Donnerstag, 16. Juli 2026

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Eschede gegen Höfer: Streit um Kita-Schließung eskaliert

Die drohende Schließung der Kita „Villa Kunterbunt“ entwickelt sich in Höfer zunehmend zu einem politischen und emotionalen Konflikt zwischen Ortsrat, Verwaltung und Teilen der Bevölkerung. In einer teils hitzigen Sitzung sprach sich der Ortsrat am Dienstag einstimmig gegen eine Schließung der Einrichtung aus. Gleichzeitig wurden erneut schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde Eschede laut. Viele Beteiligte fühlten sich überrumpelt und beklagten, dass ernsthafte Alternativen zum Erhalt des Standortes nie ausreichend geprüft worden seien.

Angespannte Stimmung gleich zu Beginn

Bereits bei der Eröffnung der Sitzung durch Ortsbürgermeister Kai Trumann (CDU) war die angespannte Stimmung spürbar. Bürgermeister Heinrich Lange stellte sich den Fragen des Ortsrates und versuchte, die Position der Gemeindeverwaltung zu erläutern. Dabei wurde jedoch schnell deutlich, wie tief die Gräben inzwischen verlaufen.

Streit um Zahlen und Einsparungen

Im Mittelpunkt der Kritik standen vor allem die wechselnden Berechnungen zu möglichen Einsparungen durch eine Schließung der Kita-Außenstelle in Höfer. Ortsratsmitglied Michael Bartels (WG) kritisierte, dass dem Ortsrat mehrfach unterschiedliche Zahlen vorgelegt worden seien. Zunächst sei von einer Einsparung in Höhe von rund 161.960 Euro gesprochen worden. Inzwischen lägen neue Berechnungen vor. Danach würden bei einer vollständigen Schließung der Kita Einsparungen von 90.413,15 Euro entstehen. Eine alternative Variante mit Erhalt des Standortes und gleichzeitiger Schließung einer Gruppe am Osterberg würde dagegen noch ein Einsparpotenzial von 41.926,74 Euro ergeben.

Bartels bemängelte, dass wichtige Unterlagen und Berechnungsgrundlagen dem Ortsrat nicht vollständig vorgelegen hätten. Zudem seien mögliche Einsparungen an anderer Stelle nie ernsthaft geprüft worden. Als Beispiel nannte er die Verpflegungskosten. Während im Eschennest ein externer Anbieter das Essen liefere, werde am Osterberg selbst gekocht. Auch dadurch hätten sich aus seiner Sicht Einsparpotenziale ergeben. „Der Wille zum Erhalt war überhaupt nicht zu erkennen“, machte Bartels deutlich.

Verwaltung verweist auf Demografie und leere Plätze

Bürgermeister Heinrich Lange verwies dagegen auf die angespannte finanzielle Lage der Gemeinde und den demografischen Wandel. Die Geburtenzahlen hätten sich in der Gemeinde nahezu halbiert. Gleichzeitig seien in den großen Kindertagesstätten in Eschede weiterhin Plätze frei. In Höfer seien derzeit lediglich fünf Kinder angemeldet.

Diese Argumentation stieß im Ortsrat auf deutlichen Widerspruch. Ortsratsmitglied Sonja Bleiber (WG) sprach sich grundsätzlich für kleinere Gruppen in der gesamten Gemeinde aus. Kleinere Einrichtungen würden den Kindern zugutekommen und eine intensivere Betreuung ermöglichen.

Vorwurf der Zentralisierung auf Eschede

Noch deutlicher wurde Hans-Joachim Borck (WG). Er kritisierte eine zunehmende Zentralisierung auf den Kernort Eschede. Höfer sei nach Eschede selbst der größte Ort der Gemeinde mit rund 900 Einwohnern. Trotzdem konzentrierten sich große Investitionen immer wieder auf Eschede. Borck verwies dabei unter anderem auf das neue Rathaus, den Glockenkolk und das Eschenhuus. Für Höfer fehle dagegen zunehmend die Daseinsvorsorge.

Auch Michael Teske (BÜFE) sprach sich gegen die Schließung aus. Die Gemeinde müsse sich eine wohnortnahe Betreuung leisten können. Freie Plätze in Eschede würden ebenfalls subventioniert. „Dann muss es uns das auch wert sein“, sagte Teske.

Bürger diskutieren emotional über Zukunft der Kita

Während der Sitzungsunterbrechung meldeten sich auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Die Diskussion wurde emotional geführt und erinnerte zeitweise an ein gemeinsames Brainstorming zur Rettung des Standortes. Kritisiert wurden unter anderem unattraktive Öffnungszeiten sowie die Tatsache, dass Anmeldungen für Höfer kaum noch möglich gewesen seien. Mehrfach wurde auch der Vorwurf laut, der Träger habe die Entwicklung bewusst in Richtung Schließung laufen lassen.

Besonders belastend ist für viele Familien die unklare Situation mit Blick auf das kommende Kita-Jahr ab dem 1. August 2026. Durch den aktuellen Schwebezustand könnten neue Anmeldungen praktisch kaum noch zustande kommen.

Sorge um ein besonderes Betreuungskonzept

Dabei gilt die Einrichtung für viele im Ort als besonderes Konzept. Die Kita arbeitet mit nur einer Gruppe, nutzt regelmäßig den Ort, landwirtschaftliche Höfe, Waldtage und den eigenen Garten in die Betreuung ein. Viele Eltern und Ortsratsmitglieder sehen darin ein pädagogisches Angebot, das mit einer Schließung verloren gehen würde.

Hinzu kommt die Sorge um die langfristigen Folgen. Das Gebäude der Kita hatte rund 1,2 Millionen Euro gekostet. Mit einer Schließung würde auch die Betriebserlaubnis entfallen. Eine neue Kita im Ort erscheint damit auf lange Sicht unwahrscheinlich.

Kritik am zeitlichen Ablauf

Der Ortsrat kritisierte zudem den zeitlichen Ablauf des gesamten Verfahrens. Die Probleme in Höfer seien seit mehreren Kuratoriumssitzungen bekannt gewesen. Schon seit längerer Zeit habe es Hinweise auf eine mögliche Schließung gegeben. Offiziell informiert worden sei der Ortsrat jedoch erst nach Ablauf der Anmeldefrist Ende April – und zunächst lediglich im Zusammenhang mit einer Änderung der Öffnungszeiten.

Viele alternative Ideen könnten nun unter dem enormen Zeitdruck kaum noch seriös geprüft werden. Die Verwaltung dränge angesichts der Haushaltslage auf eine schnelle Entscheidung. Gleichzeitig müssten Eltern zeitnah Planungssicherheit erhalten.

In der Sitzung wurde mehrfach der Eindruck geäußert, dass die politische Entscheidung faktisch bereits vorbereitet sei. Zwar werde offiziell betont, dass letztlich der Gemeinderat entscheide. Aus Sicht vieler Beteiligter habe die Verwaltung jedoch mit den vorgelegten Zahlen und dem engen Zeitfenster die Richtung bereits klar vorgegeben.

Einstimmiger Beschluss gegen Schließung

Am Ende sprach sich der Ortsrat einstimmig gegen eine Schließung der Kita aus. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Rat der Gemeinde Eschede.

Danach reagierte der Ortsrat mit einem weiteren Vorstoß. Mit einem Antrag an den Verwaltungsausschuss soll nun zumindest geprüft werden, ob im Dorfzentrum Höfer eine altersübergreifende Betreuung für Grundschul- und Kindergartenkinder eingerichtet werden kann.

Entscheidung fällt Anfang Juni

Die Stimmung zwischen Höfer und der Gemeinde Eschede gilt inzwischen als deutlich belastet. Mehrfach wurde während der Sitzung betont, dass im Ort zwar weiterhin Zusammenhalt herrsche – ähnlich wie beim Engagement rund um das Freibad. Gleichzeitig sei jedoch weiteres Vertrauen verloren gegangen.

Die endgültige Entscheidung über die Zukunft der Kita „Villa Kunterbunt“ soll in der Sitzung des Rates der Gemeinde Eschede am 4. Juni fallen.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse