Sonntag, 10. Mai 2026

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Hitzige Kita-Debatte in Höfer: Entscheidung vertagt, Konflikt bleibt

In Höfer ist am Montagabend eine emotional geführte Ortsratssitzung zu Ende gegangen, bei der die Zukunft der Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“ im Mittelpunkt stand. Unter dem Tagesordnungspunkt zur Anpassung von Betreuungszeiten und Gruppenstruktur verbarg sich ein Thema mit erheblicher Tragweite: die mögliche Schließung der Einrichtung.

Die Sitzung fand im Dorfgemeinschaftshaus Höfer statt, wo sich auch die Räume der Kita befinden – und stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, viele fanden keinen Sitzplatz mehr. Schon zu Beginn kam es zu einer kontroversen Diskussion im Ortsrat.

Kritik am Verfahren und mangelnder Information

Michael Bartels (WG) stellte gleich zu Beginn die Art der Einladung infrage. Das Thema sei kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden, obwohl es ursprünglich nicht vorgesehen gewesen sei. Zudem hätten die Ratsmitglieder nur wenige und aus seiner Sicht unzureichende Informationen erhalten. „Was passiert hier eigentlich?“, fragte Bartels und kritisierte, dass eine Entscheidung dieser Tragweite nicht ausreichend vorbereitet worden sei.

Mehrere Ratsmitglieder äußerten Unmut darüber, dass sie von den Schließungsplänen erst sehr spät erfahren hätten. Auch aus dem Publikum wurde Kritik laut. Viele fühlten sich übergangen und nicht einbezogen.

Gemeinde verweist auf sinkende Zahlen und Kosten

Bürgermeister Heinrich Lange verteidigte das Vorgehen der Verwaltung und verwies auf formale Abläufe. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Gemeinde vor strukturellen Herausforderungen stehe. Sinkende Geburtenzahlen führten dazu, dass künftig nur noch wenige Kinder in Höfer betreut würden. Nach aktuellem Stand könnten es zum neuen Kita-Jahr lediglich fünf bis sieben Kinder sein.

Die jährlichen Kosten für den Standort bezifferte Lange auf rund 161.960 Euro. Ziel sei es, weiterhin ein Betreuungsangebot vorzuhalten, dieses jedoch wirtschaftlich tragfähig zu gestalten. Freie Plätze in den Einrichtungen „Eschennest“ und „Am Osterberg“ in Eschede könnten die Betreuung übernehmen.

Vorwürfe aus dem Ortsrat

Im Verlauf der mehrstündigen Diskussion wurde der Ton deutlich schärfer. Hans-Joachim Borck kritisierte, dass der Standort Höfer durch verkürzte Betreuungszeiten zunehmend unattraktiv geworden sei. Die aktuellen Zeiten von 8 bis 13 Uhr entsprächen nicht der Lebensrealität vieler Eltern. Dadurch seien bereits Kinder in andere Einrichtungen gewechselt.

Auch Michael Teske verwies auf Vereinbarungen aus der Bildung der Einheitsgemeinde im Jahr 2014. Damals sei festgehalten worden, dass Infrastruktur vor Ort erhalten bleiben solle. Die vorgelegten Zahlen des DRK seien für ihn nicht ausreichend nachvollziehbar.

DRK erläutert Rahmenbedingungen

Ketija Talberga aus dem Vorstand beziehungsweise der Geschäftsführung des DRK als Träger der Einrichtung erklärte, dass man gesetzliche Vorgaben erfüllen müsse – unabhängig von der Gruppengröße. Die Personalstärke sei vorgeschrieben. Gleichzeitig sei man verpflichtet, die Gemeinde auf wirtschaftliche Entwicklungen hinzuweisen.

Sie machte deutlich, dass die Kosten pro Kitaplatz bei geringer Auslastung deutlich steigen könnten. Bei voller Belegung lägen diese bei rund 6.000 Euro pro Platz, aktuell jedoch bei bis zu 32.000 Euro.

Eltern und Ortsrat werben für den Erhalt

Aus dem Kreis der Eltern und Ortsvertreter wurde mehrfach die Bedeutung der Einrichtung betont. Nadin Müller hob die Vorteile der kleinen Kita hervor: eine familiäre Atmosphäre, individuelle Betreuung und naturnahe Angebote.

Auch Hanna Eggert, stellvertretende Elternvertreterin, sprach sich für eine gemeinsame Lösung aus. Man wolle nicht gegen die Gemeinde oder den Träger arbeiten, sondern den Standort erhalten.

Liane Lochte verlas eine gemeinsame Stellungnahme des Ortsrates. Darin wird unter anderem auf die Sanierung des Gebäudes im Jahr 2014 verwiesen sowie auf die Bedeutung der Einrichtung für die Ortschaften Höfer, Aschenberg und Ohe. Gefordert werden unter anderem längere Betreuungszeiten, eine erneute Bedarfsabfrage und mehr Zeit für eine fundierte Entscheidung.

Beschluss gegen kurzfristige Schließung

Am Ende der Sitzung fasste der Ortsrat einstimmig einen Beschluss: Die Kita soll vorerst nicht geschlossen werden. Stattdessen sollen die Betreuungszeiten auf 7.30 bis 13.30 Uhr ausgeweitet und eine bedarfsorientierte Abfrage unter Eltern durchgeführt werden. Zudem sollen Gemeinde und DRK ein Konzept für den Weiterbetrieb erarbeiten.

Bürgermeister Lange kündigte an, dass der Tagesordnungspunkt am Dienstag im Verwaltungsausschuss bestehen bleibe, dort jedoch zunächst keine abschließende Entscheidung getroffen werde.

Situation bleibt unklar

Trotz des Beschlusses bleibt die Lage angespannt. Der finanzielle Druck auf die Gemeinde ist hoch, zugleich benötigt der Träger zeitnah Planungssicherheit. Ohne eine klare Entscheidung können derzeit keine neuen Kinder aufgenommen werden. Damit entsteht ein Dilemma: Während Ortsrat und Eltern mehr Zeit für belastbare Zahlen, Konzepte und mögliche Anpassungen fordern, fehlt genau diese Zeit im laufenden Betrieb. Neue Anmeldungen, die den Standort stärken könnten, sind ohne Perspektive kaum möglich.

Die Beteiligten bewegen sich damit in einem Kreislauf – ohne Entscheidung keine Planung, ohne Planung keine neuen Kinder.

Damit bleibt die Zukunft der „Villa Kunterbunt“ offen. In Höfer ist der Widerstand gegen eine Schließung deutlich geworden – doch eine langfristige Lösung steht noch aus.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse

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