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Faßberg gedenkt der Luftbrücke mit eindrucksvoller Zeremonie und hochkarätigen Gästen

Zum 75. Jahrestag des Endes der Berliner Luftbrücke versammelten sich über 300 Besucher sowie geladene Gäste auf dem Platz der Luftbrücke in Faßberg, um an die historischen Ereignisse zu erinnern und zu feiern. Der Fliegerhorst Faßberg spielte damals eine zentrale Rolle bei der Versorgung des blockierten West-Berlins, indem zwei Drittel der Kohlenlieferungen von hier aus gestartet wurden.

Ökumenischer Gottesdienst und bewegende Reden

Die Gedenkveranstaltung begann mit einem ökumenischen deutsch-britischen Gottesdienst, zelebriert von Evangelischer Militärpfarrer Florian Hemme, Pastor Francis Abdelmassieh der St. Laurentius Kirchengemeinde Faßberg-Müden und dem ehemaligen Military Chaplain der britischen Streitkräfte, Richard Downes. Die musikalische Begleitung übernahm die U.S. Air Force Band Europe. Hemme zitierte in seiner Rede das bekannte Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mey und verband es mit der Bedeutung der Freiheit und dem sehnsüchtigen Blick in den Himmel während der Luftbrücke.

Richard Downes sprach in seiner Predigt über den Mut und die Solidarität der Menschen, die die Luftbrücke möglich gemacht haben und hob die Bedeutung dieser historischen Leistung hervor.

Nicht warum, sondern wie hoch?

Predigt:

In den Streitkräften der Welt sind Befehle absolut und unverrückbar. Auf die Frage „Warum?“ folgt stets „Wie hoch?“. Diese bedingungslose Gehorsamspflicht lässt sich auch auf die Gebote im Evangelium übertragen. Jesus fordert uns auf, einander zu lieben, ohne nach dem „Warum“ zu fragen. Stattdessen sollen wir uns fragen: „Wie hoch?“ – und die Antwort lautet: „Wie ich euch geliebt habe“, bedingungslos und aufopferungsvoll.

Die Liebe, die Jesus uns vorgelebt hat, zeigt sich durch seine selbstlosen Taten, wie dem Waschen der Füße seiner Jünger und seinem Tod am Kreuz. In der Nachfolge Jesu als Christen zeigen wir diese Liebe durch Taten der Nächstenliebe, selbst gegenüber unseren Feinden. Die Berliner Luftbrücke von 1948/49 liefert ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie aus Feinden Freunde werden können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt. Die Sowjets blockierten Berlin, um die westlichen Alliierten zur Aufgabe zu zwingen. Die westlichen Verbündeten starteten die Berliner Luftbrücke, um die eingeschlossene Stadt zu versorgen. Über ein Jahr lang sicherten die USA und Großbritannien die Versorgung Berlins durch Luftbrückeoperationen wie OPERATION VITTLES und OPERATION PLAIN FARE. Diese humanitäre Aktion brachte über 2,3 Millionen Tonnen Nahrungsmittel und Kohle nach West-Berlin und zeigte, wie weit man gehen kann, um anderen zu helfen.

Die Luftbrücke beendete die Feindschaft zwischen den Nationen und führte zu einer dauerhaften Freundschaft zwischen ehemaligen Kriegsgegnern. Diese Freundschaft wurde mit der deutschen Wiedervereinigung 1989 weiter gestärkt. Auch heute erinnern wir uns an die Opfer, die ihr Leben für diese Mission gaben. Jesus sagte: „Niemand hat größere Liebe als die, die ihr Leben für ihre Freunde hingeben.“

Die Lehren Jesu und die Ereignisse der Berliner Luftbrücke zeigen, dass durch bedingungslose und aufopferungsvolle Liebe selbst die tiefsten Feindschaften überwunden werden können. Agape, die göttliche Liebe, fordert uns auf, das Wohl anderer über unser eigenes zu stellen und großzügige Fürsorge zu zeigen. Diese Liebe führt zu einer Welt, in der ehemalige Feinde zu Freunden werden können.

Statt uns zu fragen, warum wir einander lieben sollten, sollten wir uns fragen, wie hoch und wie weit wir in unserer Liebe gehen können. Die Berliner Luftbrücke ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie weit man gehen kann, um anderen zu helfen. Jesus gibt uns das Gebot: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ Lassen wir uns von diesem Geist leiten.

Begrüßungsreden und Anerkennung

Bürgermeisterin Kerstin Speder und der Standortälteste Oberstleutnant Bernd Kluge eröffneten die Zeremonie mit einer gemeinsamen Rede. Sie begrüßten die Anwesenden und betonten die Wichtigkeit des Gedenkens an die Luftbrücke. Besonders hervorhoben sie die Anwesenheit von Veteranen aus den USA und dem Vereinigten Königreich sowie Zeitzeugen aus Faßberg und Berlin-Spandau.

„Die Luftbrücke war eine beispiellose logistische Meisterleistung, die rund zwei Millionen Menschen vor dem Kälte- und Hungertod bewahrte“, so Speder. „Faßberg spielte dabei eine zentrale Rolle und darauf sind wir bis heute besonders stolz.“

Kluge ergänzte, dass Faßberg jährlich den Luftbrückengedenktag begehe, um die Leistungen und den Mut der Beteiligten in Erinnerung zu halten und die Solidarität der beteiligten Nationen zu würdigen.

Foto: Carsten König

Hochrangige Gäste und emotionale Momente

Nach den einleitenden Worten sprach Generalkonsul Jason Chue von der US-Botschaft in Hamburg. Er hob die Berliner Luftbrücke als Symbol für die kollektive Entschlossenheit hervor, Demokratie und Menschenwürde zu verteidigen. Chue erinnerte daran, dass die USA nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshallplan einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau Europas leisteten. Dieser Plan legte das Fundament für das moderne Europa und stärkte die transatlantischen Beziehungen.

Chue betonte die Bedeutung der Luftbrücke als Antwort auf die sowjetische Blockade Berlins und lobte den Mut und die Entschlossenheit der beteiligten Piloten und Helfer. „Die Berliner Luftbrücke war eine enorme humanitäre und logistische Anstrengung“, so Chue. „Wir gedenken alle, die hieran beteiligt waren, und schulden ihnen ewigen Respekt und Dankbarkeit.“

Er zog auch Parallelen zur heutigen Situation in der Ukraine, wo der Mut und die Entschlossenheit im Kampf gegen autoritäre Bedrohungen an die Berliner Luftbrücke erinnerten. Chue würdigte die Solidarität Deutschlands, das mehr als eine Million ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat und als zweitgrößter Geber von Unterstützung für die Ukraine agiert.

Denise Williams, die Tochter des berühmten „Schokoladen-Piloten“ Gail S. Halvorsen, sprach ebenfalls bei der Veranstaltung. Sie erzählte von der Geschichte ihres Vaters, der während der Luftbrücke als „Chocolate Pilot“ bekannt wurde, und wie kleine Gesten der Hoffnung, wie das Verteilen von Schokolade, einen großen Einfluss hatten. Ihr Vater, Gail S. Halvorsen, strahlte Hoffnung, Positivität und Dankbarkeit aus. Er war das Gesicht der Hoffnung und Menschlichkeit während der Berliner Luftbrücke. Williams betonte, wie wichtig es sei, die Lehren der Luftbrücke zu bewahren und den Geist der Menschlichkeit und des Zusammenhalts weiterzutragen. Die Berliner Luftbrücke war eine Geschichte der Hoffnung, und ihr Vater liebte es, diese Geschichte mit anderen zu teilen. Sie vertritt auch die Gail S. Halvorsen Aviation Education Foundation, die sich zusammen mit dem Berliner Luftbrückenmuseum in Faßberg der Förderung des Andenkens an die Berliner Luftbrücke widmet.

Williams erzählte weiter, wie die Berliner Luftbrücke nicht nur Berlin, sondern auch viele andere Teile Deutschlands unterstützte. Sie berichtete von einer kürzlichen Besichtigung des Berliner Luftbrückenmuseums in Faßberg, bei der sie von der Beteiligung tausender deutscher Bürger erfuhr, die die Luftbrücke außerhalb Berlins unterstützten. Diese Bemühungen trugen dazu bei, 540.000 Tonnen Kohle nach Berlin zu liefern. Williams erinnerte an die bewegenden Gespräche mit Veteranen der Luftbrücke und betonte, wie ehemalige Feinde zu Freunden wurden. Dies zeigte sich besonders bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin, wo ihr Vater für seine Rolle als Schokoladen-Pilot geehrt wurde. Die Menschlichkeit der Berliner Luftbrücke habe Nationen verändert und aus ehemaligen Feinden Freunde gemacht.

Sie berichtete auch von einem Treffen mit Viertklässlern aus Faßberg in Berlin, die über die Berliner Luftbrücke und den Kalten Krieg lernten. Diese Kinder wurden gelehrt, dass durch kleine Taten der Hoffnung aus ehemaligen Feinden Freunde werden können und dass Zusammenarbeit und Hilfe für andere auch heute noch genauso wichtig sind wie damals. Williams hob hervor, wie ihre Familie durch die Luftbrücke inspirierende Freundschaften geschlossen hat, die bis heute andauern. Sie beendete ihre Rede mit der Botschaft, dass kleine Gesten, wie das Teilen von zwei Kaugummistreifen, die Welt verändern können und dass der Geist der Berliner Luftbrücke uns weiterhin leiten sollte.

Rede von Ministerin Daniela Behrens

Ministerin für Inneres und Sport von Niedersachsen, Daniela Behrens, hob in ihrer Rede die Bedeutung der Luftbrücke für die deutsche Nachkriegsgeschichte hervor. Sie betonte die immense Leistung der Alliierten beim Wiederaufbau Deutschlands und die Bedeutung der Luftbrücke für die Versorgung Berlins. Behrens machte deutlich, dass die Solidarität und der Mut der damaligen Zeit auch heute noch relevant sind, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Situation in der Ukraine. Sie dankte den Alliierten für ihre Unterstützung und rief zu anhaltender Solidarität und Verteidigung der Freiheit auf.

Um 11:34 Uhr wurde ihre Rede unterbrochen, um gemeinsam an den vor einer Woche in Mannheim ermordeten Polizisten zu gedenken – ein stiller Moment der Solidarität und des Gedenkens an Opfer von Gewalt.

Ausblick und Würdigung

Die Veranstaltung war der Auftakt zu weiteren Feierlichkeiten im Rahmen des Tages der Bundeswehr in Faßberg. Sie verdeutlichte die Geschlossenheit und Verbundenheit der Gemeinde sowie die Anerkennung der historischen Leistungen. Bürgermeisterin Speder betonte: „Mit Ihrer Teilnahme an der heutigen Jubiläumsveranstaltung setzen Sie ein Zeichen, das nicht nur die Geschichte in Erinnerung behält, sondern auch eine unmittelbare Präsenz von Gefühlen und Gedanken schafft. Das Erinnern bleibt aktuell.“

So endete der Gedenktag in Faßberg mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit und der Erinnerung an eine Zeit, die Mut, Zusammenhalt und Solidarität erforderte und diese Werte bis heute lebendig hält.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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