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Konflikt um Beteiligung israelischer Überlebendenorganisation bei Gedenkfeiern in Bergen-Belsen

Im Vorfeld der zentralen Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen ist ein offener Streit zwischen der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, die die Gedenkstätte Bergen-Belsen betreibt, und der israelischen Organisation Irgun Sh’erit Hapleta Bergen-Belsen Israel öffentlich geworden. In einer Reihe von E-Mails und Stellungnahmen erheben beide Seiten deutliche Vorwürfe.

Hintergrund

Die israelische Organisation vertritt nach eigenen Angaben die größte Zahl noch lebender Überlebender des Lagers sowie deren Angehörige. Über Jahrzehnte habe es eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte gegeben. Laut Arie Olewski, Vorsitzender der Organisation, sei diese Zusammenarbeit jedoch seit einigen Jahren von Spannungen und Einschränkungen geprägt.

Der Bruch sei unter anderem daran festzumachen, dass Vertretern der Organisation wiederholt keine Redemöglichkeit bei Gedenkfeiern eingeräumt worden sei. Besonders kritisiert Olewski den Ausschluss seiner verstorbenen Schwester Yochi Ritz-Olewski von einer Ansprache im Jahr 2023 sowie eine aus seiner Sicht mangelnde Einbindung in die Planungen der 80-Jahr-Feier.

Vorwürfe der israelischen Organisation

In mehreren ausführlichen Schreiben schildert Olewski die Vorgänge aus seiner Sicht. Er wirft der Stiftung unter Leitung von Dr. Elke Gryglewski vor, Entscheidungen intransparent zu treffen, die Rolle der Organisation zu schwächen und den Kontakt zu ihr zu umgehen.

Konkret beanstandet er, dass bei der Veranstaltung im April 2025 nur ein Überlebender aus Israel sprechen solle, während gleichzeitig ein Redner aus den USA – der nicht selbst Überlebender sei – eingeplant worden sei. Olewski sieht darin eine Abkehr vom ursprünglichen Konzept, ausschließlich Überlebende zu Wort kommen zu lassen.

Darüber hinaus kritisiert die Organisation, dass eine bisherige finanzielle Unterstützung der Stiftung für ihre Arbeit in Israel 2024 ohne Vorankündigung eingestellt worden sei. Sie wertet dies als Teil einer Reihe von Maßnahmen, die sie als Benachteiligung und Boykott bezeichnet.

Stellungnahme der Stiftung

Dr. Elke Gryglewski, Geschäftsführerin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten und Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wies die Vorwürfe in einer schriftlichen Erklärung zurück.

Sie betonte, dass die von Olewski verbreiteten Darstellungen die tatsächlichen Abläufe und Zusammenhänge verzerrt und bewusst irreführend wiedergäben. Ziel sei offenbar nicht eine sachliche Auseinandersetzung, sondern die Diskreditierung der Arbeit der Stiftung und der Gedenkstätte insgesamt.

Gryglewski erklärte, Olewski sei als Vertreter seiner Organisation Mitglied im Stiftungsbeirat, lasse sein Mandat derzeit jedoch ruhen. Der Beirat habe beratende Funktion, jedoch keine Leitungs- oder Kontrollaufgaben. Die Stiftung lege Wert auf einen konstruktiven und vertrauensvollen Umgang mit allen Beteiligten, sehe dies im vorliegenden Fall jedoch durch die Form der Kommunikation erheblich erschwert.

Fortgesetzter Disput

Die Antwort der Stiftung veranlasste die israelische Organisation zu einer erneuten Stellungnahme. Darin wirft Olewski Dr. Gryglewski persönliche Verfolgung vor und fordert die Neubesetzung der Stiftungsleitung. Er schlägt die Einbindung eines unabhängigen Vermittlers vor und kündigt an, bis zu einer personellen Neuaufstellung die Zusammenarbeit auszusetzen.

Zugleich verweist die Organisation auf ihre historische Verbundenheit mit Bergen-Belsen. Seit 2010 gibt sie in Israel die Zeitung Our Voice heraus, die an die erste nach der Befreiung im DP-Lager erschienene Publikation Unzer Shtyme erinnert.

Ausblick

Ob es zu einer Einigung kommt, ist derzeit offen. Der Streit berührt nicht nur organisatorische Fragen rund um die Gedenkfeiern, sondern auch den grundsätzlichen Umgang mit Überlebendenverbänden aus dem Ausland. Beide Seiten betonen zwar die Bedeutung des Erinnerns, unterscheiden sich jedoch deutlich in der Einschätzung, wie eine angemessene Einbindung aussehen sollte.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler-Presse.de (Archiv)