Freitag, 13. März 2026

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Inspiriert von einem „Familien“-Nähwagen – Neue Ausstellung in „Wandliebe“

Sie sind längst in die Jahre gekommen, abgewetzt, reich an Gebrauchsspuren, milde ausgedrückt, Beschädigungen könnte man es auch nennen. Aber diese Teile dem Sperrmüll übergeben – nein. Sie waren doch irgendwie immer da, dienten als Ablagefläche, als Objekte zum Spielen, was ihrem Zustand wahrlich nicht guttat, oder aber sie animierten Familienmitglieder zum Erzählen, z.B. über sogenannte schlechte Zeiten. Es fielen dann Sätze wie: „Wir waren damals froh, dass wir überhaupt was hatten, es gab doch nichts.“ Um einen Glücksfall handelte es sich, wenn das Utensil etwas bereithielt, das bei der Herstellung von dringend benötigten Kleidungsstücken oder Textilien für die Wohnungseinrichtung von Nutzen sein konnte.

Der Nähwagen, an den die Lehrerin und Künstlerin Friedrike Witt-Schiedung sich seit ihrer Kindheit erinnert und der sie durchs Leben begleitet hat, war so ein Objekt. Nadeln, Garnrollen, Stoffreste, Scheren, Nadelbücher und -kissen und viele sogenannte Kurzwaren mehr enthielt der hölzerne Wagen, verborgen in kleinen Fächern und Schubladen. Im Jahr 1939 baute ihn Albert Witt für seine Frau Lieselotte, die Mutter von Friederike Witt-Schiedung, die 1941 in Uelzen geboren wurde. Das Kleinkind erlebte noch den Krieg und begann sich eine Gegenwelt aufzubauen. „Ich wollte das Gegenteil von Krieg“, berichtet sie anlässlich der Vernissage zu ihrer neuen Ausstellung „Nähwagen meiner Mutter von 1939“ im Tapetenmuseum „Wandliebe“ am Kleinen Plan in der Celler Altstadt.

Kein Geringerer als der deutschlandweit bekannte und schon seit Jahrzehnten in Bargfeld beheimatete Literaturkenner, Antiquariatsbuchhändler, Karl-May-Forscher und Rezitator Hermann Wiedenroth hielt das Einführungsreferat, in dem er alles und noch viel mehr zum Thema Nähen und Nadeln zusammengetragen hatte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Hainer Schiedung. Wiedenroth spricht von Plaudereien aus dem Nähkästchen, ein Wortspiel, das sein muss, aber auf das Referat nicht zutrifft. Mit oberflächlichen Plaudereien hatte dieses gehaltvolle und humorvolle Erzählwerk nichts zu tun. Am Ende offerierte Hermann Wiedenroth ein Gedicht von Christian Morgenstern (1871-1914): „Die Probe“ aus „Galgenlieder“ handelt von dem berühmten Kamel, das durch ein Nadelöhr passt.

Das Publikum in der vollbesetzten „Wandliebe“ ist hingerissen und applaudiert intensiv. „Wunderbar, was Sie alles hervorgeholt haben“, freut sich Gastgeberin Marianne Stumpf und erklärt anschließend die Ausstellung für eröffnet. Friederike Witt-Schiedung lebt mit ihrem Mann Hainer in Stedden, sie ist Mitglied des Bundes Bildender Künstler Celle. Lange war sie als Lehrerin an der Sprachheilschule tätig, aber die Sonderpädagogik ist nur ihr zweiter Beruf. In Hamburg hat sie von 1962 bis 1966 Kunst studiert. Der Nähwagen ihrer Mutter hat sie inspiriert zu Werken, die häufig mittels grafischer Techniken entstanden sind und Elemente der Collage enthalten. Wer Interesse hat, kann sich die Arbeiten und natürlich den Nähwagen noch bis zum 4. Oktober 2025 anschauen im Tapetenmuseum „Wandliebe“ am Kleinen Plan. Öffnungszeiten: Di-Fr: 15 bis 18 Uhr und Sa: 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Anke Schlicht
Foto: Anke Schlicht

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