Sonntag, 13. September 2026

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Tanja Kübler überzeugte mit ihrer faszinierenden Schauspielkunst in „Der junge Mann“ das Premierenpublikum im Malersaal des Schlosstheaters Celle

„Der junge Mann“ ist eine autofiktionale Erzählung der Nobelpreisträgerin Annie Ernaux. Diese Mischung aus autobiografischen und fiktionalen Elementen, wurde von Tanja Kübler als Ich-Erzählerin perfekt transportiert, und ließ die Zuschauer durch ihr lebendiges Spiel sofort in die Geschichte eintauchen.  

Sie schildert, zunächst in ihrem Bett liegend, die leidenschaftliche Affäre zu einem 30 Jahre jüngeren Studenten und den gesellschaftlichen Vorurteilen, die eine solche Beziehung mit sich bringt.  Beim heißen Sex auf der Matratze, in seinem oft kalten Zimmer mit kaputtem Kühlschrank und löchrigen Wänden, erlebt sie durch ihn die Wiederholung ihrer eigenen Jugend.   Sie schildert ihre Freude darüber, dass der Student seine 20-jährige Freundin für sie, die Mittfünfzigerin, verließ – er liebt sie mit einer Leidenschaft, wie kein anderer zuvor.

An seiner Seite fühlt sie sich stark und mächtig, und freut sich, sich beim Gespräch in einem jüngeren Gesicht spiegeln zu können. Sie betont, Sex schon öfter als Hilfsmittel zum Schreiben verwendet zu haben: „Ich hatte schon oft Sex, um mich zum Schreiben zu zwingen – hat man gerade einen wirklich erfüllenden Orgasmus gehabt, so stelle sich sofort die unbändige Lust ein, ein Buch zu schreiben.“

Sie schreibt ein Buch über die traumatische Erfahrung ihrer Abtreibung – der Student wohnt direkt gegenüber dem Krankenhaus, in das sie nach der Abtreibung in den 1960er-Jahren eingeliefert wurde.  Während das Buch über die Abtreibung voranschreitet, löst sie das Band zu dem jungen Mann.       

Die Liebesbeziehung empfindet sie plötzlich als Inzest, das Kind das sie nicht ausgetragen hat, wäre jetzt ungefähr so alt wie ihr junger Liebhaber. Zum Schluss stößt die Erzählerin ihren jugendlichen Lover ab, so wie sie es dreißig Jahre zuvor mit dem Embryo getan hat.

Sie begrüßt nun das Glück, „allein und frei ins dritte Jahrtausend einzugehen“. Die Besinnung auf sich selbst macht sie frei und einsam zugleich. Dieser beeindruckende Theaterabend in der intimen Atmosphäre des Malersaals, lud das Publikum dazu ein, den Blick zu verändern, und die Liebe und Leidenschaft zu sehen, statt die ungewohnte Paarkonstellation.

Das Premierenpublikum belohnte die fantastische Solo-Darstellerin Tanja Kübler und ihr Team mit tosendem Applaus.

Besetzung:

Eine Frau    – Tanja Kübler

Regie:         –  Sonja Streifinger

Editha Urich
Fotos:    Christian Stych