Freitag, 13. März 2026

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Gedenken an Peter Deutschmann und andere Opfer rechter Gewalt in Niedersachsen

Auf einer vom Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) organisierten Gedenkveranstaltung vor der Johanniskirche in Eschede wurde heute an den Tod von Peter Deutschmann erinnert. Er war am 8. August 1999 von zwei jungen Männern aus der rechten Szene – Marco S. und Johannes K. – so schwer verletzt worden, dass er zwei Tage später in der Medizinischen Hochschule Hannover verstarb. Die Täter hatten ihn gezielt aufgesucht, weil er nicht in ihr Weltbild passte und sich offen gegen rechtsextreme Ansichten stellte.

Die Veranstaltung eröffnete Marlies Petersen vom BgR. In ihrer Rede betonte sie, dass nicht nur an Peter Deutschmann, sondern an alle Menschen erinnert werden solle, die in Deutschland durch rechte Gewalt ums Leben gekommen sind. Nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung wurden seit der Wiedervereinigung mindestens 221 Todesopfer rechter Gewalt dokumentiert, hinzu kommen 17 Verdachtsfälle. Zehn dieser Opfer stammen aus Niedersachsen.

Petersen erinnerte auch an rechtsextreme Gewalttaten wie den Bombenanschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980, die Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) sowie die lange Zeit ausbleibende Anerkennung vieler Opfer durch staatliche Stellen. Sie kritisierte die Diskrepanz zwischen der Zahl der durch unabhängige Stellen dokumentierten Fälle und den offiziellen Anerkennungen durch Behörden.

Lesungen zu drei weiteren Opfern

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung lasen Finja Santelmann, Paul Kühn und Sascha Alius die Lebensgeschichten von drei weiteren Menschen, die in Niedersachsen rechter Gewalt zum Opfer fielen: Alexander Selchow, Matthias Knabe und Gustav Schneeclaus.

  • Alexander Selchow (1970–1991) wurde in der Neujahrsnacht 1991 in Rosdorf bei Göttingen von zwei jugendlichen Neonazis getötet. Die Täter, Oliver S. und Sven S., gehörten zur gewaltbereiten Skinhead-Szene um den bekannten Rechtsextremen Karl Polacek. Obwohl sie gezielt einen politisch Andersdenkenden angriffen, wurde die Tat juristisch nicht als politisch motivierter Mord gewertet.
  • Matthias Knabe (1968–1992) starb im März 1992 an den Folgen eines Angriffs rechtsextremer Skinheads in der Nähe von Gifhorn. Er war im Mai 1991 von einer Gruppe von etwa 15 Tätern gejagt worden und wurde dabei von einem Auto erfasst. Trotz klarer Bezüge zur rechtsextremen Szene ist er bis heute nicht offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt.
  • Gustav Schneeclaus (1938–1992) wurde im März 1992 am Busbahnhof Buxtehude von zwei jungen Männern aus der rechtsextremen Szene angegriffen, nachdem er sich öffentlich gegen NS-Verbrechen geäußert hatte. Vier Tage später verstarb er an den Verletzungen. Er wurde 1993 offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt, in Buxtehude erinnern ein Gedenkstein und der Gustav-Schneeclaus-Platz an ihn.

Kontext und Forderungen

Die Rednerinnen und Redner betonten, dass rechte Gewalt nicht verharmlost werden dürfe und Opfer wie Angehörige Anspruch auf öffentliche Anerkennung hätten. Mehrere Fälle aus Niedersachsen seien trotz belegter politischer Motive bis heute nicht als rechte Gewalt anerkannt.

In den Beiträgen wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass Erinnerung auch ein Auftrag zum Handeln sei. „Wir erinnern uns. – Wir sehen hin. – Wir vergessen euch nicht“, lautete das gemeinsame Schlusswort der Veranstaltung.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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