Sonntag, 14. Juni 2026

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Diskret und niederschwellig – Bus-Aufkleber „NEIN zu häuslicher Gewalt!“

An dieser Idee ist nichts reißerisch und aufdringlich, klein, fein und prägnant kommt sie daher – und widmet sich doch einem ernsten Thema – häusliche Gewalt. Es war die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Celle Evelyn Hollmann, die den Einfall hatte, aber dies allein genügt nicht. Es braucht Unterstützer, und dieser fand sich in der CeBus. „Wir haben sofort zugesagt“, antwortet einer der beiden Geschäftsführer des Celler Verkehrsunternehmens CeBus, Stefan Koschick anlässlich der Aktionsvorstellung mit Landrat Axel Flader, Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge und dem Leiter der Celler Polizeiinspektion Frank Freienberg. Geschäftsführer Koschick lehnt es ab, sich neben einem dieser kleinen Aufkleber „NEIN zu häuslicher Gewalt!“ in einem Bus fotografieren zu lassen. „Das ist Sache von Frau Hollmann, wir sind hier nur Ausführende“, begründet er seine Haltung.

Die gesamte Busflotte des Personennahverkehrs wird dauerhaft bestückt mit den Mini-Aufklebern, die ein großes Bündel an Informationen zum Thema häusliche Gewalt bereithalten. „Sämtliche Hilfsangebote finden sich hier“, erläutert Hollmann, „gleichzeitig sind sie aber diskret und niederschwellig. Bewusst haben wir auf Großformatiges verzichtet“. Wer betroffen sei, wolle in der Regel nicht erkannt werden, beispielsweise durch das Scannen eines entsprechenden QR-Codes auf einer großflächigen Anzeige. Die Aufkleber erfordern lediglich einen diskreten Handy-Klick. 3.000 Stück hat die Gleichstellungsbeauftragte bestellt, 10 bis 12 werden in jedem Bus mahnen und laut Hollmann auch eine Botschaft des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt beim Landkreis Celle vermitteln: „Wir gucken uns das nicht im Stillen an. Du bist nicht allein!“ Hilfsangebote müssten stetig, auch vor dem Hintergrund der Dynamik in den sozialen Medien, angepasst werden.

Alle Mitglieder des Runden Tisches sind gekommen, um das neue Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er wurde im Jahr 2002 auf Initiative der Celler Polizei ins Leben gerufen, Vertreterinnen des Frauenhauses, der Justiz, des Kinderschutzbundes, des Weißen Rings und zahlreicher anderer Institutionen treffen sich viermal jährlich. Mark Wittenberg arbeitet für die Stiftung Linerhaus mit, seit vielen Jahren findet unter ihrem Dach das Celler Interventionsprojekt, kurz CIP, statt, das Männern, die in Partnerschaft oder Familie gewalttätig geworden sind, Hilfe in Form von langen und intensiven Trainingskursen anbietet. Auf die Frage, ob es nicht frustrierend sei, dass statistisch die häusliche Gewalt trotz Runder Tische und anderer Maßnahmen stetig zunehme, antwortet er: „Die Sensibilität für das Thema ist gestiegen, die Frauen trauen sich eher, anzurufen, das Bewusstsein für dieses Problemfeld ist größer geworden.“ Wie beurteilt er die „Aufkleber-Aktion“? „Das ist eine gute Sache, die Leute sind heute so geschickt mit dem Handy. Ich sehe darin eine Chance.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse 
Fotos: Anke Schlicht

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