Vom Klassenzimmer in die Welt: Wie Celler Schulen Grenzen überwinden
Europa ist weit weg? Von wegen. Zum heutigen Europatag am 9. Mai wird in den Klassenzimmern im Landkreis Celle deutlich, wie lebendig der internationale Austausch ist. Ob Schüleraustausch, Lehrerfortbildung oder globale Hilfsprojekte: Celler Schulen sind längst global vernetzt. Doch wie funktioniert das moderne Lernen über Grenzen hinweg, wo zieht es die Schülerinnen und Schüler aktuell hin – und was bleibt eigentlich langfristig von diesen Projekten? Ein Blick auf das globale Mosaik unserer Schulen.
Wer heute durch Celler Schulen geht, begegnet dem Titel „Europaschule“ fast auf Schritt und Tritt. Schulen wie die Oberschule Westercelle tragen diese Auszeichnung mit Stolz. Doch der Titel ist kein Ruhekissen, sondern täglich gelebte Praxis. Der wichtigste Motor für diese internationalen Begegnungen ist das EU-Programm Erasmus+. Es ermöglicht Schülern und Lehrkräften, geförderte Reisen ins europäische Ausland zu unternehmen, dort in Gastfamilien zu leben und gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Erst in den letzten Monaten starteten wieder zahlreiche Celler Jugendliche zu Austauschbegegnungen nach Frankreich, Spanien und Polen, um den europäischen Geist hautnah zu spüren.
Hermannsburg als europäischer Dreh- und Angelpunkt
Wie lebendig dieser Austausch im Landkreis Celle ist, zeigte im Frühjahr 2026 das Christian-Gymnasium Hermannsburg. Die zertifizierte Europaschule wurde im März 2026 selbst zum internationalen Gastgeber: Eine Woche lang war das Gymnasium Treffpunkt für Jugendliche und Lehrkräfte aus Italien, Portugal und Spanien.
Unter dem Projekttitel „Europe – Home and Beyond“ arbeiteten die rund 40 Jugendlichen in Hermannsburg an Fragen europäischer Identität und kreierten eigene Medienkampagnen. Zuvor hatte eine Delegation der Schule bereits im November 2025 im italienischen Cremona tiefgehende Workshops zu den EU-Grundrechten absolviert. Solche Begegnungen zeigen eindrucksvoll, dass europäische Werte im Celler Nordkreis ganz praktisch gelebt werden.
Der Blick über den Tellerrand: Engagement für Bangladesch
Dabei endet der Horizont der Celler Schullandschaft längst nicht an den Außengrenzen Europas. Toleranz und Weltoffenheit werden hier global gedacht. Ein eindrucksvolles Beispiel für diesen weltweiten Blick ist das langjährige Engagement für Partnerprojekte in Bangladesch.
Über Spendenläufe, Solidaritätsaktionen und den direkten, digitalen Austausch unterstützen Celler Schülerinnen und Schüler Bildungsprojekte und den Bau von Schuleinrichtungen in den ländlichen Regionen des südasiatischen Staates. Dieser direkte Bezug schärft das Bewusstsein der Jugendlichen für globale Gerechtigkeit und zeigt ihnen ganz praktisch, wie privilegierte Bildungschancen genutzt werden können, um Gleichaltrigen am anderen Ende der Welt eine Perspektive zu schenken.
Ein starkes Netzwerk im Landkreis
Dass dieser internationale Geist im Celler Land keine Ausnahme ist, zeigt ein Blick auf die offizielle Landkarte der zertifizierten „Europaschulen in Niedersachsen“. Neben der Oberschule Westercelle und dem Christian-Gymnasium Hermannsburg tragen im Landkreis Celle gleich mehrere renommierte Einrichtungen diesen Titel. Das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (KAV), das Hermann-Billung-Gymnasium sowie das Gymnasium Ernestinum und die BBS II gehören ebenfalls zu diesem starken regionalen Netzwerk.
Wie lebendig diese Kontakte sind, beweisen die Schulen Jahr für Jahr auf sportlicher, kultureller und wissenschaftlicher Ebene: Während am Ernestinum die tief verwurzelten Austauschprogramme mit den Partnerschulen im französischen Hérouville-Saint-Clair und im polnischen Tarnów den Alltag prägen, pflegen die anderen Celler Schulen aktive Kontakte zu Partnereinrichtungen in Spanien, Italien, Dänemark und den Niederlanden.
In dieses bunte europäische Mosaik reiht sich auch eine besondere wissenschaftliche Kooperation des Ernestinums ein: Regelmäßig reist eine Schülerdelegation der Deutschen Schule Prag aus Tschechien nach Celle, um sich in der Alten Exerzierhalle beim „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb mit den hiesigen Nachwuchsforschern zu messen – eine von vielen grenzüberschreitenden Verbindungen, die auch im Frühjahr 2026 wieder für hochkarätigen Austausch sorgte.
Was bleibt? Ein tschechisch-deutsches Erfolgsmodell
Kritiker fragen bei internationalen Projekten oft: Ist das mehr als nur eine schöne Klassenfahrt? Die Antwort lautet ja – und das beste Beispiel dafür liegt im Archiv der Oberschule Westercelle.
Im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Let’s cross the boundaries of primary education together“ arbeiteten Celler Lehrkräfte und Jugendliche von 2017 bis 2019 eng mit der Partnerschule Základní škola im tschechischen Most zusammen. Ziel war es, den Physikunterricht über Ländergrenzen hinweg digitaler und bilingualer zu gestalten. Herzstück war das von den Jugendlichen gemeinsam entwickelte Wissenschaftsmagazin „Kids-News“.
Wie tief die Spuren sind, die dieses Projekt hinterlassen hat, zeigte sich Jahre nach dem eigentlichen Austausch: Im Jahr 2022 wurde die tschechische Partnerschule für die gemeinsam mit den Westercellern erarbeiteten Unterrichtskonzepte von der Europäischen Kommission in Brüssel mit dem renommierten European Innovative Teaching Award (EITA) ausgezeichnet.
Nachhaltigkeit als Schlüssel
Es sind genau diese langfristigen Erfolge, die zeigen, warum sich der Aufwand internationaler Schulkooperationen lohnt. Ob beim lebendigen, aktuellen Austausch in Hermannsburg, beim handfesten Support für Projekte in Bangladesch oder bei den nachhaltig etablierten Lernmethoden aus der tschechischen Partnerschaft: Die Celler Schullandschaft beweist am diesjährigen Europatag, dass globales Denken und lokales Handeln hier längst zu einer untrennbaren, erfolgreichen Einheit zusammengewachsen sind.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
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