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HÖSSERINGEN. Das Gelände des heutigen Museumsdorfes Hösseringen wäre wohl nicht ausgesucht worden, wenn Menschen früherer Zeiten nach einer geeigneten Siedlungsstelle gesucht hätten. Dieses Fazit zog Prof. Klaus Röttcher am Sonnabend im Rahmen seiner Führung „Geschichten von Wasser, Hygiene und Plumpsklo“. „Es mangelt hier an fließendem Wasser“, stellte Röttcher fest – und das Thema Wasser zog sich dann auch als roter Faden durch seine Ausführungen, die er mit einem Gang durch das Museumsgelände verknüpfte. Kein Wunder, war Röttcher an diesem Tag doch nicht nur als Lehrender der Ostfalia Hochschule Suderburg im Einsatz, sondern auch als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen wasserhistorischen Gesellschaft.

Gemeinsam mit seinen Zuhörerinnen und Zuhörern ging er der Frage nach, welchen Wasserbedarf der Mensch heute im Vergleich zu früheren Jahrhunderten hat und welcher Anteil beispielsweise in die Landwirtschaft fließt. In unserer Region sind dies immerhin 70 Prozent des Wasserverbrauches. Welche Bedeutung das Vorhandensein von ausreichend Wasser hat, spiegelt sich auch in der Bibel wider, allein im Alten Testament ist das Wasser gut 500mal erwähnt. „Dies hängt auch damit zusammen, dass die Ursprünge des Christentums in einer sehr viel trockeneren Gegend entstanden“, so Röttcher. Aber auch Hygieneregeln für das Zusammenleben von Menschen auf engem Raum, welches es vor der Entstehung von großen Siedlungen und Städten nicht gegeben hatte, spielen eine wichtige Rolle in religiösen Schriften, die immer auch ein Spiegel des Lebensalltages der Menschen sind. „In der Zeit der Jäger und Sammler war das kein so entscheidendes Problem“, fasste es Röttcher zusammen.

Im Anschluss an die Führung im Museumsdorf fand auf Einladung des Tourismusvereins Suderburger Land eine Vorführung zum Suderburger Rückenbau an der Rieselwiese bei Suderburg statt. „Die Technik der Wiesenbewässerung stammt aus der Antike“, schlug Günther Schröder, der für die zahlreichen Gäste das Stauwehr betätigte, den Bogen in die Geschichte. Es sollte dann aber noch viele Jahrhunderte dauern, bis eine Technik, die bereits die Etrusker gekannt haben, ihren Siegeszug in der Lüneburger Heide antrat:

„Zum Beginn des 19. Jahrhunderts hat die Entwicklung Fahrt aufgenommen, zunächst besonders in England“, so Schröder. Perfektioniert wurde der Rückenbau dann aber in Suderburg – und hier entstand auch ein wissenschaftliches Lehrfach zu diesem Thema. Zunächst allerdings in Konkurrenz zu Uelzen, wo im Dezember 1853 eine erste Hochschule für den Rückenbau gegründet wurde. „Das konnten die Suderburger natürlich nicht auf sich sitzen lassen und gründeten ihrerseits im Januar 1854 eine eigene Schule, die sich dann langfristig durchsetzte“, so Schröder. Die Uelzener Schule hielt sich lediglich zehn Jahre, während die Suderburger Wiesenbauschule zum Vorläufer des heutigen Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule wurde. Dann wurde es ernst, denn Günther Schröder setzte die große Kurbel ein und öffnete das Stauwehr. Langsam füllten sich die Wasserzuläufe und nach und nach wurden auch die „Rücken“ der eigens für Vorführungen angelegten Rieselwiese mit Wasser geflutet. „Das ist immer ein eindrucksvolles Bild“, so die Vorsitzende des Tourismusvereins Suderburger Land, Christine Kohnke-Löbert. „Wir sind froh, dass wir Einheimischen und Gästen anhand der Rieselwiese diese für unsere Region so wichtige Technik vorführen können.“ Die Rieselwiese ist Teil des Kulturhistorischen Wassererlebnispfades und wird alljährlich unter anderem zum „Tag der Industriekultur“ gezeigt.

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