Latein Basis-Sprache Europas: Anlass für internationale europäische Begegnungen – Schülerinnen des Gymnasiums Ernestinum beim Lateinwettbewerb in Italien
Paula Becker und Janthe Hoopmann (beide 17 Jahre alt) vom Gymnasium Ernestinum sind sehr ehrgeizig und nehmen schon seit Klasse 5 am Lateinunterricht teil. Das Kleine Latinum haben sie schon absolviert. Nach dem Abschluss des aktuellen Jahrgangs 12 ist das Mittlere Latinum in greifbarer Nähe. Was liegt näher, als bis zum Großen Latinum durchzuziehen. Kein Wunder, dass sie die Chance bekamen, sich international zu beweisen. Bereits zum dritten Mal nahm das Ernestinum an dem Wettbewerb in Sulmona teil. Es war jetzt der Jubiläumswettbewerb zum 25. Certamen Ovidianum.








„Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, dass es am Ernestinum immer (noch?) gelingt, junge Menschen so sehr für die Beschäftigung mit der lateinischen Sprache und römischen Kultur zu begeistern, dass sie diese zweite Fremdsprache bis zum Abitur und auch als Prüfungsfach belegen und dabei so gute Leistungen erzielen, dass die Schule in diesem Jahr Paula Becker und Janthe Hoppmann für den internationalen Latein-Wettbewerb nominieren konnte“, so Schulleiter Johannes Habekost.
Das Gymnasium Ernestinum in Celle ist als Mitglied im regionalen Kooperationsverbund „Förderung Besonderer Begabungen“ aktiv. Zudem ist die Schule als Multiplikatorschule in der Transferphase der Initiative „Leistung macht Schule“ (LemaS) engagiert, um Konzepte zur Talentförderung zu implementieren. Der Fokus liegt auf individueller Begabungsförderung im Regelunterricht.
So wie es zunächst aussah, waren Paula und Janthe die einzigen Teilnehmerinnen aus Deutschland, wie Johannes Habekost, Schulleiter des Ernestinums, berichtete. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass von einer anderen deutschen Schule noch Teilnehmer nachgemeldet worden sind. Weitere Teilnehmer kamen aus Österreich, Serbien, Rumänien und auch aus Italien.
Die beiden Celler Schülerinnen wurden vom 83-jährigen pensionierten Lateinlehrer Michael Krebs, der mit seinen guten Italienisch-Kenntnissen immer wieder Wettbewerbsteams betreut hat, begleitet. Der Latein-Wettbewerb fand am Geburtsort des berühmten römischen Dichters Ovid in Sulmona in den Abruzzen statt, ca. drei Bahnfahrt-Stunden östlich von Rom. Das Werk des Dichters sollte die Teilnehmerinnen noch vor große Herausforderungen stellen.
Eine große Herausforderung bahnte sich allerdings noch im Vorfeld an. Große Sorge bereitete der Lufthansa-Streik und die Unsicherheit, ob der Flug überhaupt stattfinden kann. Die Flüge wurden bereits im März gebucht, so Schulleiter Johannes Habekost, die Verunsicherung schwebte jedoch wie ein Damoklesschwert bis zum Starttag über den Köpfen. Erst am späten Mittwochabend wurde signalisiert, dass es am frühen Donnerstagmorgen losgehen kann. Trotz des Lufhansa-Streiks kamen sie pünktlich in Rom an und konnten die Bahnfahrt nach Sulmona antreten.
Nach ihrer Rückkehr gab es nun einiges zu berichten – von der An- und Rückreise, vom Wettbewerb, von den Begegnungen mit Jugendlichen aus anderen Ländern, von ihren Eindrücken aus dem italienischen Hinterland und aus Rom. Der eigentliche Wettbewerb bestand aus einer 5-stündigen Klausur am Freitag, in der 40 Zeilen aus Ovids 1. Buch der Metamorphosen in die jeweilige Herkunftssprache der Wettbewerbsteilnehmenden übersetzt werden musste. Anschließend musste zu der Übersetzung ein Kommentar verfasst werden. Während der Auswertungszeit vom Freitag Nachmittag bis zur Siegerehrung am Samstag Abend wurde für die Teilnehmenden von den Schülerinnen und Schülern der gastgebenden Schule in Sulmona ein Besichtigungs- und internationales Begegnungsprogramm angeboten. Bei der Siegerehrung erhielt Paula einen Zusatzpreis über 200 € gewonnen (4. Platz für die beste Übersetzung). Insgesamt hatten 30 Schülerinnen und Schüler an dem Wettbewerb teilgenommen. Der erste Platz war mit 1.000 Euro dotiert, der zweite Platz mit 750 Euro und der dritte Platz mit 500 Euro.
Michael Krebs als Begleitperson fasst für sich die Reise als „sehr anstrengend aber auch als Jungbrunnen“ zusammen, zumal er eine große Schwäche für Italien habe. Dabei sei auch sehr wichtig die Begegnung mit der Jugend auf der internationalen Ebene.
Den Schwierigkeitsgrad des Wettbewerbs schätzen Paula und Janthe als Abiturniveau ein, wobei Janthe vermutet, dass das Abitur wahrscheinlich leichter sein wird. Auf jeden Fall habe sie ihr Bestes gegeben. Einhellig sind sich die beiden bei der Bewertung der guten Verpflegung im Hotel. Auch mussten beide die Erfahrung machen, dass in Italien eine andere Geräuschkultur herrscht. Selbst während der Prüfung diskutierten die Lehrkräfte unüberhörbar.
Nach ihren beruflichen Ambitionen befragt, steht Latein offensichtlich nicht im Vordergrund. Während Janthe eher in Richtung Naturwissenschaft strebt, denkt Paula an Journalismus.
Wie Johannes Habekost erläuterte, wurden die Reisekosten über das Erasmus-Programm bestritten. Die Verpflegung vor Ort – drei Mahlzeiten im Hotel – übernahm der Gastgeber.
Wer war Ovid? (Quelle: KI):
Publius Ovidius Naso (Ovid) war einer der bedeutendsten römischen Dichter der augusteischen Zeit. Er lebte von 43 v. Chr. bis 17 n. Chr. Geboren in Sulmona in Italien, starb er in Tomis am Schwarzen Meer in Rumänien. Dorthin hatte ihn Kaiser Augustus verbannt – weitweg von Italien. Damit schloss sich ein Kreis: Ovids Hauptwerk über Metamorphosen symbolisiert das Schicksal Ovids: sein eigenes Leben wurde durch die Verbannung völlig verwandelt.
Die Handlung in Ovids Werk umfasst den Anfang der Welt mit Chaos, Schöpfung, Sintflut bis zu seiner eigenen Gegenwart mit seiner Vergöttlichung Julius Caesars und Augustus. Doch diese Verehrung wurde durch das Werk Ars amatoria („Die Liebeskunst“) überschattet, in dem Ovid freizügige Liebes- und Verführungstipps gab, sehr zum Missfallen von Augustus, der eher strenge Ehe- und Sittengesetze durchsetzen wollte. Ovids Werk wirkte wie ein Angriff auf seine Moralpolitik. Obwohl Ovid selbst seine Darstellung als Fehler bezeichnete, war er sich sicher, kein Verbrechen begangen zu haben. Das rettete ihn aber nicht vor der Verbannung.
Die Metamorphosen entstanden ungefähr zwischen 2 und 8 n. Chr. und waren um 8 n. Chr. nahezu abgeschlossen – also kurz vor Ovids Verbannung.
Das Werk besteht aus: 15 Büchern, rund 250 einzelne Verwandlungsgeschichten, das sind etwa 12.000 Verse . Der erste Vers lautet sinngemäß: „Ich will von Gestalten erzählen, die in neue Körper verwandelt wurden.“
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse
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