Ein Vormittag mit leckerem Frühstück und vielen neuen Erkenntnissen
Kaum einer kennt das Schwarze Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V.. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, Kontakte zu Strafgefangenen in Deutschland aufzubauen und sie während der Haft und darüber hinaus zu begleiten. Um mehr darüber zu erfahren, hat die Frauensprecherin des SoVD Ortsverbandes Nienhagen Carmen Kahle die Bildungsreferentin Katharina Schulten eingeladen, um über den Verein zu informieren. 30 Frauen des SoVD Ortsverbandes Nienhagen und Gäste genossen zuerst in gemütlicher Runde an den hübsch gedeckten Tischen das reichhaltige und leckere Frühstück. Danach gab Katharina Schulten einen kurzen Einblick in die Geschichte des Vereins.




1925 hat der einstige Strafvollzugspräsident in Celle und überzeugter Christ, Johannes Muntau, die „Christliche Straffälligenhilfe“, das heutige Schwarze Kreuz, gegründet. Sein Motto war „Niemanden und nichts aufgeben“. Er wollte den Inhaftierten freundschaftliche Kontakte zur Außenwelt zu ermöglichen und die Seelsorger zu entlasten. Also gewährte er „Laienhelfern“ Zutritt zu den Gefängnissen, die ihm unterstellt waren. Im Nationalsozialismus wurden die Mitarbeiter in ihrer Arbeit stark behindert und der Verein entging knapp seiner Auflösung. Bis 1953 war die Arbeit stark eingeschränkt, da man nicht in die Gefängnisse gehen konnte und somit nur Briefkontakte möglich waren.
1999 wurde der Verein umbenannt in „Schwarzes Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V“. Derzeit hat der Verein 650 Mitglieder und rund 460 Ehrenamtliche betreuen in ganz Deutschland Gefangene und ihre Angehörigen während und nach der Haft. Das Schwarze Kreuz hat ein vielfältiges Angebot von der Briefkontaktvermittlung, Informationsveranstaltungen, Begleitung bei Ausgängen, über Beratung von Angehörigen, gemeinsame Freizeitaktivitäten, Projektarbeit, Kreativcafé mit Angeboten zur Resozialisierung, Sprechstunden und christlichen Gesprächskreise in den Justizvollzugsanstalten bis zur Unterstützung bei der Entlassungsvorbereitung. Dazu kommt die Ausbildung und Begleitung der Ehrenamtlichen und vielfältige Aktionen. Man präsentiert sich auf Messen oder informiert in Schulen, Gemeindegruppen und bei Konfirmandentagen. Finanziert wird die Arbeit fast ausschließlich über Spenden.
Das Schwarze Kreuz ist bundesweit tätig. Über ganz Deutschland verteilt gibt es Ehrenamtliche, die Briefe schreiben, die einen Gefangenen besuchen, die unter Umständen Unterricht geben, Gefangene bei einem Ausgang begleiten. Die Geschäftsstelle des Schwarzen Kreuzes in Celle koordiniert diese Arbeit der Ehrenamtlichen, organisiert jedes Jahr außerdem Fotokalender und Karten für die Inhaftierten und die Weihnachtspaket-Aktion, bei der sich seit über 60 Jahren hunderte Inhaftierte über Geschenke im Dezember freuen können.
Katharina Schulten informierte zudem über die Anlaufstelle Projekt Brückenbau. Denn es ist nicht nur die Suche nach Arbeit und einer Wohnung, die Haftentlassenen zu schaffen macht. Viel hat sich in den Jahren eines Gefängnisaufenthaltes „draußen“ verändert. Wie kaufe ich eine Fahrkarte? Wie verhalte ich mich angemessen in der Öffentlichkeit? Wie gehe ich mit meiner Angst vor Menschenmengen um? Und wie funktioniert das Internet? Was ist ein Touchscreen? Wie eröffne ich ein Konto? So etwas wissen die Strafgefangenen oft nicht, erklärte Katharina Schulten. Die Ehrenamtlichen begleiten Inhaftierte, damit sie stark genug werden, um nach der Entlassung wieder Fuß zu fassen.
Zum Ende ihres Vortrages sprach Katharina Schulten noch über Motivation der Arbeit des Vereins. Unter dem Motto „Nächstenliebe befreit“ soll den Verurteilten zu einem straffreien Leben verholfen werden. Wo das gelingt, bleibt uns allen vieles erspart, so Katharina Schulten: der Schaden anderer Menschen, etliche Steuergelder für das Leben in Haft, dass 150 € pro Tag kostet, aber vor allem das Leid neuer Opfer, die es dann gar nicht erst gibt. Eigentlich sind der Weiße Ring und das Schwarze Kreuz eine ideale gegenseitige Ergänzung: Die einen kümmern sich um die Opfer, die anderen darum, dass es keine weiteren Opfer in Zukunft gibt.
Sehr interessiert und mit vielen Fragen verfolgten die Frauen den aufschlussreichen und informativen Vortrag von Katharina Schulten, der nach einer Stunde mit vielen neuen Erkenntnissen zu Ende ging. Gemeinsam gefrühstückt wird wieder beim Terrassenfrühstück am 22. August 2024 um 10 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Nienhorst.
PR
Fotos: Gisela Janßen
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