Gedenken an das Massaker von Celle – Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte
Am Dienstag, dem 8. April 2025, wurde in den Triftanlagen der Opfer des sogenannten Celler Massakers gedacht. Die Gedenkveranstaltung erinnerte an die Ereignisse vom 8. April 1945, bei denen nach einem Luftangriff auf einen Zug mit KZ-Häftlingen in der Nähe des Celler Güterbahnhofs eine brutale Verfolgung einsetzte. Angehörige der SS, der Polizei, der Wehrmacht, des Volkssturms – und auch Zivilisten – beteiligten sich damals an einer systematischen Hetzjagd auf die geflohenen Häftlinge. Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.















In den letzten Kriegstagen wurde ein Zug, der Tausende Häftlinge aus dem KZ Salzgitter in Richtung Bergen-Belsen bringen sollte, bei einem Luftangriff getroffen. Viele Gefangene starben direkt durch die Explosionen. Anderen gelang zunächst die Flucht. Doch die meisten wurden in den darauffolgenden Stunden und Tagen in und um Celle eingefangen, gejagt oder getötet. Schätzungen zufolge fielen dieser Gewaltaktion bis zu 300 Menschen zum Opfer. Nur wenige konnten sich retten. Die genauen Abläufe sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, doch die Rolle lokaler Akteure und Strukturen ist Teil der historischen Aufarbeitung.
Landtagspräsidentin Hanna Naber richtete sich mit einem eindringlichen Beitrag an die Anwesenden. Sie zitierte aus den Erinnerungen eines Überlebenden, der schilderte, wie die Verfolgung ablief und dass er nach seiner Ergreifung in den Celler Marstall gebracht wurde, wo er bis zum Einmarsch britischer Truppen am 11. April 1945 inhaftiert blieb. In ihren Worten wurde deutlich, wie notwendig die Erinnerung an derartige Verbrechen auch heute noch ist – nicht zuletzt, um wachsam gegenüber Ausgrenzung und Verrohung zu bleiben.
Pastorin Uta Feddersen, die für die erkrankte stellvertretende Superintendentin Franziska Baden einsprang, beleuchtete den Umgang der Kirche mit der Vergangenheit. Sie berichtete von eigenen Recherchen in den Archiven der Celler Kirchengemeinde, die keine Hinweise auf Hilfe für geflüchtete Häftlinge ergaben. Auch das Massaker selbst taucht dort nicht auf. Einzig ein beschädigtes Kirchenfenster, das auf die Bombardierung zurückgeht, ist dokumentiert – ein stummes Zeugnis einer Zeit, die viele verdrängt haben.
Auch andere Rednerinnen und Redner – darunter Landrat Axel Flader, Sabine Maehnert von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e.V., Mattis Binner von der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten sowie Frau Duran vom Ezidischen Kulturzentrum – machten in ihren Beiträgen deutlich, dass das Erinnern nicht allein auf das historische Geschehen begrenzt sein darf. In der Auseinandersetzung mit aktuellen Konflikten, Diskriminierung und Gewalt spiegelt sich auch heute die Verantwortung wider, die aus der Geschichte erwächst.
Die Veranstaltung wurde von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern begleitet, darunter Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Religionsgemeinschaften. Die Wahl des Ortes – die Triftanlagen mit dem dortigen Mahnmal – unterstrich die historische Verbindung: An dieser Stelle befindet sich seit Jahren eine Gedenkstätte, die an das Massaker erinnert. Kritik wurde in einzelnen Redebeiträgen laut, dass der Text auf der Stele nicht ausreichend darauf eingeht, dass auch Bürgerinnen und Bürger aus Celle selbst Teil der damaligen Gewaltexzesse waren.
Der 8. April bleibt für Celle ein Datum, das mahnt – zur Erinnerung, zur Selbstreflexion und zur Wachsamkeit gegenüber jeder Form von menschenverachtendem Denken.
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.
Anzeige







