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Hitzeaktionstag: Expertinnen und Experten fordern rasches Handeln beim Hitzeschutz

Hitzeschutz darf in Deutschland nicht länger ein Nischenthema bleiben. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen sich dringend gegen Hitzewellen wappnen, sonst drohen in Zukunft noch mehr hitzebedingte Gesundheitsschäden und Todesfälle. Das ist die Botschaft der Veranstaltung „Deutschland hitzeresilient machen – wir übernehmen Verantwortung“ im Rahmen des Hitzeaktionstags, den die Bundesärztekammer gemeinsam mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) veranstaltet hat. Im Beisein von Sabine Dittmar, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, diskutierten Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen und der Klimaforschung auf der Fachtagung in der Bundesärztekammer über Maßnahmen für einen besseren Hitzeschutz.

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: „Deutschland hinkt beim Hitzeschutz anderen Ländern hinterher. Das zeigt beispielsweise der Blick nach Frankreich. Daher ist es gut, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach endlich einen bundesweiten Hitzeschutzplan angekündigt hat. Aber Hitzeschutz ist nicht allein Aufgabe der Politik. Er ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen klare, aufeinander abgestimmte Verantwortlichkeiten auf allen Entscheidungsebenen in Bund, Ländern und Kommunen, aber auch in Gesundheitseinrichtungen, Kitas, Schulen oder Unternehmen. Dabei ist es unerlässlich, Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Fachwissen und praktischem Know-how in die Planung und Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen einzubinden.“

Dr. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin: „Im vergangenen Sommer sind in Deutschland 4500 Menschen an Hitze gestorben. Wir müssen als Gesellschaft insbesondere vulnerable Gruppen wie Ältere, Vorerkrankte, Kinder und Schwangere besser schützen. Eine echte Hitzewelle, die länger als zwei oder drei Tage dauert, kann unser Gesundheitssystem aktuell nicht abfangen. Die Regelungen für einen solchen Katastrophenfall dürfen nicht erst dann getroffen werden, wenn die Katastrophe da ist. Dafür bedarf es einer langfristigen Vorbereitung. Daher ist es ein Hoffnungsschimmer, dass der Bundesgesundheitsminister jetzt konkrete Maßnahmen zum Hitzeschutz ergreifen will. Ich hoffe sehr, dass diesen Worten auch Taten folgen.“

Dr. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit: „Jeder Bürgermeister, jede Landrätin, jeder Klinikdirektor, jede Schulleiterin, jeder Personalchef muss um die Gefährdung der ihm Anvertrauten durch Hitze wissen – und wie er damit umgeht. Darüber hinaus stellen wir an den Gesetzgeber klare Forderungen: Hitzeschutz muss auf der Bundes-, Länder- und kommunalen Ebene gesetzlich verankert werden, so wie zum Beispiel Brandschutz.“

Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum
für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven: „Deutschland muss sich mit seinen Hitzeschutzplänen auch in einem internationalen Zusammenhang sehen, wo sich in einigen Gebieten der Tropen aufgrund lebensfeindlicher Bedingungen der Verlust von menschlichem Lebensraum abzeichnet. Dadurch werden uns auch die Grenzen menschlicher Anpassung vor Augen geführt. Der beste Gesundheitsschutz liegt darin, den Klimawandel zu stoppen und die Erwärmung so zu begrenzen, dass die notwendigen Anpassungsmaßnahmen wie der Hitzeschutz auch optimal greifen können.“

Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL, Bielefeld: „Durch den Klimawandel werden Hitzewellen künftig häufiger und intensiver auftreten. Hitze trifft vor allem die Städte, die sich tagsüber aufheizen und nachts nicht mehr abkühlen. Städte müssen sich an den Klimawandel anpassen. Grünräume und urbane Gewässer, kühle Orte, Trinkwasserspender, unversiegelte Böden und Kaltluftschneisen helfen dabei.“

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin, Augsburg: „Gerade an der Gefahr Hitze spüren wir, dass wir als Menschen Grenzen der Anpassung haben. Ab 42 Grad Körpertemperatur stirbt der Mensch. Deswegen brauchen wir unbedingt beides – eine Resilienzstrategie, die Prävention in den Vordergrund stellt und eine Strategie, die Klimakrise abzumildern. Und bei beiden Dingen können Menschen aus Gesundheitsberufen eine zentrale Rolle und Verantwortung übernehmen.“

Cindy Steinhöfel, Deutscher Pflegerat: „Unsere Pflege- und Gesundheitsversorgung muss flexibler, gesünder und klimagerechter werden. Beruflich Pflegenden kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie sind im engen Kontakt zu hitzegefährdeten Menschen sowie ihren An- bzw. Zugehörigen und können damit gezielt zum Hitzeschutz informieren. Nur gemeinsam können wir den Herausforderungen des Klimawandels begegnen. Das heißt aber auch, beruflich Pflegenden mehr Mitspracherecht und Handlungsautonomie zu geben.“

Am Hitzeaktionstag fanden bundesweit Pressekonferenzen, Symposien und Aktionen statt, die von einer Vielzahl von gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren getragen wurden. In Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer, dem Arbeiterwohlfahrt Bundesverband, dem Deutschen Pflegerat, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe veranstaltete KLUG mehrere Online-Hitzesymposien mit Fokus auf Gesundheitseinrichtungen. Auf Landesebene fanden in Zusammenarbeit mit Landesärztekammern, Hitzeaktionsbündnissen, Pflegeverbänden, Health for Future Gruppen und weiteren Gesundheitsorganisationen zahlreiche Veranstaltungen statt.

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