Montag, 16. Februar 2026

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Rechtsanspruch auf Ganztag für Erstklässler – „Es muss mehr als Aufbewahrung sein!“

Die überregionalen Schlagzeilen sind alles andere als positiv: „Schulen sehen Hürden“ oder „Bildungs-Verbände lehnen Ganztagserlass ab“, heißt es über die Situation in Niedersachsen. Hier tritt zum Schuljahresbeginn 2026/27 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler in Kraft. Er wird schrittweise eingeführt: Zunächst gilt er nur für die ab dem 1.8.2026 eingeschulten Erstklässler, in den Folgejahren wird er um jeweils eine Klassenstufe ausgeweitet, so dass ab dem Jahr 2029 alle Grundschulkinder einen Anspruch auf acht Stunden tägliche Betreuung haben.

Eine aktuelle Umfrage in Niedersachsen hat laut dpa ergeben, dass eine von vier Grundschulen befürchte, eine Ganztagsbetreuung bis zum Herbst nicht auf die Beine stellen zu können. Probleme sehen diese unter anderem in mangelnder Ausstattung mit Personal und Räumlichkeiten.

Wie stellt sich die Situation in Celle dar? Träger der 14 Elementareinrichtungen ist die Stadt Celle. Sebastian Stottmeier steht an der Spitze des Dezernates Bildung und Soziales, den gleichnamigen Fachbereich leitet Christoph Schlote. Bereits seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die Umsetzung der gesetzlichen Regelung in organisatorischer Verantwortung der Stadt Celle.

Nicht selten heißt es beim Stichwort Ganztag als aktuelles Thema: „Den gibt es doch schon!“ Gemeint ist dann die sogenannte offene Ganztagsschule bis 15:30 Uhr oder auch 16:00 Uhr, die alle Grundschulen im Stadtgebiet anbieten und die vom Neuen Rathaus im Rahmen einer freiwilligen Leistung schwerpunktmäßig finanziert wird. „Das freiwillige Betreuungsangebot umfasst den Ganztag von Montag bis Donnerstag und ein kostenpflichtiges Hortangebot am Freitag“, erläutert Sebastian Stottmeier. Ab Sommer dieses Jahres besteht hingegen die Verpflichtung, eine Betreuung der Erstklässler für acht Stunden vorzuhalten.

Mit einem klaren „Ja“ beantwortet Stadtrat Stottmeier die Frage, ob alle Celler Grundschulen den gesetzlich festgeschriebenen Ganztag anbieten werden. Wird es große Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen geben? Leichte Abweichungen seien möglich, da die konzeptionelle pädagogische Gestaltung in der Zuständigkeit und Verantwortung der jeweiligen Schulleitung liegt. „Perspektivisch sollen die bisherigen einheitlichen Standards weiter ausgebaut werden.“ Einen Runden Tisch „Ganztag“ habe man im Rahmen der Vorbereitung nicht eingerichtet. Die Verantwortlichen im Neuen Rathaus befinden sich jedoch im engen regelmäßigen Austausch mit den Schulleitungen.

Die Kommunalpolitik forderte im jüngsten Schulausschuss, jede Grundschule müsse ein Ganztagskonzept entwickeln. Bernd Zobel (Grüne) mahnte: „Es darf keine Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Stand geben.“ Stephan Ohl (Die Linke): „Nach der 6. Stunde nur Aufbewahrung, das kann nicht sein. Wir haben einen Anspruch entwickelt, wie die Grundschule sein soll.“

Mit den Vorgaben des Kultusministeriums in Hannover sind die Pädagogen und Verwaltungsbeamten nicht zufrieden. Das Land ließ sich im Vorfeld viel Zeit mit schriftlichen klarstellenden Regelungen. In seiner Zuständigkeit liegt die Finanzierung, der Landkreis ist als Jugendhilfeträger in der Pflicht. Sebastian Stottmeier stellt klar: „Der Rechtsanspruch der Eltern richtet sich ab Klasse 1 aufsteigend gegen den Träger der Jugendhilfe, den Landkreis Celle“, und fügt hinzu, man sei aktuell in konstruktiven Gesprächen mit dem Landkreis.  „Frau Ministerin Hamburg hat zugesagt, dass der Ganztag während der Schulzeit, also bis zur 8. Stunde, in der Verantwortung des Landes liegt“, teilte Landkreissprecher Tore Harmening auf Anfrage mit. Dezernent Stottmeier erwartet eine Finanzierungslücke: „Die Finanzierung durch das Land Niedersachsen wird nicht auskömmlich sein, um eine Ganztagsbetreuung sicherzustellen.“ Die Abstimmungen mit der Kreisverwaltung bezögen sich auch auf die Deckung der zu erwartenden Differenz.

Informationen zum aktuellen Sachstand gibt es auch im kommenden Ausschuss für Schule, Kinder und Jugend am 19.2.2026 um 17 Uhr in der Alten Exerzierhalle.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: privat

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