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5 Jahre „zuGabe“: ein Rückblick auf das erfolgreiche Projekt

CELLE. Die „zuGabe – mehr Zeit für Menschen“ feiert 5-jährigen Geburtstag. Die Diakonie Südheide GmbH stellte das Projekt kurz vor und erzählte von ihren Erfahrungen des Projektes. Das Ziel ist, dass die Pfleger*innen 15 Minuten Extra-Zeit mit den zu Pflegenden verbringen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Diese wertvollen Minuten werden mittels unterschiedlicher Fundraising-Aktionen finanziert. Gerade in der Pflege werden seelische Bedürfnisse häufig kaum berücksichtigt, da die Abrechnung der Kranken- und Pflegekassen diese nicht zulassen. So werden meist nur Kosten der körperlichen und medizinischen Pflege übernommen. Dies führt dazu, dass die Pfleger*innen nur begrenzte Zeitkapazitäten haben. Die Diakonie Südheide GmbH will hier einen Unterschied machen und hat sich die „zuGabe“ überlegt. Bereits 5 Jahre haben sie dieses Projekt des Herzens erfolgreich umgesetzt.     

Harald Schilbock, Fundraiser des Projekts, schilderte, dass 2015 die Projektidee entstand und vorbereitet worden wäre. Im März des Folgejahres hätte der Startgottesdienst in der Celler Stadtkirche das Projekt in der Öffentlichkeit vorgestellt. Grundgedanke sei, dass nicht abrechenbare Leistungen wie „mehr Zeit für Menschen“ geleistet und entlohnt werden sollten. Wie beim Konzert solle es in der Pflege eine „zuGabe“ geben – für 5 Euro schenkten Spender*innen 15 Minuten für Gespräche. Zunächst von der Landeskirche Hannover gefördert, wird dieses Projekt nun über Fundraising- und Crowdfunding-Aktionen finanziert. In vergangenen 5 Jahren hätten sie 30 Dauer- und Wiederholungsspender gewonnen, darunter: KolpingTex Celle, Landgestüt Celle, Gymnasium Ernestinum und Landfrauen Celle. Veranstaltungen wie Applaus und Aktionen wie die der „Dorfladen-Masken-Nähgruppe“ des Dorfladenvereins Adelheidsdorf hätten das Projekt finanziert. Über „Celler Crowd“ hätten sie Crowdfunding-Aktionen wie „WeihnachtszuGabe“ im Corona-Winter und gerade aktuell die „GeburtstagszuGabe“ https://www.celle-crowd.de/geburtstagszugabe bis 15.10.2021 gestartet. Beim 7. Fundraising–Preis der Evangelisch–lutherischen Landeskirche Hannovers erhielt das Projekt den „Nachhaltigkeitspreis“. Sie hätten dauerhaft das diakonische Profil der ambulanten Pflege gestärkt und die Finanzierungsstrategie vor allem im Bereich Fördererbindung nachhaltig umgesetzt. Mit dieser Beschreibung übergab die Laudatorin Stephanie von Lingen, Superintendentin des Kirchenkreises Leine-Solling, im August 2018.

Andrea Böker, Geschäftsführerin der Diakonie Südheide, beschrieb das „Magische Dreieck“. Drei Zielgruppen würden durch die „zuGabe“ gewinnen: Pflegebedürftige, Pflegende und Angehörige. Der Pflegebedürftige könne Erlebtes wiedergeben und verarbeiten. Die Pflegeperson könne Pflegebedürftige besser kennenlernen und seine Sorgen, Nöte, aber auch seine Freude miterleben. Die Angehörigen würden entlastet, weil jemand in den Haushalt komme, der sich nicht nur um das körperliche Wohlergehen kümmere. Eigentlich sollte dieses Dreieck erweitert werden zu einem Viereck. Denn auch die Spender*innen würde von dem guten Gefühl profitieren, dass sie etwas Gutes ermöglichen. Jetzt könne neben der Nahrungsversorgung, Mobilität, Medizin und Körperpflege auch Zeit für ein gutes Gespräch gegeben werden. Von Januar bis August dieses Jahres wären bereits 900 „zuGaben“ verschenkt worden. Um diese Zeit aufbringen zu können, habe die Diakonie Südheide GmbH mehr Pfleger*innen eingestellt, die sich aufgrund der „zuGaben“ auch vermehrt bei ihnen beworben hätten. Die Bezugspflege wäre darauf vorbereitet worden mit einem kleinen Training zu Gesprächseinstieg, Gesprächsführung und Gesprächsende. Viele der Pflegebedürftigen hätten diese „zuGabe“ bereits ritualisiert und Kaffee bereits vor Pflegebesuch gekocht. Pflege sei ein ganzheitliches Miteinander, schließlich könne niemand ohne eine vertrauensvolle Beziehung gesundwerden.

Beide Sprecher wiesen auf das Video zum Geburtstagsgottesdienst vom 09.09.21 in der Celler Stadtkirche hin: https://www.youtube.com/watch?v=rUOZav8-CIY. Im Video zeigt der theologische Vizepräsident des Landeskirchenamtes Hannover Ralph Charbonnier die Mehrdimensionalität und die Bedeutsamkeit des Projektes auf. Dieses Projekt habe seelsorgerische, politische Bezüge, aber auch zu Gott. Anhand der „Fünf Säulen der Identität“ des Psychologen Hilarion Pätzold legt Charbonnier dar, wie wichtig diese Gespräche für die innere Stabilität der Pflegebedürftigen sei. So habe die innere Welt der Pflegebedürftigen seinen Raum im Gespräch und trage zur inneren Stabilität bei. Die politische Dimension teilt er auf in eine fachpolitische, gesundheitspolitische, unternehmens- bzw. diakoniepolitische und kirchenpolitische. Gesundheitspolitisch betrachtet sei die „zuGabe“ wichtig, da diese weder von der Kranken- noch von der Pflegekasse getragen würden. Damit hinke das Gesundheitssystem dem christlichen Menschenbild hinterher. Gerade für die Kirche sei das Projekt „wie ein Stachel im Fleisch“, da es auf einen unaufhebbaren Zusammenhang verweise. Wenn nach Gottes Willen gepflegt werde, brauche es Einheit von Tat und Wort, von seelsorgerischem Gespräch und fachlicher Pflege, so Charbonnier. Andrea Böker interviewt die Pflegekräfte, welche Erfahrungen sie mit der „zuGabe“ hätten gewinnen können. Diese erzählen, dass die Menschen die persönliche Zeit genießen würden, für die Pflegebedürftigen da zu sein. Diese Extra-Zeit stelle eine Bereicherung für Pflegebedürftige und Pflegepersonen dar. Die Pflegekräfte würden die zu pflegende Person, Biografisches und Historisches besser kennenlernen. Diese Gespräche würden eine andere Seite des Pflegebedürftigen aufzeigen. Im Anschluss dankt Böker allen Pflegenden für ihr Engagement bei der Pflege.

Redaktion
Celler Presse






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