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Ohne Oberbürgermeister, ohne Celle-Problematik, ohne öffentliche Fragen

Der Oberbürgermeister kam nicht und die Gäste, die den Saal in der Direktorenvilla am Französischen Garten hätten füllen können, auch nicht. Dabei war das Thema der angekündigten Podiumsdiskussion nicht nur brandaktuell angesichts der täglichen Nachrichten über Auswirkungen des Klimawandels, sondern speziell für die Stadt Celle mit ihrem Fachwerkensemble sowie den Zeugnissen des Neuen Bauens von Otto Haesler überaus interessant. „Ressource Kulturerbe – Systemgrenzen größer denken bzw. Wie lassen sich Klimaschutz und Denkmalpflege vereinbaren“ hatte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) die Veranstaltung anlässlich des gestrigen Tages des offenen Denkmals überschrieben und mit dem Architekten Prof. Oskar Spital-Frenking und Lothar Nolte von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen für eine hochkarätige Besetzung gesorgt.

Vorgesehen, um die Gäste zu begrüßen, war der Verwaltungschef Dr. Jörg Nigge, er ließ sich vertreten von Stadtbaurätin Elena Kuhls. Kaum hatte sie den ersten Satz gesagt, hielten zwei Zuschauer jeweils eine Tafel in die Höhe mit den Aufschriften „Celler Kulturerbe/Kultur-Denkmal erledigt“. Wenige Minuten später wird der verantwortliche Architekt für die denkmalgerechte Sanierung der Altstädter Schule Oskar Spital-Frenking sagen: „Wenn Sie die Umwelt schützen wollen, dann dürfen Sie nicht neu bauen.“ Er rief dazu auf, den Bestand weiter zu nutzen. „Uns wurde in den Kopf gepflanzt: Nur das Neue ist gut, das ist nicht richtig!“

Ein Leitsatz, der in Celle noch nicht durchgedrungen ist, die Plakate der Zuschauer belegen es anhand der Wachswarenfabrik von Otto Haesler, die unter Denkmalschutz stand und dennoch im Jahr 2021 abgerissen wurde. Das gleiche Schicksal hatte wenige Monate zuvor die geschichtsträchtige, aber nicht denkmalgeschützte MTV-Halle aus dem Jahr 1913 ereilt. Hilfesuchend hatte sich die Bürgerinitiative für den Erhalt des Gebäudes seinerzeit an die Präsidentin des NLD Dr. Christina Krafczyk gewandt, ohne Erfolg. Bei der gestrigen Veranstaltung ist sie Gastgeberin und stellt mit der Aussage über den Veranstaltungsort unter Beweis, dass sie sich mit dem Celler Kulturerbe nicht hundertprozentig auskennt: „Das ist hier hochwertiger Bestand, gut erhalten und immer gut genutzt.“ Derjenige, der die Villa davor bewahrte, dem Erdboden gleichgemacht zu werden, sitzt im Publikum: Dietrich Klatt rettete das damalige Jugendzentrum „Magnushütte“ im Jahr 1983. Das Gebäude, das von Diskussionsteilnehmer Lothar Nolte als „Antwort auf eine epochale Herausforderung“ bezeichnet wird, sollte einem Parkhaus weichen. Seitdem hat ein Umdenken stattgefunden, dennoch sind Kulturdenkmäler in der Residenzstadt nicht sicher, die Wachswarenfabrik, die kontinuierliche Vernachlässigung der Siedlung Blumläger Feld, ebenfalls von Otto Haesler errichtet, sind nur zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Doch dieses ist nicht Thema der Podiumsdiskussion. Speziell auf Celle eingehen, sei nicht intendiert, sagt Frau Krafczyk zu Dietrich Klatt im Anschluss an das einstündige Gespräch. Öffentlich können keine Fragen gestellt werden. Dietrich Klatt zeigt sich enttäuscht, und ist damit nicht allein. Ein anderer Besucher wäre gerne am Tag des offenen Denkmals in die erste Etage der Direktorenvilla gegangen. Zutritt wurde ihm nicht gewährt, denn seit einigen Wochen residiert dort die Verwaltung der Stadtbibliothek.

Das gesetzte Thema erweist sich für den kurzen Zeitrahmen als zu groß, wichtige Aspekte können nur angerissen werden. Somit hat die Veranstaltung nur den einen Zweck erfüllt, für den sie anberaumt wurde, erfüllt: Die Eröffnung der Wanderausstellung „Ressource Kulturerbe“, diese ist vom 12. bis zum 14. September 2023 von 11 bis 15 Uhr in der Direktorenvilla zu besichtigen.

Anke Schlicht
Celler Presse

Fotos: Anke Schlicht

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