Mittwoch, 22. April 2026

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Premiere am Schlosstheater „Über Menschen“: Ernsthaftes Thema mit Humor gewürzt mit viel Applaus bedacht

Mit der Premiere von „Über Menschen“ präsentiert das Schlosstheater Celle gleich zu Beginn der neuen Spielzeit ein weiteres Highlight. „Über Menschen“ wurde nach dem Gesellschaftsroman aus dem Jahr 2021 von der Bestsellerautorin Juli Zeh für die Bühne inszeniert. Das Stück spielt zu Beginn des ersten Lockdowns während der Covid-19-Pandemie. Das Vertrauen in die Politiker und das politische System nehmen in dieser Zeit immer mehr ab, Angst und Zweifel teilen die Gesellschaft.

Dora, die ausdrucksstark von Gisa Stößl dargestellt wird, wohnt mit ihrem Freund Robert in einer gemeinsamen Wohnung in Berlin, und hat einen tollen Job als Werbetexterin in einer Marketingagentur, die ihren Fokus auf nachhaltige Ökoprodukte gerichtet hat. Robert ist ein verbissener Umweltaktivist, notorischer Weltverbesserer, und mutiert während der Pandemie immer mehr zum Moralapostel. Dora hält es nicht mehr aus, sie braucht mehr Freiheit, Raum zum Atmen, und flüchtet mit ihrer Hündin Jochen in das kleine brandenburgische Dorf Bracken. Dort hat sie ein altes Haus mit einem riesigen völlig verwilderten Grundstück gekauft. In dem Haus gibt es noch keine Möbel, und die Busverbindung in die Stadt ist eine Katastrophe, ein Auto hat Dora nicht.

Hinter der Gartenmauer wohnt ihr Nachbar Gote, und stellt sich als „der Dorf-Nazi“ vor, mit seinem rasierten Kopf und rechten Sprüchen scheint er allen Vorurteilen zu entsprechen. Er wird mit Springerstiefeln, Unterhemd und Bierbauch großartig von Dirk Böther dargestellt. Gote ist das Pendant zu Dora, ohne Bildungshintergrund aber mit viel Aggressionspotential.

Die Dorfbewohner sind alle neugierig auf die zugereiste Großstadtfrau, doch Dora sind die AfD-wählenden Dörfler mit ihrem Fremdenhass zunächst fremd, nichts passt zu ihrem bisherigen Weltbild.  Anfangs wird das Klischee des Brandenburgers auch bestätigt: “Alles AfD-wählende ungebildete Querdenker.“ Dieses Bild ändert sich dadurch, dass Dora ihnen zuhört, mit ihnen spricht. Die Welt ist eben nicht nur schwarz-weiß. Dora erkennt, dass man Menschen kennenlernen muss, bevor man sich eine Meinung bildet.

In Bracken interessiert man sich für die Probleme der anderen, man hilft, streitet sich, verträgt sich wieder und hält Widersprüche, die man nicht lösen kann, aus. Dora trifft auch auf Gotes kleine Tochter Franzi, die ihren Vater über alles liebt, und Doras Hündin sofort in ihr Herz schließt.

Die Dorfbewohner erweisen sich der zugereisten Dora gegenüber schon bald als sehr hilfsbereit. Die nachts malochende tagsüber alleinerziehende Mutter Sadie bringt Dora Pflanzkartoffeln, weil sie erfahren hat, dass Dora ein Beet anlegen möchte. So kommen beide ins Gespräch.  Ein Nachbar rodet das verwilderte Grundstück, weitere Nachbarn leihen ihr ein Fahrrad, gehen für sie einkaufen und renovieren das Haus. Gote zimmert ihr unaufgefordert ein Bett, bringt es heimlich ins Haus und stellt ihr 2 Stühle in den Garten.

Dora und Gote kommen sich bei ihrer gemeinsamen Abendzigarette, trotz aller gegenseitigen Beschimpfungen, Vorurteile und anfänglichem Misstrauen näher und öffnen sich. Sie lernen sich kennen und verstehen.

Eines Tages klagt Gote nach einem Unfall über starke Kopfschmerzen. Nach einer eingehenden Untersuchung durch Doras Vater Jojo, ein hochqualifizierter Arzt, stellt sich heraus, dass Gotes gewalttätige Attacken auch krankheitsbedingt sind. Dora wird plötzlich zur Fürsorgerin, und es entwickelt sich eine seltsame schon fast herzliche Freundschaft. Franzi möchte Dora am liebsten als Stiefmutter haben.

Als alle wissen, dass Gote schwer erkrankt ist, veranstaltet das Dorf ein Fest für ihn. Die Gemeinschaft schafft es sogar, den „Dorf-Nazi“ zu integrieren, und um ihn zu trauern. Sie beschließen einfach mal Mensch zu sein, schließlich gehören doch alle zusammen                                                                 

„Über Menschen“ ist ein Stück in dem nichts Böses verschwiegen wird, es versucht Menschen auf Augenhöhe zu bringen, regt zum Nachdenken über das Schubladendenken an, und lockt den Zuschauer aus seiner Komfortzone.  Das Stück will keinesfalls die Neonazis verherrlichen, aber dazu aufrufen Menschen nicht auf ihre politischen Haltungen zu reduzieren, und mehr Menschlichkeit und Toleranz im Umgang miteinander zu zeigen – Bitte erst miteinander reden, und dann urteilen.               

Die Premierengäste feierten diese gelungene Inszenierung, die das Stück bei aller Ernsthaftigkeit immer wieder mit einer Prise Humor würzte, mit besonders viel Applaus für die hervorragenden Schauspieler des Schlosstheaters Celle.

Besetzung:

Dora      Gisa Stößl
Jojo – Doras Vater, Arzt      Thomas Wenzel
Robert -Ex-Partner       Kai Friebus
Gote        Dirk Böther
Tom   Jonathan Fidus Blomeier
Steffen   Marlon Frank
Sadie-alleinerziehende Mutter     Mia Kaufhold
Franzi-Gotes Tochter       Sunny Hamel
Helene Doormann
Heini-Rentner     Thomas Wenzel
Regie und Textfassung   Andreas Döring
   

Editha Urich
Fotos: Marie Liebig                                                                                                                                                                                         

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