Tradition trifft Leidenschaft: 32. Celler Käfertreffen trotzt Regen und begeistert Besucher
Bereits zum 32. Mal wurde die Stadt Celle zum Treffpunkt für Liebhaber luftgekühlter Volkswagen: Das traditionelle Käfertreffen rund um das Neue Rathaus lockte trotz anhaltenden Regens erneut zahlreiche Teilnehmende und Schaulustige an. Die langjährige Erfolgsgeschichte der Veranstaltung setzte sich auch in diesem Jahr fort – ganz im Zeichen von Schrauberleidenschaft, Gemeinschaftssinn und automobilkulturellem Erbe.






























Etwa 200 luftgekühlte Fahrzeuge aller VW-Baureihen – vom klassischen Käfer über Bulli, Typ 3 und Typ 4 – reihten sich am Sonntag dicht an dicht. Bemerkenswert: Viele der Fahrzeuge stammen aus den frühen Baujahren und sind wahre Raritäten. So gibt es deutschlandweit nur noch rund 450 zugelassene Fahrzeuge des VW Typ 4. Besucher reisten teils von weit her an – aus Hamburg, Berlin, dem Ruhrgebiet und Köln – und trotzten gemeinsam dem durchwachsenen zu feuchten Sommerwetter. Ein besonderer Eyecatcher waren die Käfer mit dem Brezelfenster von 1949 und 1953.
So einen Brezelkäfer hatte Siegfried Schultz aus Wunstorf in der Ausstellung. Vor acht Jahren hatte er ihn mit der Gutachten-Bewertung 2 gekauft. Das Fahrzeug von 1953 war einsatzbereit und trägt auch jetzt noch das Original-Kennzeichen, das in Bayern seinerzeit üblich war. Für die eher im Nahbereich stattfindenden Ausfahrten gibt es natürlich auch noch ein gültiges Kennzeichen. Reparaturen? Die Bremszylinder mussten erneuert werden. Ansonsten ist auch der TÜV mit dem Fahrzeug zufrieden. Wie Siegfried Schultz bekennt, ist aber eine E-Auto für die alltäglichen Fahrten, vor allem auf weiteren Strecken, die erste Wahl.
Eine Besonderheit bietet der Brezelkäfer mit einem speziellen Einradanhänger, sozusagen das fünfte Rad am Wagen. Der Anhänger wurde in den 60er Jahren in Frankreich vom französischen Hersteller Chaigneau und in Deutschland von der Firma Francall in Lizenz vertrieben. Er kam an alten Renaults und Citroens zum Einsatz, in Deutschland musste die Anhängerkupplung an den VW-Käfer angepasst werden.
„Natürlich hätten wir uns besseres Wetter gewünscht“, so ein Sprecher des veranstaltenden Käferclubs Celle e. V., „aber die Stimmung war dennoch hervorragend – das zeichnet unser Treffen seit Jahrzehnten aus.“
Gegründet 1990, zählt der Käferclub Celle heute über 40 aktive Mitglieder im Alter zwischen 28 und 74 Jahren – einige davon sind seit über zwei Jahrzehnten Teil der Gemeinschaft. Auch der Nachwuchs wächst mit: Viele Clubkinder sind heute selbst wieder aktiv. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichsten Berufen und Regionen, darunter auch aus Lüneburg und Umgebung. Was sie verbindet, ist die Leidenschaft für luftgekühlte Volkswagen und der Wunsch, diese Kultur zu bewahren.
Ein Familientag für alle Generationen
Das Treffen ist nicht nur ein beliebter Treffpunkt für Oldtimerfans, sondern längst auch zu einem festen Bestandteil des Celler Veranstaltungskalenders und einem Anziehungspunkt für Familien geworden. Der Eintritt für Besucher ist frei, eine Hüpfburg sollte für Kinderunterhaltung sorgen und ein originaler VW Käfer lud traditionell zum Bemalen ein. In diesem Jahr mussten die Kinderbespaßungen allerdings dem Regen Tribut zollen und blieben weitgehend ungenutzt.
Ein kleiner Teilemarkt, zahlreiche VW-Devotionalien und ein breites gastronomisches Angebot – betrieben ausschließlich vom Club selbst – unterstreichen den familiären, nicht-kommerziellen Charakter der Veranstaltung. Selbstgebackene Kuchen, Kaffee, Grillwurst und Getränke zu moderaten Preisen gehören ebenso zum festen Programm wie das freundliche Miteinander unter Gleichgesinnten.
75 Jahre Bulli: Sonderausstellung als Highlight
Besonderer Höhepunkt in diesem Jahr war die Sonderausstellung zum 75-jährigen Jubiläum des VW Bulli. Die Besucher konnten ein rollendes Stück Automobilgeschichte bestaunen – vom liebevoll restaurierten T1 bis zum modernen Elektrobus ID. Buzz. Eine gelungene Hommage an das legendäre Nutzfahrzeug, das Generationen prägte.




Einen ehemaligen „Schrotthaufen“ präsentierte der Celler Werner Kultermann. In 2,5 Jahren hat er dieses Wrack unter Investition von 1.700 Stunden und 37.000 Euro in ein Schmückstück verwandelt, das gerade drei Wochen vor der Ausstellung fertig und auch vom TÜV abgenommen wurde. Wie Kultermann berichtete, sind seine Arbeiten vom TÜV begleitet worden. Mit Ersatzteilen und Ausstattungen, die größtenteils noch original verfügbar sind, habe es kein Problem gegeben. Das werde sogar von VW weiterhin unterstützt.
Ein Blick zurück – und nach vorn
Das Celler Käfertreffen gehört zu den größten eintägigen Veranstaltungen dieser Art in Niedersachsen und hat sich – neben dem bekannten Treffen in Hannover – als feste Größe in der Szene etabliert. Auch nach der Corona-Zeit sind die Teilnehmerzahlen stabil geblieben, mit Tendenz nach oben.
Der Standort am Neuen Rathaus, nahe dem Badeland und dem Französischen Garten, trägt maßgeblich zum besonderen Flair der Veranstaltung bei und macht sie auch für Laufpublikum aus der Stadt attraktiv.
Mit Blick auf die kommenden Jahre zeigt sich der Verein zuversichtlich: „Solange das Herz für luftgekühlte Klassiker schlägt, wird es das Celler Käfertreffen geben – bei Sonne, Wind oder Regen.“
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de
Foto Brezelkäfer auf Tour: Siegfried Schultz
Fotos Schrott-Bulli: Werner Kultermann
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