Zum Inhalt springen
Anzeige
Anzeige

„Wir sind eins“ – Erinnern an unfassbares Leid der Eziden

Es dauert nur einen kurzen Augenblick, dann sind sie wieder da – die unter den aktuellen Kriegsereignissen in Europa verschütteten Bilder von den Menschen, die in brütender Hitze die Berge hochsteigen auf der Flucht vor den Schergen des sogenannten Islamischen Staates (IS). Am gestrigen 3. August jährte sich deren Überfall auf die ezidisch-kurdischen Einwohner im Shengal zum 9. Mal. Eine vom Dachverband des Ezidischen Frauenrates e.V. organisierte Kundgebung rief zum Gedenken auf, trotz Dauerregens versammelten sich zahlreiche Menschen aus Celle und dem Umland auf dem Brandplatz. „Es wird deutschlandweit der Ereignisse gedacht, die Eziden suchen sich den nahegelegensten Ort aus“, erläutert Hatti Kizilyel, der zu den Gästen gehört.

Das Herzstück der Veranstaltung bildet der mit nachgestellten Szenen unterlegte Dokumentarfilm „Briefe aus Shengal“, es sind seine eindringlichen Schilderungen, die die Bilder aus dem Jahr 2014 wieder zurückholen. „Eine Zeit des Schreckens, die tiefe Wunden hinterlassen hat“, hatte einer der Organisatoren des Celler Gedenkens, Yilmaz Kaba, während der Ansprachen und religiösen Rituale ezidischer Würdenträger die damaligen Ereignisse überschrieben. Was diese Worte bedeuten, zeigte der Film von Fariborz Kankari. Tief taucht er ein in die Geschehnisse, beleuchtet rückblickend aus unterschiedlichen Perspektiven, indem er einen neunjährigen Jungen sowie Mitglieder der kurdischen Einheiten, die sich formiert hatten und die Stadt Shengal befreiten, Briefe schreiben lässt. Frauen und Männer kämpften Seite an Seite, waren erfolgreich, zahlten jedoch einen immens hohen Preis. Tod und unfassbares Leid unter ihnen und ihren Familien. Die Menschen fühlten sich alleingelassen, vergessen von der Weltgemeinschaft, dieses wird deutlich in den Reden. „Wir sind ein vom Genozid geprägtes Volk, wir können uns nur auf uns selbst verlassen“, hieß es. Der türkische Staat wird mitverantwortlich gemacht.

Hatti Kizilyel ist gebürtiger Celler und damit Teil der größten Community der Eziden außerhalb ihrer Heimat, wie blickt der Restaurantbesitzer und Kommunalpolitiker auf die Ereignisse zurück? Sieht er Probleme mit den türkischstämmigen Menschen der Region? „Ich möchte es ganz anders sagen“, antwortet er, „ich habe damals eine riesige Hilfsbereitschaft von allen Menschen aus der Region erlebt, eine unglaubliche Solidarität. Darauf bin ich stolz als Celler und daraus haben wir viel Kraft geschöpft. Für mich ist es ein Tag der Trauer, aber in mir leben auch diese positiven Bilder wieder auf. Wir sind eins!“, sagt Hatti Kizilyel abschließend und diese Aussage findet ihren Ausdruck in einem Bild, das im Laufe des Abends entsteht: Gemeinsam mit Klaus Didschies, der als Bürgermeister das Stadtoberhaupt Dr. Jörg Nigge vertritt, zündet er Kerzen an (S. Foto).

Anke Schlicht
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

Hinweis zu der Meldung
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.


Anzeige