Freitag, 13. Februar 2026

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Verkehrssicherheit im Hehlentor: parCelle fordert schnellere Umsetzung der Fahrradzone

Nach einem erneuten Unfall im Celler Hehlentor am vergangenen Heiligabend rückt die Verkehrssicherheit im Quartier wieder in den Fokus. Obwohl die Kreuzung Dörnbergstraße/Altenhäger Kirchweg inzwischen offiziell als Unfallhäufungsstelle eingestuft wurde, sieht die Stadtverwaltung derzeit keinen rechtlichen Spielraum für eine flächendeckende Tempo-30-Begrenzung.

Die Initiative parCelle, Teil der Bewegung Changing Cities, kritisiert die aktuelle Situation als zu komplex und fehleranfällig. Projektleiter Andreas Lechner sieht die Lösung in einer bereits 2022 vom Ortsrat beschlossenen, aber bislang nicht realisierten Fahrradzone mit der Regelung „Anlieger frei“. Durch einfache Vorfahrtsregeln und eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit soll eine intuitiv verständliche und fehlertolerante Infrastruktur geschaffen werden, die insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer wie Kinder und Senioren besser schützt.

Nachfolgend die Forderung von parCelle:

Polizei, Ortsrat und Stadtverwaltung wissen, dass die Kreuzung Dörnbergstraße mit dem Altenhäger Kirchweg ein Unfallschwerpunkt ist.

Im Protokoll der Ortsratssitzung vom 25.9.2025 heißt es dazu [1]:
„TOP 5.7 Tempo 30 im Hehlentor (12.06.2025 TOP 13.8): Zu den Abschnitten, für die eine Tempo-30-Begrenzung immer im Gespräch war, liegen der Polizei keine Erkenntnisse vor. Allein die Kreuzung Dörnbergstraße/Altenhäger Kirchweg gilt neuerdings per Definition als Unfallhäufungsstelle. In den zur Rede stehenden Abschnitten ist daher weiterhin eine Tempo-30-Begrenzung straßenverkehrsrechtlich nicht geboten.“ Heiligabend gab es den nächsten verletzten Radler im Hehlentor an einer fast identischen Kreuzung auf der Fahrradhauptroute keine 300 Meter entfernt.

Das muss endlich ein Ende haben!

Bereits am 2. März 2022 beschloss der Ortsrat einen Prüfauftrag für eine große Fahrradzone mit „Anlieger-Kfz frei“ [2, 3]. Die Grundidee ist dabei, dass man mit 10 Schildern an den Zufahrten in eine großzügige Zone sehr einfache Regeln für eine faire, gemeinschaftliche Mobilität im Wohnquartier einführt. Tempo 30 für alle 24/7. Innerhalb der Zone gilt überall „rechts-vor-links.“ Intuitiv verständliche Bodenmarkierungen definieren Park- und Ladebereiche. Menschen dürfen nicht nur im Auto nebeneinander sitzen, sondern auch auf Fahrrädern nebeneinander radeln. Wer langsamer Auto oder Fahrrad fährt, der kann bei ausbleibendem Gegenverkehr mit sicherem Abstand überholt werden. Hunderte Schilder entfallen [3]. Seit März 2022 befindet sich der Beschluss in der Bearbeitung und soll angeblich nun Teil der Fortschreibung des Fahrradaktionsplan werden. Trotz mehrfacher Zusage wurden dazu bis heute keine Information geteilt.

Im Mai 2023 kam eine Frau aus dem benachbarten Ortsteil an der Kreuzung Wittinger Straße und Dörnbergstraße auf dem Schutzstreifen tragisch ums Leben. Eine liebe Nachbarin am Berkefeldweg wurde von einem Auto bei der schwierigen Grundstücksausfahrt auf die Wittinger Straße übersehen und verletzt. Unfälle machen eine Kreuzung der Vorzeige-Hauptroute mitten im Wohngebiet ganz amtlich zur neuen Gefahrenstelle für Radfahrende. Nun kommt ein weiterer Mensch an der nächsten Kreuzung zu Schaden.

Andreas Lechner, Projektleiter von „parCelle / Changing Cities“ erklärt: „Rein sachlich betrachtet besteht ein Problem vermutlich darin, dass die Situation und geltende Regeln nicht intuitiv verstanden werden. Eine 50 km/h Straße soll Vorfahrt gewähren gegenüber einer 30 km/h Fahrradstraße.“ Der Fahrradaktionsplan der Stadt Celle empfiehlt daher neben auffälliger Farbe das kostspielige Auframpen von Fahrradstraßen [4]. Nach einer ausreichend hohen Anzahl an Gefährdungen und Unfällen mit Verletzten werden in Celle günstigere Plastikbuckel zur Schadensbegrenzung nachgerüstet. Lechner meint: „Unaufmerksame Autofahrer:innen werden wachgerüttelt. Es ist gut, dass dies meist gelingt. Ich habe jedoch schon Unbelehrbare erlebt, die mit dem SUV über den Dreifachbuckel am AKH skrupellos durchziehen, um nicht erst ein Fahrrad passieren zu lassen. Oder Menschen überschätzen die Beschleunigung ihres Autos bergauf. Oder sie unterschätzen die hohen Geschwindigkeit von Fahrrädern bergab.“ Darum wünscht sich parCelle, als Teil der Changing Cities Bewegung für 2026 vor allem konfliktentschärfende Lösungen. Denn in Celle kommen weiterhin vor allem ältere oder sehr junge Menschen auf dem Rad zu Schaden. Oder sie werden aufgrund der Komplexität der Verkehrsführung selbst zur Unfallursache. Es ist die Verantwortung und Aufgabe von Stadtverwaltung, Politik, und bunten Organisationen eine Infrastruktur zu schaffen, die uns weder in den Konflikt führt noch überfordert. Sie muss fehlertolerant sein. Keinesfalls darf sie Fehler provozieren und Menschenleben gefährden. Eine Fahrradzone mit „Anlieger-Kfz frei“ schafft einen Rahmen, bei dessen Ausgestaltung alle Beteiligten ihre Bedürfnisse einbringen können. Es geht um unsere Sicherheit und Mobilität und nicht um Ängste vor Veränderung oder vor neuen Ideen. parCelle – gemeinsam einfach sicher machen.

Literaturverweise
[1] Sitzung im Allris: https://www.celle.sitzung-online.de/public/to010?SILFDNR=2904&refresh=false
[2] Antrag aus der ersten regulären Sitzung des OR Hehlentor am 2.3.2022: https://www.celle.sitzungonline.de/public/to010?12–anlagenHeaderPanel-attachmentsList-0-attachmentlink&SILFDNR=2904&refresh=true
[3] Präsentation an den Ortsrat am 2.3.2022: https://www.celle.sitzung-online.de/public/to010?12-anlagenHeaderPanel-attachmentsList-1-attachment-link&SILFDNR=2904&refresh=true
[4] Thiemo Graf von der Firma i.n.s. hat den Fahrradaktionsplan für die Stadt Celle geschrieben. In seiner
Veröffentlichung „Fahrradstadt – ein umfassender Werkzeugkasten für Städte und Gemeinden“ ISBN978-3940217-31-8 zeigt er auf Seite 53, wie man eine Fahrradstraße vorfahrtberechtigt in einer Wohnsiedlung gestaltet. Das Buch kann in der QuartierWerkstadt freitags am Berkefeldweg 7 eingesehen werden.

PR
Grafik: Thiemo Graf

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