Celler Karstadt-Gebäude nicht denkmalwürdig
Die Aussage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege beruht auf einer aktuellen Einschätzung und lässt keinen Zweifel offen: Das Celler Karstadt-Gebäude wird von der Behörde als nicht denkmalwürdig eingestuft. „Die Beantwortung Ihrer Anfrage hat sich etwas verzögert, da wir uns nochmals intensiv mit dem Gebäudebestand ‚Karstadt‘ in Celle befasst haben“, teilt Pressesprecher Dr. Tobias Wulf mit und hebt hervor, die Unterschutzstellung von Gebäuden als Baudenkmale sei die hoheitliche Aufgabe des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD). „In diesem Fall wurde bereits vor über 10 Jahren eine Denkmalbewertung durchgeführt. Insbesondere bei dem jüngeren Baubestand, für den ein Gesamtüberblick in Niedersachsen noch nicht vorliegt, kann es aufgrund neuer Erkenntnisse innerhalb der Inventarisation durchaus zu Neueinschätzungen kommen.“
Die abschließende Bewertung, man sei nach interner Prüfung zu dem Ergebnis gelangt, „dass es sich auch nach heutiger, aktueller Beurteilung um kein Baudenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes handelt“, wird manche Celler freuen, andere enttäuschen. Denn die Ansichten über den grau-weißen Koloss im Herzen der Celler Altstadt aus dem Jahr 1965 gehen auseinander. Der Vorschlag des Oberbürgermeisters Dr. Jörg Nigge, sich darum zu bemühen, das Gebäude zu kaufen, um es abzureißen und Platz zu schaffen für eine Grünanlage, sich in den Bestand einfügende Wohnungen und Geschäfte, „gerne auch mit einem coolen Rooftop-Club auf dem Dach“, sprechen etlichen Cellern aus dem Herzen, hatten sich viele doch immer nur irgendwie arrangiert mit dem äußeren Erscheinungsbild des Warenhauses.
Doch es gibt auch Stimmen in der Stadtgesellschaft, die stetig Sympathien hegten für den damals modernen 60er-Jahre Bau des Düsseldorfer Architekten Walter Brune. Architekturkenner und Autor des Buches „architekturMEILE“ Dietrich Klatt ist einer dieser Vertreter: „Das Haus ist ein Blickfang, der in gekonnter Weise versucht, durch die rhythmische Auffaltung der Fassade in Beziehung zu treten zu den Celle-Prinzipien. Der Architekt hat die Kleinteiligkeit der Fachwerkhäuser in eine neue Form gegossen.“ Klatt schreibt dem Gebäude eine eigene Architektur-Sprache zu, hebt besonders die farbigen Akzente in der Fassade hervor, die Bezug nehmen auf die entsprechenden Elemente der historischen Altstadt-Häuser, sowie die besondere Gestaltung der Dachfläche in Form vieler kleiner Pyramidendächer. Für ihn und andere ist das Haus denkmalwürdig.
Lange galten in den 1950er und 1960er Jahren errichtete Häuser als Bausünden, doch hier hat sich in der Wahrnehmung der Fachleute schon seit geraumer Zeit ein Wandel vollzogen. Längst stehen nicht nur historische Gebäude vergangener Epochen unter Denkmalschutz, sondern auch viele Bauten der Nachkriegszeit wie z.B. das Verwaltungsgebäude der Üstra in Hannover, das ebenfalls aus der ersten Hälfte der 1960er Jahre stammt.
Auf einen anderen Aspekt machte ohne konkreten Karstadt-Bezug, vielmehr in allgemeiner Hinsicht der Architekt Prof. Oskar Spital-Frenking während einer Podiumsdiskussion in Celle anlässlich des Offenen Denkmals im September aufmerksam. Abriss sei keine Option mehr, man baue angesichts des Klimawandels im Bestand. „Uns wurde in den Kopf gesetzt: Nur das Neue ist gut, das ist nicht richtig“, sagte der zurzeit mit der denkmalgerechten Sanierung der Altstädter Schule beauftragte Fachmann.
Anke Schlicht
Celler Presse
Archivfoto Celler-Presse.de
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