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Pflegefachtag der Gesundheitsregion Celle in Zusammenarbeit mit dem ZukunftsPFLEGEnetz Celle und Landkreis: „Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen verhindern“

Landrat Axel Flader begrüßte im Kreistagssaal ca. 80 Akteurinnen und Akteure, die an Versorgung und Pflege beteiligt sind, aus Stadt und Landkreis Celle und fasste das Thema treffend zusammen: „Gewalt in der Pflege ist nach wie vor ein Tabuthema. Eine genaue Angabe darüber, wie viele Menschen in Deutschland, die gepflegt werden oder Tätigkeiten in der Pflege ausüben, Gewalt erleben, ist nicht möglich. Das liegt zum einen an den unterschiedlichen Formen und Ausprägungen von Gewalt, z. B. in Form von körperlicher oder verbaler Gewalt oder auch Vernachlässigung. Zum anderen wird häufig aus Angst oder Scham geschwiegen.“

So hatte nun der Pflegefachtag zum Ziel all diesen Ungewissheiten entgegenzuwirken und die anwesenden Multiplikatoren zu sensibilisieren zur Entwicklung eines Bewusstseins für Hintergründe und Ursachen und gleichzeitig eine Enttabuisierung des Themas anzugehen.  Bereits seit 2020 wird die Vernetzung und Förderung des Austauschs durch das ZukunftsPFLEGEnetz Celle und Landkreis vorangetrieben. Für diesen Fachtag haben sich nun erstmals die Koordinatorinnen des ZukunftsPFLEGEnetzes und der Gesundheitsregion Celle zusammengetan, um eine höhere Reichweite in der Öffentlichkeit und beim Fachpublikum für dieses sensible Thema zu schaffen.

vlnr. Christina Torbrügge, Prof. Dr. Nina Fleischmann, Maret Bening, Kordula Sommer

So sensibilisierte dann die Organisatorin der Veranstaltung, Christina Torbrügge, mit der Schilderung eines Falles von Gewalt in der Pflege im familiären Umfeld die Anwesenden eindrücklich für das Thema. Der Fall zeigte eine gewisse Ohnmacht aller direkt daran Beteiligten, einschließlich Pflegedienst, und anderer einbezogenen Personen – von Hausarzt bis Polizei – in einem offensichtlichen Fall schnell und effektiv zu handeln.  

Prof. Dr. Nina Fleischmann, Professorin für Pflegewissenschaft an der Hochschule Hannover verdeutlichte dann in ihrem gut strukturierten Vortrag Ursachen und Anzeichen in einer Standortbestimmung, und es zeigte sich, dass es ein weites Feld ist. Gewalt wird unterschiedlich erlebt und wahrgenommen. Handelt es sich um eine einmalige Situation? Möglicherweise geschieht es nicht absichtlich oder ist es gar ein Versehen? Eine Pflegesituation bedeutet immer eine Abhängigkeit. Gewalt kann körperlich ausgeübt werden, freiheitsentziehend oder psychisch; aber auch Vernachlässigung bedeutet Gewalt, wie auch finanzielle Ausnutzung. So gibt es allerdings auch sexualisierte Gewalt. Für die zu pflegende Person bedeutet das Stress, Unruhe, Ohnmachtsgefühl, Wut, Angst und in ganz extremen Fällen körperliche Blessuren wie Blutergüsse oder Prellungen. Ein Problem liege darin, dass sich die von Gewalt Betroffenen oft nicht trauen, darüber zu reden, da sie sonst Nachteile befürchten. Zu der Häufigkeit von Gewalt in der Pflege, so die Referentin, gebe es keine klaren Erkenntnisse. Es gebe aber auch Gewalt gegen Mitarbeitende.

Zu der Gewaltprävention gehört gesellschaftliche und soziale Teilhabe für die zu pflegenden Menschen. Für die Pflege ist eine Sensibilisierung zur Wahrnehmung von Verdachtsfällen von Gewalt notwendig. Das erfordert eine Schulung. Bedauerlich sei, dass es an Mess- und Dokumentationssystemen mangele.

In diesem Zusammenhang erläuterte die Referentin das Projekt „Wohl.Fühlen“, das in ausgewählten sechs teil- und vollstationären Projekteinrichtungen die sensiblen Themen Sexualität und Gewalt in den Fokus ihrer Maßnahmen zur Gesundheitsförderung stellt. Gemeinsames Ziel ist es, die nach wie vor tabuisierten Themen „Gewalt“ und „Sexualität“ für alle Beteiligten in den Pflegeeinrichtungen „besprechbar“ zu machen. Maßnahmen sind schriftliche oder persönliche Befragungen, Hausbegehungen mit klarem Blick für Unzulänglichkeiten. Wichtig sind Gruppengespräche in sicherem geschützten Raum, Informationen über klare Regeln und Rechte. Auch werden Gespräche mit Angehörigen gesucht. Mit konkreten Zielen und Maßnahmen kann ein Projektantrag auf Fördermittel gestellt werden. Letzten Endes geht es um die Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen, was alle Bewohner der Einrichtung betrifft unter Berücksichtigung der Diversität.

Was aber hemmt die Projektarbeit? Zunächst war es die Coronapandemie, generell der Arbeits- und Zeitaufwand, die fehlende Kontinuität, die Wahrnehmung. Das bedeute: Keine Zeit für solche Projekte.

Großes Anliegen von Dr. Nina Fleischmann war es, dass die anwesenden Akteure sich vernetzten. Sie hatte daher in kurzen Vortragspausen zu Kontaktgesprächen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander aufgerufen, was auch lebhaft genutzt wurde.

In einem weiteren Vortrag erläuterte die Koordinatorin des Runden Tisches gegen Gewalt in der Pflege im Landkreis Lüneburg, Maret Bening, „Umgang mit dem Thema Gewalt in der Pflege – ein Beispiel aus Lüneburg“. Abschließend stellte Kordula Sommer, Koordinatorin des ZukunftsPFLEGEnetz Celle und Landkreis die Umsetzungsmöglichkeiten im Landkreis Celle vor. Das ZukunftsPFLEGEnetz ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Pflege: Für Angehörige, die Fragen oder Probleme mit der Pflege haben, für Pflegepersonal, das Unterstützung benötigt, für alle, die neue Ideen zum Thema Pflege einbringen möchten.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler-Presse.de

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