständlich kann man bei uns auch erstmal Probeschichten übernehmen und nach ein paar Tagen entscheiden, ob das das Richtige für einen ist. Diese Arbeit gefällt ja nicht jedem. Aber wer sie mit Leib und Seele ausfüllt, der geht nach der Schicht zufrieden nach Hause.

Gibt es den oder die klassische(n) Bahnhofsmissions-Besucher*in?

Nicht unbedingt. Man lernt hier wirklich die unterschiedlichsten Leute kennen. Den Azubi auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch, der sich bei uns noch schnell umziehen möchte. Die Geschäftsfrau, der am Kostüm ein Knopf abgerissen ist, und die sich den von uns annähen lässt. Durchreisende ohne festen Wohnsitz, denen wir einen Schlafplatz für die Nacht organisieren. Feste Männerrunden, die sich bei uns für eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ verabreden. In den fast 22 Jahren hatte ich noch nicht einen langweiligen Tag.

Die Bahnhofsmission wird sowohl von der katholischen, als auch von der evangelischen Kirche finanziert. Welche Rolle spielt der Glaube bei der täglichen Arbeit?

Ich finde: Helfen und da sein kann jeder, da ist die Konfession oder der Glaube erstmal nebensächlich. Nächstenliebe geht ja auch, wenn man kein Christ ist. Für mich persönlich ist mein Glauben einfach eine zusätzliche Motivation, meine Fähigkeiten hier einzubringen.

Mal abgesehen von ehrenamtlicher Mitarbeit – wie kann man die Arbeit der Bahnhofsmission am besten unterstützen?

Am besten wäre es, einfach anzurufen und zu fragen, was wir gerade benötigen. Geldspenden sind natürlich immer richtig. Nur von weiteren Kaffeespenden bitte ich abzusehen – diesbezüglich sind wir vermutlich für Jahre versorgt. (Lacht.)

Sie haben Interesse an der ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Bahnhofsmission Celle, würden gerne mehr über die Arbeit vor Ort erfahren oder das Projekt anderweitig unterstützen? Dann finden Sie alle nötigen Kontaktdaten unter: http://www.diakonie-celle.de/pages/bahnhofsmission/index.html Oder Sie melden sich unter 05141-22226 oder schreiben eine E-Mail an: bahnhofsmission.celle@evlka.de

Alex Raack





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