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„Balkenkopf“ mit Sitzgelegenheiten zieht um in die Blumlage

Es ist eine der Besonderheiten dieses Kunstwerks im öffentlichen Raum, das die hochkarätige Jury, die es vor mehr als 30 Jahren favorisierte für die Installation am Kleinen Plan, schon damals im Blick hatte: Die Plastik „Balkenkopf“ ist auch ein Sitzmöbel, das zum Verweilen einlädt. Blank poliert zeigen sich die aus Kupfer, Bronze und Neusilber gefertigten Balken nach Jahrzehnten in Gebrauch. Doch damit ist nun Schluss, zumindest an der Stelle mitten in der Altstadt, für die die Künstlerin Ulrike Enders es in Erfüllung eines von der Stadt Celle ausgerufenen Wettbewerbs Ende der 1980er Jahre geschaffen hat.

Die Sanierung des Kleinen Plans bedeutet das Aus für diese Form von Kunst im Herzen der City. Der „Balkenkopf“ zieht um in die Blumlage, seine neue Adresse lautet „Im Kreise“, ein Straßenzug mit eigener, in erster Linie von der Synagoge geprägter, Stadt-Geschichte.

Eine höhere Aufenthaltsqualität, naturgemäß verbunden mit einem Plus an Sitzgelegenheiten, ist eines der Ziele der Umgestaltung des Kleinen Plans. Dass die Konstruktion der Plastik, bestehend aus einer Stele und zwei rechtwinklig angeordneten „Balken“, diese sozusagen als Nebeneffekt in sich birgt, spielte bei der Sanierungs-Planung offenbar als Argument keine Rolle. Schon in den ersten Skizzen, die der damalige Stadtbaurat Ulrich Kinder im Jahr 2021 präsentierte im Rahmen seiner Neukonzeption für die City „Lebendige Altstadt“, die die Grundzüge der aktuellen Maßnahmen widerspiegelt, findet sich die Plastik nicht. Offiziell gibt es keine Begründung in den öffentlichen Gremiumssitzungen. Hätte Stephan Ohl (Grüne) den Punkt nicht ausdrücklich auf die Tagesordnung der jüngsten Zusammenkunft des Ortsrates Altstadt/Blumlage setzen lassen, wäre der neue Standort gar nicht öffentlich geworden. Der grüne Ratsherr ist es auch, der berichtet, weshalb das Objekt nicht bleiben kann, was sich einzelne Anwohner, Künstler, darunter „Pütten“ Klatt und Horst G. Brune, sowie Galeriebetreiber wünschen. „Zum geförderten Entsiegelungsprogramm gehört das Pflanzen von Bäumen, es gibt hier streng einzuhaltende Vorgaben. Der ‚Balkenkopf‘ kollidiert mit der vorgesehenen Anzahl an Bäumen“, erläutert Ohl, der die Art, wie mit diesem Aspekt der Sanierung von Seiten des Neuen Rathauses umgegangen wurde, in der Ortsratssitzung scharf kritisiert: „Man hat die Künstlerin viel zu spät mit einbezogen, erst öffentlicher Druck hat dazu geführt. Das war kein gutes Vorgehen, in Zukunft müssen solche Themen sensibler gehandhabt werden.“

Im persönlichen Gespräch äußert sich die Künstlerin Ulrike Enders, die auch die Urheberin der „Regenleute“ in der Hannoverschen City ist, erfreut darüber, in welch gutem Zustand ihre „Fachwerkecke“, wie sie ihr Werk nennt, sei. Aber das Zusammenspiel mit den umgebenden Elementen rügt die damalige Wettbewerbssiegerin. Schon seit langem ist es sehr zugestellt, kommt nicht mehr zur Geltung. Offenbar nicht von Belang für das Kulturdezernat, das in die Planungen für die Neugestaltung des Kleinen Plans selbstverständlich mit eingebunden sei, wie Pressesprecherin Myriam Meißner im April auf Anfrage mitteilt. Die Ausführungen sowie die Simulation des zuständigen Projektsteuerers Torsten Kalpen auf der jüngsten Ortsratssitzung Blumlage/Altstadt untermauern diese Aussage nicht. Vielmehr zeigen sie ein Defizit an Auseinandersetzung mit dem Objekt. Allein drei im Stadtarchiv aufbewahrte Presseartikel aus den Jahren 1989 bis 1991 belegen sowohl die große Aufmerksamkeit, die dem Thema seinerzeit zuteil wurde, als auch die originale Form der im Jahre 1991 eingeweihten Plastik, die in der Simulations-Skizze fehlerhaft wiedergegeben wird.

Eine Lösung musste gefunden werden, auch weil sich Anwohner an den Oberbürgermeister gewandt und um Beibehaltung des Standortes am Kleinen Plan gebeten hatten. Und so erhielt Ulrike Enders, zwar verspätet, aber immerhin, eine Einladung nach Celle. Man präsentierte ihr am 27. Mai zwei Alternativen für ihr Kunstwerk. Die Blumlage sagte ihr zu.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Privat und Anke Schlicht

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