Donnerstag, 18. Juni 2026

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Walsonntag am 05.04.2026 – Thema: Hinterm Horizont geht´s weiter

Pastor Peer-Detlev Schladebusch, Geschäftsführer des Landesvereins für Innere Mission (LIM) und LIM, berichtet aus aktuellem Anlass über das Thema Hoffnung, das synergetisch ganz allgemein die unruhige Zeit mit dem Schicksal des gestrandeten Wals in der Ostsee beschreibt und dabei eine Verbindung zum Sterben Jesu herstellt.

Timmy atmet noch, aber er liegt still. Da erinnern wir uns an das Sterben Jesu. Was bleibt als Hoffnung? Mit dem Landesverein für Innere Mission nutzen wir das einzigartige Gebäude des Expowals seit über 20 Jahren. Zu Zeiten der Expo 2000 erhielt es den Namen „Pavillion der Hoffnung“ und wurde ein Wahrzeichen der Expo 2000 und der Hoffnung international. Diese Hoffnung treibt uns an. Auch in der Arbeit, die wir für Menschen in Not leisten. Und das seit 1865. Wort und Tat gehören für uns untrennbar zusammen.

Für alle, die eine Sehnsucht nach mehr haben, wird am Ostersonntag ein Gottesdienst zum Thema: „Hinter´m Horizont geht´s weiter!“ gefeiert. Der Expowal öffnet seine Türen um 10:30 Uhr. Das Vorprogramm beginnt um 10:50 Uhr und der Gottesdienst um 11:00 Uhr.  

Ein Wal liegt still. Timmy. Ein Körper von ungeheurer Größe – und nun ganz ohne Kraft. Das Wasser, das ihn hätte tragen sollen, hat ihn nicht mehr gehalten. Menschen kamen, schauten, halfen, hofften, verzweifelten. Kameras hielten drauf. Stimmen überschlugen sich. Und irgendwo zwischen den Wellen, den Seilen, den Händen – bleibt eine Frage: Warum hat es nicht gereicht?

Ist es jetzt vorbei? Und was bleibt?

Zur gleichen Zeit fiebern wir in diesen Tagen ganz besonders mit: das Team vom ExpoWal in jenem einzigartigen Gebäude, dem Wahrzeichen der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover. Wie ein riesiger Wal geformt, mit einer großen stählernen Fluke: als „Pavillon der Hoffnung“ errichtet: Als Zeichen, als Einladung, als Ort der Begegnung. Menschen treten ein, suchen Orientierung, finden Worte, hören Geschichten, sprechen Gebete. Auch hier geht es um Rettung, um Hoffnung, um das, was trägt – wenn nichts mehr trägt.

Und doch: Was verbindet Timmy mit diesem ExpoWal – jetzt, wo er tot ist?

Ist es das Leiden, das uns nicht loslässt, selbst über den Tod hinaus? Dieses stille, gewaltige Leiden eines Geschöpfs, das keine Sprache hatte – und doch so viel gesagt hat? Warum berührt uns das Schicksal eines Wals so tief – vielleicht noch mehr, jetzt, wo wir nichts mehr tun können? Ist es Mitleid? Ohnmacht? Oder erkennen wir uns selbst darin?

Was heißt es, dass der Mensch Verantwortung trägt für die Schöpfung – wenn am Ende ein Wal stirbt und wir danebenstehen? Ist diese Verantwortung mehr als ein schöner Gedanke? Oder zeigt sie sich gerade im Scheitern? Wann haben wir begonnen, uns über die Schöpfung zu stellen, statt in ihr zu stehen? Und merken wir überhaupt noch, wann wir zu spät kommen?

Die Menschen, die zu Timmy eilten – was trieb sie an? Pflichtgefühl? Mitgefühl? Die Sehnsucht, wenigstens zu versuchen, was vielleicht nicht mehr zu retten war? Was geschieht in ihnen jetzt, wo der Kampf vorbei ist? Wohin geht eine Hoffnung, die ihr Ziel nicht erreicht hat?

Und im ExpoWal: Warum suchen Menschen Hoffnung in gebauten Räumen – gerade dann, wenn draußen das Leben endet? Was erwarten sie dort zu finden? Antworten – oder einen Ort, an dem die Fragen bleiben dürfen? Kann Hoffnung bestehen, wenn sie sich nicht erfüllt? Oder beginnt sie vielleicht erst dort, wo wir das Scheitern nicht mehr übergehen?

Ist Hoffnung stärker als der Tod? Oder verändert sie nur ihre Gestalt?

Timmy hat gekämpft. Menschen haben geholfen. Andere haben zugesehen. Wieder andere haben sich abgewandt. Und jetzt? Was sagt das über uns – über unsere Fähigkeit zur Empathie und über ihre Grenzen? Gibt es ein Zuviel an Leid – oder beginnt etwas Neues genau dort, wo wir es nicht mehr wenden können?

Und was ist mit der Sehnsucht nach Erlösung – wenn das Leben endet? Ist sie nur ein religiöses Wort? Oder ein leiser, hartnäckiger Ruf in uns, der gerade dann lauter wird, wenn wir merken, dass wir nicht retten können?

Was wäre Erlösung für Timmy gewesen? Ein Weiterleben? Eine Rückkehr ins Meer? Oder ist es das Ende seines Leidens? Und was bedeutet Erlösung für uns, die zurückbleiben?

Warum brauchen wir Hoffnung – gerade jetzt? In der Zeit der vielen Kriege, der Ungewissheit eines gewaltigen Umbruchs in so vielen Bereichen.

Oder ist es genau das: dass wir beides brauchen – das verzweifelte Handeln am Ort des Leids und die Räume, in denen wir aushalten, dass es nicht gereicht hat?

Wie viel Hoffnung hält die Welt aus – wenn ein Wal stirbt?

Und wie tragen wir sie gemeinsam weiter?

PR