Montag, 16. Februar 2026

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Leserbrief: Der 8 Stunden Tag muss bleiben – Ein Plädoyer für den Erhalt eines arbeitsrechtlichen Meilensteins

Im Landkreis Celle gibt es etwa 70.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Hälfte davon arbeitet in tarifgebunden Unternehmen wie Rheinmetall, Baker Hughes, Barilla oder der öffentlichen Verwaltung. Die andere Hälfte arbeitet ohne Tarifvertrag und ist auf den gesetzlichen Mindestschutz wie dem 8-Stunden-Tag angewiesen. In einer Zeit fortschreitender Digitalisierung, flexibler Arbeitsmodelle und permanenter Erreichbarkeit steht der 8-Stunden-Tag aber zunehmend zur Debatte. Während manche Stimmen eine Aufweichung oder gar Abschaffung fordern, sprechen 6 Gründe für eine geregelte tägliche Höchstarbeitszeit auch im 21. Jahrhundert.

  1. Keine Notwendigkeit das Arbeitszeitgesetz zu ändern
    Das Arbeitszeitgesetz ist schon flexibel ausgestaltet. Die tägliche Arbeitszeit lässt sich in einem gewissen Rahmen auf bis zu 10 Stunden verlängern. Das Gesetz lässt zu, dass man vier Tage lang 10 Stunden arbeitet und den fünften Tag frei hat. Gewerkschaften haben zudem Arbeitszeitkonten in ihren Tarifverträgen geregelt. Damit lässt sich Zeit sammeln, die zu einem anderen Zeitpunkt genommen werden kann. Es besteht also keine Notwendigkeit, das Gesetz zu ändern. Mehr Flexibilität scheitert nicht am Gesetz, sondern am Arbeitgeber!
  2. Pendeln zur Arbeit
    34 % der Beschäftigten aus dem Landkreis Celle pendeln täglich raus aus dem Landkreis. Gleichzeitig pendeln 22 % der Menschen, die im Landkreis Celle arbeiten, ein. Die Menschen hier sind sehr mobil und brauchen dafür eben die entsprechende Zeit. Eine Änderung weg vom 8-Stunden-Tag und damit zu längeren Tagen würde hier zu erhöhtem Wegzug führen, damit zumindest der Weg zur Arbeit kürzer wird und man noch etwas Zeit für die Familie hat. Schon jetzt ist der Weg zur Arbeit für einige aufgrund ungünstiger Buszeiten und ausfallender Züge kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten.
  3. Familie und Engagement
    Im 19. Jahrhundert waren 12- bis 16-Stunden-Tage die Regel, was zu gesundheitlichen Problemen und sozialer Verelendung führte. Der Kampf um den 8-Stunden-Tag war ein Kampf um Würde, Freizeit und Teilhabe. Am 15.11.1918 schlossen Gewerkschaften und Arbeitgeber das Stinnes-Legien-Abkommen, das den 8-Stunden-Tag einführte und die Sozialpartnerschaft begründete und stärkte. Die Regelung schuf Raum für Familie, Erholung, Bildung und bürgerschaftliches Engagement. Familie und bürgerschaftliches Engagement gehört aktuell gestärkt statt verhindert.
  4. Gesundheit
    Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, wie sehr zu langes Arbeiten der psychischen und physischen Gesundheit schaden. Überstunden, Dauerstress und Schlafmangel führen zu Burnout, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen gesundheitlichen Problemen. Der 8-Stunden-Tag ermöglicht es, Arbeit in einem gesunden Rahmen zu verrichten. Gesundheitliche Langzeitschäden durch Überarbeitung sind nicht nur individuelles Leid, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Belastung für das Gesundheitssystem und die Wirtschaft.
  5. Produktivität und Kreativität
    Entgegen gängiger Annahmen steigert eine längere Arbeitszeit nicht zwangsläufig die Produktivität. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass die Leistung nach acht Stunden sinkt, Fehler und Unfälle zunehmen und die Innovationskraft leidet. Ausgeruhte und gesunde Beschäftigte sind kreativer und leistungsfähiger. Der 8-Stunden-Tag ist also nicht nur ein Schutzinstrument, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor.
  6. Grenzen der Flexibilität
    Flexible Arbeitsmodelle und Homeoffice sind sinnvolle und moderne Ergänzungen zur klassischen Präsenzkultur. Doch Flexibilität darf nicht zur Entgrenzung der Arbeit führen. Wo die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt, steigt die Belastung. Ohne den gesetzlichen Rahmen des 8-Stunden-Tags droht eine schleichende Verlängerung der Arbeitszeit.

Ute Neumann
Gewerkschaftssekretärin und nominiert als DGB-Regionsgeschäftsführerin 

Foto: slightly_different / Pixabay

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