Dienstag, 9. Dezember 2025

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Abfallzweckverband erstellt Konzept für Altkleiderproblematik – Politik wird entscheiden

Die Problematik ist hinreichend bekannt und an manchen Altkleidercontainern auch nicht zu übersehen. Wohin mit den Alttextilien? Diese Frage steht das gesamte zu Ende gehende Jahr über im Raum. Ist nun eine Lösung in Sicht? „Am 26.11. fand die Verbandsversammlung statt, und wir haben dem Zweckverband Abfallwirtschaft Celle den Auftrag erteilt, ein Konzept zu entwickeln, das mit Kosten hinterlegt ist. Es geht in den Kreistag und Stadtrat und dort wird darüber entschieden“, gab Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge im jüngsten Finanzausschuss der Stadt bekannt.

Matthis Heidenreich vom Zweckverband Abfallwirtschaft Celle (ZAC) bestätigt: „Die Frage ist, wie löst man das Problem auf kommunaler Ebene. Wir sind als Zweckverband beauftragt, bis zu einer der nächsten Sitzungen im März oder Juni 2026 ein Konzept zu erarbeiten und dieses der Verbandsversammlung zu präsentieren.“ Es gebe verschiedene Wege, die geprüft werden müssen, was etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. „Man kann zum Beispiel nach dem Sperrmüllmodell verfahren und Alttextilien auf Antrag haushaltsnah durch eine Abfuhrtour abholen lassen, was unter anderem nur gegen eine entsprechende Gebühr möglich wäre“, sagt Heidenreich und fügt hinzu: „Die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger sind in der Pflicht, eine Getrenntsammlung nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz vorzuhalten. Dabei hat sich über Jahre ein System etabliert, welches bis Anfang 2025 hauptsächlich in Form von gewerblichen Sammlungen und mithilfe von gemeinnützigen Hilfsorganisationen, die mit professionellen Verwertungsunternehmen zusammenarbeiten, durchgeführt wurde“.

Doch das Geschäftsmodell hat sich überlebt, der Alttextilmarkt hat sich verändert. Die Firmen der Branche finden keine Abnehmer mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Durch den Krieg in der Ukraine ist Russland als Altkleidermarkt weggebrochen. Der afrikanische Markt wird mittlerweile auch aus Asien bedient“, erläutert Matthis Heidenreich. Generell hat die Menge an aussortierten Textilien in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen, so war im Zeitraum 2013 bis 2023 laut Statistischem Bundesamt ein Anstieg von 70 Prozent zu verzeichnen. Die Qualität der Produkte ist in der Folge des Fast-Fashion-Trends so schlecht, dass ein Recycling nur sehr eingeschränkt möglich ist. Etliche Gewerbetreibende, die mit der Weiterverwertung ihr Geld verdienten, haben sich zurückgezogen.

Zusätzlich sorgte eine im Januar 2025 in Kraft getretene Verordnung der Europäischen Union, die vorschreibt, dass Textilien Teil des Recyclingkreislaufes sein sollen, für Irritationen bei den Verbrauchern. Viele gingen davon aus, dass sie nun jedes verschlissene T-Shirt, kaputte oder verdreckte Kleidung in die Container geben müssten. Doch dem ist nicht so, derartige Alttextilien dürfen im Restmüll entsorgt werden. Zwischenzeitlich, am 16. Oktober 2025, ist eine neue EU-Abfallrahmenrichtlinie erlassen worden, die die Modeunternehmen in die Pflicht nimmt und die Regelungen zur Sammlung und Entsorgung von Alttextilien präzisiert. Das Stichwort lautet „Extended Producer Responsibility“ (EPR), also die erweiterte Verantwortung der Hersteller. Diese zahlen künftig eine produktbezogene Gebühr, die sich an Nachhaltigkeitskriterien wie Haltbarkeit oder Recyclingfähigkeit orientiert. Bis Mai 2028 soll EPR in nationales Recht der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt sein und dafür sorgen, dass die Kosten für die Sammlung und Sortierung von Alttextilien sowie für Maßnahmen zur Wiederverwertung zu Lasten der Textilunternehmen gehen.

Auch diese Richtlinie wird bei der Erstellung eines Konzeptes eine Rolle spielen. „Wir können nur mit unserer Expertise Lösungsvorschläge machen, entscheiden muss dann die Politik“, sagt Matthis Heidenreich. Er sieht die Aufgabenstellung als eine Herausforderung und freut sich auf die Arbeit, deren Ergebnis im März oder im Juni auf der Vollversammlung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft des kommenden Jahres präsentiert wird.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht

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