Zum Inhalt springen
Anzeige
Anzeige

GEW: „Schulen und Kinder in Not – Bekämpfung der Personalmangels und der sozialen Ungerechtigkeit müssen Top-Priorität haben“

„Die Arbeitsbelastung zu senken, den Lehrberuf attraktiver zu machen und multiprofessionelle Teams an Schulen zu etablieren, lautet das Gebot der Stunde“, sagte Anja Bensinger-Stolze, Vorstandsmitglied Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf die Befunde des aktuellen Schulbarometers, das die Robert-Bosch-Stiftung heute veröffentlicht hat. „Wenn die Kultusministerien wollen, dass Teilzeitlehrkräfte in die Vollzeit zurückkehren, müssen sie auch etwas dafür tun.“ Der Hauptgrund für die hohe Teilzeitquote im Schulbereich sei die hohe Arbeitsbelastung. „Teilzeitkräfte leiden unverhältnismäßig stark unter den vielen zusätzlichen Aufgaben, die sie zusätzlich zum Unterricht stemmen. Interessant ist, dass sich 63 Prozent der teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte – und bei den jüngeren sogar 73 Prozent – durchaus vorstellen können, ihre Arbeitszeit wieder zu erhöhen, wenn auch die außerunterrichtlichen Tätigkeiten der Lehrkräfte mit berechnet würden, es weniger fachfremde Aufgaben gäbe und die Arbeit in der vereinbarten Zeit tatsächlich zu schaffen wäre“, betonte die GEW-Schulexpertin.

Sie unterstrich: „Wir brauchen eine Arbeitszeitmessung der tatsächlichen Arbeit, die die Lehrkräfte leisten. Es ist skandalös, dass die politisch Verantwortlichen keine Lehren aus den vielen Arbeitszeitstudien der vergangenen Jahre ziehen und nicht reagieren. Dabei geht es nicht zuletzt darum, endlich aus dem Teufelskreis aus Überlastung durch Lehrkräftemangel und Lehrkräftemangel durch Überlastung heraus zu kommen.“

„Wenn wir Lehrkräfte gewinnen und halten wollen, sind Arbeitszeiterhöhungen oder das Zurückweisen von Teilzeitanträgen – wie das in manchen Ländern versucht wird – kontraproduktiv. Das erhöht nur den Druck im Kessel“, hob die Gewerkschafterin hervor. Wichtiger seien Maßnahmen, die nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Zum Beispiel zusätzliches sozialpädagogisches, erzieherisches oder auch technisches Personal einzustellen, das sich um die Förderung der Kinder, soziale Probleme, die IT-Administration oder auch die Schulverwaltung kümmere.

„Die Lehrkräfte – auch das zeigt die Befragung – sind bereit, an den Schulen ihr Bestes zu geben. Sie wünschen sich mehr Räume, um besser differenziert unterrichten zu können. Sie möchten mehr Entscheidungsfreiheit bei der Leistungsbewertung und den Lerninhalten. Darauf mit noch mehr Vorgaben und Druck und zusätzlicher Arbeitsbelastung zu reagieren, macht den Beruf nicht attraktiver“, sagte Bensinger-Stolze.

Die Befragungsergebnisse zur schulischen Inklusion bestätigten das Urteil, das der UN-Ausschuss zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) an deutschen Schulen kürzlich in Genf gefällt hat. Neben multiprofessionellen Fachkräften, Räumen für differenziertes Lernen und inklusiven Lernmaterialien fehle es insbesondere an einer entsprechenden Vorbereitung der Lehrkräfte in der Aus- und Fortbildung. „14 Jahre nach der Ratifizierung der UN-BRK blamiert sich die Bundesrepublik zunehmend international, indem das Land weiterhin einen Flickenteppich zulässt, Schulen nicht ausreichend unterstützt und die Selektion schönredet“, monierte das GEW-Vorstandsmitglied.

Als erschreckend und besorgniserregend bezeichnete Bensinger-Stolze die zusehends sichtbar werdende Armut von Schulkindern, die ohne Schul- und Schreibmaterialien, ja sogar ohne Frühstück zur Schule kämen. „Papier, Stifte und Bücher sind um fünf bis 14 Prozent teurer geworden, wie das Statistische Bundesamt neulich mitgeteilt hat. Mit dieser Preisentwicklung können viele Familien nicht Schritt halten. Deutschland verabschiedet sich zudem weiterhin schrittweise von der Lehrmittelfreiheit. Das ist beschämend für ein so reiches Land“, stellte die GEW-Schulexpertin fest: „Es muss endlich Schluss sein mit dem Reformgemurkse. Das Startchancenprogramm der Bundesregierung muss endlich schnell umgesetzt, die Kindergrundsicherung essentiell nachgebessert und der menschenrechtliche Auftrag der Inklusion ernsthaft angegangen und mit Ressourcen untersetzt werden.“

Info: Die GEW beteiligt sich an der Bekämpfung des Lehrkräftemangels und einer sozial-indizierten Verteilung der Ressourcen im Bildungssystem in Form ihres „15-Punkte-Programms gegen den Lehrkräftemangel“ und einen Vorschlag für einen alternativen Verteilungsschlüssel für Ressourcen.

PR
Foto: Pexels /Pixabay

Hinweis zu der Meldung
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.


Anzeige