Donnerstag, 21. Mai 2026

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Y-Trasse, Alpha E, Neubautrasse – Planungen im Wandel der Zeit: Fortschritt oder „Rolle rückwärts“?

Nachdem die umstrittene Y-Trasse ad acta gelegt wurde, kehrte mit dem Kompromiss aus dem Dialogforum 2015 in Celle Ruhe ein. Kein Trassenneubau, nur noch Ertüchtigung der Bestandsstrecken war ein Kompromiss, der schon damals trügerisch schien. Die Fraktion der Grünen im Celler Stadtrat wollte nun mit einem Antrag, eine im Jahre 2023 vom Rat abgesegnete Resolution dahingehend modifizieren, dass ein Trassenneubau nicht mehr kategorisch ausgeschlossen wird, falls das notwendig werde, zumindest als Zugabe zum Bestandsausbau.

Dieser Antrag wurde nun im Rat in einer Sondersitzung kontrovers diskutiert.  Hinzu kam der zwischenzeitlich von der Fraktion Die Linke/Zukunft Celle gefasste Beschluss, grundsätzlich eine Neubautrasse zu favorisieren. So war der Rat dreigespalten: Keine Änderung der Resolution, Änderung der Resolution, Entscheidung zum Trassenneubau. Darum rankten sich die Redebeiträge mit einer sehr bald erkennbaren Gewichtung. CDU, FDP und Unabhängige demonstrierten Geschlossenheit für eine unveränderte Resolution, während die Vertreter der beiden Varianten offensichtlich keine einheitliche Front bildeten uns somit alles beim Alten bleibt. Für dieses Ergebnis brauchte es eine Stunde. So war es auch beim „Hornberger Schießen“.

„In Celle rollt der Bahnverkehr rückwärts. Dieser Eindruck kann jedenfalls entstehen, wenn man die schon vor der Ratssitzung veröffentlichte Pressemitteilung der schwarzen Gruppe liest. Oder sollte ich besser sagen: Des schwarzen Blocks. Denn wie ein Beton-Block oder Klotz beharren gleich drei Parteien darauf, dass sich die Welt zwar weiterdreht, aber nicht in Celle. Und verharren somit in dem einmal gefassten Beschluss: Kein Neubau einer Bahnstrecke. Niemals!“ mit diesen markigen Worten leitete Karin Abenhausen die Begründung für ihren Antrag ein, die Resolution aus dem Jahre 2023 zu modifizieren.

Abenhausen weiter (Auszug): „Das größte Versagen an den Menschen hier vor Ort war, dass weder Bund, noch Bahn aufrichtig waren, was Alpha E betraf. Beide haben lange verschwiegen, was die Menschen hätten erfahren müssen: Dass es gar nicht mehr um Alpha E geht, sondern für die Querverkehre nur noch um Teile daraus. Und dass Hamburg-Hannover längst gesondert betrachtet wird. 

So haben wir Grünen uns entschieden, unsere Meinung zum kategorischen Nein einer Neubaustrecke noch einmal zu überdenken. Wir waren ja vom Oberbürgermeister als Rat dazu aufgefordert worden, uns erneut zu positionieren. Und wir haben mit unserm Änderungsantrag zur Resolution von 2023 diese Sondersitzung ausgelöst.

Und Umdenken heißt für uns nicht ein „Entweder – oder“, sondern ein „Sowohl als auch“! Planungen für die Zukunft dürfen jetzt nicht aufgegeben werden. Sonst laufen wir wieder in eine lange Zeit des Nichtstuns. Und hier sind der Bund als Geldgeber und Bahn gleichermaßen gefordert.“

Udo Hörstmann (Unabhängige) sah keinen Anlass die Resolution von 2023 zu ändern. Er habe ohnehin den Eindruck, dass die Bahn beim Dialogforum den Kompromiss nicht überzeugend mitgetragen habe. Man sei eher „an der Nase herumgeführt“ worden. Außerdem werde Celle durch einen Trassenneubau vom Zugverkehr abgehängt. Deshalb solle erstmal Alpha E realisiert werden. Danach könne gegebenenfalls noch ein Trassenneubau erfolgen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Patrick Brammer bezeichnete die Resolution von 2023 als gut. Der Antrag der Grünen sei ohne Not gestellt worden und sei eher kontraproduktiv. Stephan Ohl von der Fraktion Die Linke/Zukunft Celle und Mitinitiator der Variante „Trassenneubau“ bekräftigte, dass es nur einen Trassenneubau gebe oder nichts. Alexander Wille, Fraktionsvorsitzender der CDU bezeichnete den Vorstoß der Grünen als Aktionismus und Populismus. Diese Sitzung sei vermeidbar gewesen.

Bernd Zobel (Grüne) sprach sich für einen schnellen Ausbau Alpha E aus und stellte fest, dass die Bahn hinterhältig agiere. Torsten Schoeps sprach von einem „parteipolitischen Säbelrasseln“. Der Ausbau müsse schnell kommen, damit ein zuverlässiger Personenverkehr stattfinden könne.

Christoph Engelen (SPD) hatte erkannt, dass die Diskussion zu nichts führe, da eine Entscheidung über eine Trassenführung in Berlin stattfinde.

Oberbürgermeister Jörg Nigge fasste sich bei der Thematik sehr kurz: „Wir sollten uns um die Dinge kümmern, über die wir entscheiden können.“

Fazit: Die Aussage von Christoph Engelen trifft die Lage ohne Umschweife, egal was in Celle oder anderswo, diskutiert, gewünscht oder gefordert wird.

Und hier die Resolution von 2023, um die es sich bei der Sondersitzung drehte:

Resolution des Rates der Stadt Celle

Der Rat der Stadt Celle steht ausdrücklich zur Verkehrswende und dem dafür erforderlichen Ausbau der Bahninfrastruktur, um die zukünftigen Mehrverkehre im Güter- und Personenverkehr aufnehmen zu können. Dieser Ausbau muss jedoch im Einklang mit Mensch, Raum und Umwelt erfolgen.

Die von der Deutschen Bahn geplante Neubautrasse im Stadtgebiet von Celle zerschneidet Landschaftsgebiete, Naturschutzgebiete und Lebensräume, Wälder und Weiden auf vielen Kilometern und vernichtet so wichtigen Naturraum und landwirtschaftliche Flächen gleichermaßen. Der damit verbundene Flächenverbrauch und Flächenentwertung ist gerade im Hinblick auf vorhandene Alternativen nicht hinnehmbar.

Darüber hinaus wird das Orts- und Landschaftsbild durch die Neubaustrecke massiv beeinträchtigt. Ortslagen werden regelrecht entwertet. Wichtige Wegeverbindungen werden unterbrochen, was für die Celler Bürgerinnen und Bürger zum Teil erhebliche Umwege und gestörte Siedlungsbeziehungen zur Folge hat.

Da die Bahn in der Variantenbetrachtung unkonkret bleibt, die Grundlagen nicht offenlegt und nicht in einen ehrlichen Dialog eingetreten ist, bietet die Neubautrasse im westlichen und nördlichen Stadtgebiet keine Alternative und ist somit abzulehnen.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Gemini

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