Sandbänke und Niedrigpegel: Schifffahrt auf der Aller kommt teilweise zum Erliegen
Der anhaltend niedrige Wasserstand der Aller beschäftigt derzeit nicht nur die Freizeitschifffahrt, sondern auch die Stadt Celle und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA). Sandbänke und ein ungewöhnlich geringer Pegel sorgen für Einschränkungen auf dem Fluss, stellen nach Einschätzung der Behörden aber aktuell kein Risiko für den Hochwasserschutz dar.


Stadt Celle: Pegelstände im Blick, Sedimente werden entfernt
Die Stadt Celle bestätigt, dass ihr die Situation bewusst ist. Die Pegelstände würden fortlaufend überwacht, die Versandung selbst sei aus Sicht des Hochwasserschutzes derzeit unproblematisch. Bereits im ersten Halbjahr 2025 seien umfangreiche Abbaggerungen durchgeführt worden, vor allem in Nebenbereichen der Aller.
Die Verantwortung für die Unterhaltung der Aller als Bundeswasserstraße unterhalb der Wehranlage Celle liegt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Verden. Dieses habe bereits im Frühjahr Sedimente entnommen. Das ausgehobene Material wurde anschließend für Bauprojekte wie den Neubau der B3 weiterverwendet. Auch aktuell würden Arbeiten zur Sedimententnahme fortgeführt, so die Stadtverwaltung. Eine Verschlechterung im Hinblick auf den Hochwasserschutz sei bislang nicht festgestellt worden.
Mit Blick auf die Freizeitschifffahrt bezeichnete die Stadt die Auswirkungen der niedrigen Pegel jedoch als „erheblich“. Man sei deshalb daran interessiert, gemeinsam mit den Landesbehörden die Erreichbarkeit des Hafens zu sichern.
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt: Lage unter Beobachtung
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser stuft die aktuelle Situation als stabil ein. Zwar gebe es Einschränkungen durch Versandung, doch die Querschnittsverringerung des Flusses sei im Hinblick auf den Hochwasserabfluss derzeit unkritisch.
Für 2026 plant das Amt eine Fortführung der regelmäßigen Baggerarbeiten, ein konkreter Zeitplan für die nächsten Maßnahmen liegt aber noch nicht vor. Zunächst sollen im Frühjahr Peilungen erfolgen, auf deren Grundlage weitere Schritte geplant werden.
Yacht-Club Celle: Einschränkungen, aber auch Zuversicht
Besonders betroffen von den niedrigen Pegeln ist der Yacht-Club Celle (YCC). Nach Angaben des Vereins liegt der Wasserstand in Rethem aktuell bei nur rund 30 Zentimetern, was eine Weiterfahrt zur Wesermündung unmöglich macht. Auch Sandbänke in der Hafeneinfahrt und vor der Biermannstraßenbrücke erschweren das Auslaufen.
„Wir leben mit der Natur und wissen, dass es Jahre mit viel Wasser gibt und solche, in denen es schwieriger wird“, heißt es aus dem Verein. Der YCC begrüßt den Einsatz eines Schwimmbaggers, der die Fahrrinne sichert und den Hochwasserabfluss gewährleistet.
Ganz unmöglich sind Fahrten für den Club jedoch nicht: Ohne die Sandbänke zwischen Flusskilometer 0,9 und 1,7 wären Ausflüge bis nach Marklendorf oder Hademstorf weiterhin machbar.
Neben dem Wassersport engagiert sich der Verein nach eigenen Angaben auch für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Dazu gehören Müllsammelaktionen am Allerufer, die Nutzung einer Photovoltaikanlage für das Vereinsschiff, Elektromotoren für die Jugendgruppe und Tests mit alternativen Kraftstoffen.
Fahrgastschiff M.S. Wappen von Celle stellt Betrieb ein
Besonders gravierende Folgen hat der niedrige Wasserstand für das Fahrgastschiff M.S. Wappen von Celle. Aufgrund der geringen Pegelstände konnte das Schiff in diesem Jahr nur wenige Fahrten anbieten. Nun wurde der Betrieb bis auf Weiteres eingestellt.
Die Betreiber überlegen nach eigenen Angaben, bei einem wieder steigenden Wasserstand möglicherweise die Saison zu verlängern, um überhaupt noch einzelne Fahrten anbieten zu können. Sollte dies nicht möglich sein, bliebe nur der Blick auf 2026 – verbunden mit dem finanziellen Einschnitt, ein ganzes Jahr ohne regulären Fahrgastbetrieb zu überstehen.
Ausblick auf 2026
Trotz der aktuellen Einschränkungen blickt der YCC zuversichtlich auf den Saisonabschluss 2025 und hofft auf eine Entspannung der Lage im kommenden Jahr. Für die Saison 2026 wünscht sich der Verein wieder ausreichend Wasserstände für Ausfahrten bis zur Weser, ohne den Standort wechseln zu müssen. Auch die M.S. Wappen von Celle setzt auf eine baldige Normalisierung, um den Fahrgastbetrieb wieder aufnehmen zu können.
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de
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