Zwischen Märchenprinzessin und Mädchen von nebenan – BBK Celle zeigt #CARO
Dem Titel wohnt das Moderne, das Digitale, aber auch die persönliche Vereinnahmung einer historischen Figur inne: #CARO hat der Bund Bildender Künstler und Künstlerinnen (BBK) Celle seine Sommerausstellung 2025 überschrieben. Nicht wie üblich in der Gotischen Halle im Schloss präsentieren die Mitglieder ihre Werke, sondern im FREIRAUM in der Schuhstraße. Die Halle im Schloss ist belegt, dort spürt die Schau „London-Kopenhagen-Celle“ dem Leben von Königin Caroline Mathilde und Johann Friedrich Struensee nach, fängt den damaligen Zeitgeist ein und verknüpft mit der Gegenwart.













Letzteres ist auch der Anspruch des BBK: „Unter dem Titel #CARO setzen sich Künstler und Künstlerinnen mit ihrer Geschichte auseinander und übersetzen in eine zeitgenössische Bildsprache“, heißt es in der Ankündigung, der die Schau jedoch hinterherläuft. Was sich dem Betrachter bietet, mutet bei einigen Exponaten weniger nach interessierter, gründlicher Beschäftigung mit der Person Caroline Mathilde als vielmehr nach tiefsitzenden Klischees vom Königin- und Prinzessinnendasein mit ansprechender Figur und Barbie-Antlitz an.
Joachim Weigt hat dekorative Portraits in Buntoptik angefertigt, so schön, dass man sie sich als Deko ins Wohnzimmer hängen könnte, mit dem Schicksal beider Protagonisten haben die bonbonfarbenen Gesichter allerdings nichts zu tun. Udo Strohmeyers abstraktes Werk in Rakeltechnik kommt zumindest Struensees Ende da schon näher, das Blut dürfte in Strömen geflossen sein bei seiner Hinrichtung. Rote Stränge streben in Strohmeyers Bild dem Boden entgegen. „Für mich strahlt es etwas Trauriges aus“, sagt der Künstler, „und Rot ist nun mal die Farbe der Liebe“, nimmt er den zweiten Aspekt auf, der für Struensee neben seinem unbändigen Willen, Reformen zum Wohle des einfachen Volkes durchzusetzen, tödlich war, die Affäre mit der wesentlich jüngeren Königin.
In dieser Schau ein Randaspekt, mit der Figur Struensees setzt sich neben Weigt intensiv nur Karl Thun auseinander: Er hat eine Skulptur des Schreckens kreiert, sozusagen den Gegenpart zur Dekorationsvariante. Den Kopf des Delinquenten bildet ein aus Dänemark mitgebrachter Feuerstein, dem Thun einen Celle-Bezug verabreicht hat, indem er ihn auf historischer Celler Bausubstanz, einem Baustein aus dem Jahr 1292, platzierte.
Nicht alle Mitglieder des BBK Celle haben sich beteiligt. Ruth Schimmelpfeng-Schütte gibt offen zu, dass sie mit dem gesetzten Motto wenig anfangen konnte. Dennoch steuerte sie etwas bei, nahm den Titel wörtlich und zeichnete schwarze und rote Caros in Tusche auf Papier. „Wenn man Caros ineinander verschachtelt, entsteht eine Struktur“, sagt sie vor zwei Exponaten stehend, die weder verniedlichen noch erhöhen, sondern sich dem Thema humorvoll annehmen.
Häufig ist auf den kurzen Beschriftungstafeln von einer Hommage an Caroline Mathilde die Rede oder man nähert sich der historischen Figur und Königin, als wäre sie das Nachbarsmädchen von nebenan: Die Laudatorin der Vernissage Meggie Hönig, M.A., seufzt zum Auftakt: „Ach Caro, wie haben wir dich vermisst, ach Caro, wärst du doch zu Lebzeiten ebenso gefeiert worden wie heute“. Nach einem langen geschichtlichen Abriss und der Beschreibung der einzelnen Exponate formuliert sie den wichtigsten Satz ihrer Einführungsrede: „Lass die Kunst für sich sprechen!“
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.
Anzeige







