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Kann Laschet seine Stammwählerschaft überzeugen? – Wahlkampfveranstaltung der CDU im Stadtpalais

CELLE. Innerhalb von wenigen Tagen nach der erfolgten Kommunalwahl, in der die CDU ein wenig angeschlagen doch eindeutig noch vorne liegt, erfolgt eine Einladung via lokaler Medien zur Wahlveranstaltung. Denn der amtierende Kanzlerkandidat Armin Laschet und der Bundestagskandidat Henning Otte sowie der amtierende Landesvorsitzende Dr. Bernd Althusmann laden zu dieser ungewöhnlichen Veranstaltung ein. Wieso ungewöhnlich? Celle mit stabiler CDU-Wählerschaft ist ein Garant der Wiederwahl. Ihr Programm verfängt nicht und Laschet schneidet bei den Umfragen wegen seiner Medienpatzer schlecht ab. Jetzt will der Kanzler-Kandidat der CDU doch noch ein paar Stimmen aus den ländlichen, CDU-starken Räumen abholen, um doch noch die Bundestagswahl zu gewinnen.

Der Rahmen der Wahlveranstaltung soll für günstige Bilder in den Medien sorgen und damit unentschiedene Wählerstimmen einfangen. Daher wählt die kommunale CDU den Stadtpalais als Veranstaltungsort aus. Denn die Begrenzung der Besucherzahl, die Corona-Einlasskontrolle sowie das Hausrecht erleichtern es ungemein, Störern außen vor zu halten. Vor der Bühne kann die Presse nur geladene Gäste aufnehmen. Diese sollten den Medien klar machen, dass sie voll hinter ihrem Kanzlerkandidaten und dem Programm stehen. In der anderen Hälfte können geneigte Wähler sich entweder das Bühnengeschehen aus der Ferne anschauen oder über die Übertragung. Das bedeutet, weit aus dem Blickfeld der Journalisten, so dass das Wählervolk nicht die Veranstaltung mittels Zwischenrufen stören könnte.

Bereits vor dem Besuch der Politikerriege spielte Deep Passion auf, um die Besucher bei guter Laune zu halten. Natürlich findet sich bei dem hochrangigen Kandidatenbesuch nicht nur die lokale Presse ein. Dicht gedrängt und „bewaffnet“ mit allerlei Kameras wird der Einzug des Kanzler-Kandidaten von Seiten der Presse und der CDU-Mitglieder erwartet. Durch „Eye of the Tiger“, welche rhythmisch die Schlagabfolge des Rocky Balboa betont, betritt Armin Laschet wie ein Boxer den geschlossenen Ring. Als Titelträger soll Laschet sich gegen einen neuen Herausforderer durchsetzen. Armin als im Erfolg sonnenden, träge gewordenen Boxer soll nach langem hartem Training endlich seinen Herausforderer (Grüne und SPD) nach einer ersten Niederlage besiegen. Doch ob diese Vision ihren Platz in der Realität findet, entscheiden die Wähler. Hier muss der Kanzler-Kandidat sowohl mit Inhalten als auch mit seiner Persönlichkeit punkten.

Der Bundestagskandidat Henning Otte schwört die Parteimitglieder und Stammwählerschaft nochmal auf die parteieigenen Ziele vor Ort ein. Der amtierende Landesvorsitzende Bernd Althusmann spricht vom vergessenen, ländlichen Raum und deren drohenden Herausforderungen durch die roten Socken. „Volksverräter“ und „Mörder“ sowie „Und die Kinder müssen Masken tragen“, rufen Störer von außerhalb des Veranstaltungsorts. Nach mehrmaligen Aufforderungsrufen „Armin, Armin, Armin!“ kommt endlich der Kanzlerkandidat zu Wort. Den Ausruf des Störers „Finger weg von meinen Kindern, sag ich!“ beantwortet Armin mit einem bereits einstudierten Spruch: „Man muss was im Kopf haben und nicht im Kehlkopf!“ Denn bereits in Bremen warf er denselben Einwand gegenüber Klimaaktivisten ein, die ihm dort die Show stahlen. Seine Stimme wirkt brüchig von den vielen Reden bei 5 weiteren Wahlveranstaltungen an diesem Tag. In seiner Rede betont er fortwährend die Unterschiede zu RRG und widerlegt einzelne Aussagen der anderen Kanzlerkandidaten. Inhaltlich handelt seine Rede von „bessere Ausstattung Bundeswehr, Vernachlässigung ländlichen Raums, Schuldenregulierung mit Wirtschaftswachstum, Steuererhöhung träfe Mittelständler, Entschädigungen für die Landwirtschaft, in 10 Jahren Klimaneutralität erreichen durch Innovationen sowie Reformation der Rente“. Zeitweise erzählt er von führenden Figuren aus der Geschichte der CDU und ihre Wirkungsmacht, denn CDU habe Deutschland wirtschaftsstark gemacht. Zum Abschluss überreicht Anna-Maria Otte dem Kanzler-Kandidaten seinen Glücksbringer für diese Wahl und die Nationalhymne wird gesungen.

Selbstherbeigeführte Lagerspaltung sinnvoll?

Schließlich gehen die Mitgliederzahlen der Union jährlich um 2% runter, so dass sie sich innerhalb der letzten 30 Jahre nahezu halbiert hat. Reicht die eigene Klientel in den ländlichen Räumen (60% der Wählerschaft)? Seine Stammwähler konnte Laschet vor Ort überzeugen, aber unentschlossene und kritische Wähler wird er so nicht gewinnen können. Ob die Herausforderer des trägen Boxers das besser können? Von den Ideen her klingt es vielversprechend, ist eher die Frage, ob sie sich durchsetzen können. In der Tat: Nie war eine Wahl richtungsentscheidender wie diese und Laschet zeigt auf, es kommt nun auf jede Stimme an!

Redaktion
Celler Presse

Fotos: Celler-Presse.de






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