Samstag, 18. Juli 2026

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Vom „Ehrenlöffel“ bis zum „Vogelstechen“ – die Celler Schützen feiern Doppeljubiläum

Als ausgezeichnete Gastgeber mit einem glücklichen Händchen für Festgestaltung präsentierten sich am Samstagnachmittag und -abend die Celler Schützen, allen voran Harald Rösler, Thomas Kersting und Norbert Schüpp. Es galt ein Doppeljubiläum zu begehen, das, gemessen an der jahrhundertealten Schützentradition insgesamt, mit relativ niedrigen Zahlen aufwartet: Seit 50 Jahren schmückt sich Celle mit einem Schützenmuseum, das seit 20 Jahren von einer Stiftung getragen wird.

Es lag in der Natur der Sache, dass die ordensgeschmückten Grünröcke die Theo-Wilkens-Halle dominierten, aber auch etliche „Zivilisten“ waren in den Reihen des Publikums zu entdecken, darunter Landrat Axel Flader, Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, der Vorsitzende des Kreissportbundes Hartmut Ostermann, Museumsdirektor Stefan Daberkow und nicht zuletzt die Vorsitzenden der Fraktionen im Celler Stadtrat. Das gesellige Beisammensein stand im Vordergrund, für die musikalischen Intermezzi sorgte die „BlechBande“, die Redner des Festaktes fassten sich kurz, umso mehr verfingen prägnante Statements. „‘Schützen‘“ kommt von ‚schützen‘“, sagte beispielsweise der Präsident des Niedersächsischen Sportschützenverbandes, Stefan Kiesewetter, es gelte, die guten Werte zu schützen und aufzupassen, dass sich Schlechtes nicht wiederhole. Aufhorchen ließ eine Aussage der stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden, Brigitte Friedrich, hinsichtlich des Schützenmuseums: „Man munkelt das einzige in Europa“, betonte sie und fügte hinzu: „Die Besucherzahlen steigen.“ Im August 2024 zog es um von der Altstadt in einen Neubau auf der Allerinsel. Das Lob und der Dank für die enge Begleitung des Projekts durch das Neue Rathaus zog sich wie ein roter Faden durch die Ansprachen der offiziellen Celler Schützen-Vertreter. Dem Verwaltungschef sind die vielen Ortstermine angenehm in Erinnerung geblieben. Betrete man heute das Haus der Geschichte, blicke man in die Vergangenheit der Stadt aus Schützenperspektive. „Was geschaffen wurde, muss erhalten bleiben, aber auch die Weiterentwicklung ist super gelungen“, sagte Jörg Nigge. Mit dem Schützenwesen verbinden sich für ihn in erster Linie die Begriffe Tradition, Heimatliebe und Werte.

Eine Besonderheit stellt die Galerie der Könige dar, seit 1901 wird jeder Hauptkönig in einem Portrait verewigt. Es war ein Highlight des Festaktes, als Harald Rösler als Stiftungsvorsitzender nach seiner Rede noch einmal ans Mikrofon trat und mitteilte, diese sei mittlerweile schon überholt, es fehlten nicht mehr drei Portraits, wie gerade ausgeführt. Was war passiert? Sehr kurzfristig hatte eine gebürtige Cellerin und mittlerweile in Berlin lebende Bibliothekarin ein bisher als verschollen geltendes Gemälde an den Ort seiner Entstehung zurückgebracht: „Das hing noch vor ein paar Wochen in meinem Wohnzimmer“, erläuterte Dagmar Zimbehl, die Urenkelin des im Jahr 1872 geborenen Dietrich Wiedenroth, der mit dem knallig-roten Farbakzent einer Nelke am Gewehr auf Leinwand verewigt wurde. Dagmar Zimbehl ist in der Schuhstraße 25 aufgewachsen, das Bild war Teil ihrer Umgebung von Kindesbeinen an, sie nahm es mit, als sie aufbrach in die Welt. Immer hatte sie Platz, „doch nun habe ich mich verkleinert, musste mich von vielem trennen“, berichtet sie. Kurzerhand schrieb sie die Celler Schützen an, ohne zu ahnen, welche Freude sie ihnen bereiten würde mit der Rückgabe, die die Galerie fast vervollständigt.

Zahlreiche Gäste gehen auf ihrem Weg in die Schießhalle an dem Exponat vorbei, schauen es sich genau an, bevor das „Vogelstechen“ auf sie wartet. Vom Ursprung her handelt es sich um eine Kinderbelustigung aus den Zeiten, als es die üblichen Vergnügungen der heutigen Schützenfeste für den Nachwuchs noch nicht gab. „Die besten Fünf erhalten einen ‚Silberlöffel von Celle‘“, kündigte der stellvertretende Stiftungsvorsitzende Thomas Kersting gegen Ende des sehr kurzweiligen offiziellen Teils an. „Schützen, Löffel und Ehrengalerie, das gehört zusammen“, resümierte Hauptschaffer Norbert Schüpp.

In zwei Jahren wird hiervon und von vielen anderen Begebenheiten des Celler Schützenwesens wieder die Rede sein, denn im Jahr 2028 feiert dieses 600-jähriges Bestehen.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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