Freitag, 17. Juli 2026

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Eins mit der Natur – Jürgen Kühl mit Umweltschutzpreis geehrt

„Altersbescheinigungen“ nennt es Jürgen Kühl augenzwinkernd, wenn er ausgezeichnet wird, so z.B. als ihn der damalige niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil für 30 Jahre ehrenamtliches Engagement ehrte. „Nun gut – dann ist das heute Ihre zweite“, greift Landrat Axel Flader die Anekdote in seiner Laudatio in der gestrigen Kreistagssitzung auf. Alle zwei Jahre vergibt der Landkreis den „Preis für besondere und herausragende Verdienste um das Gemeinwohl in den Bereichen Kultur, Umwelt oder soziales Engagement“.

In diesem Jahr wird die mit 2.000 Euro dotierte Ehrung dem langjährigen Kreisnaturschutzbeauftragten Jürgen Kühl zuteil. Wenn es um Belange der Natur geht, dann fällt dieser Name oft, und immer schwingt so etwas Ehrfurcht und hohe Anerkennung mit, wenn seine Expertise eingeholt werden soll. Der 69-jährige ausgebildete Revierförster ist eins mit der Natur. In seiner Dankesrede zeigt er einige Fotos seiner Projekte, allen voran die Renaturierung des Becklinger Moores, die Pflege des Naturschutzgebietes Meißendorfer Teiche und des Heidebachs Lutter. Wenn er berichtet, scheint es, dass all diese Orte, an denen es etwas zu tun gibt für die Bewahrung unserer Umwelt, sein Zuhause sind. Jürgen Kühl gehört zu der Gruppe von Menschen, „deren Wissen um die Natur in keinem Lehrbuch steht, weil es sich nur auf eine Art erwerben lässt: durch unzählige Stunden draußen, durch genaues Hinsehen“, heißt es in der Laudatio. Er steckt tief drin in den Themen, widmet sich ihnen mit Leidenschaft, aber auch mit kühlem Kopf. Als die Ausweisung von Flächen für Solaranlagen begann, lautete seine spontane fachliche Einschätzung: „Man sollte zunächst alle Dächer für Photovoltaikanlagen nutzen. Bei hochwertigen Ackerflächen bin ich sehr zurückhaltend: Das ist völlig daneben“.

Axel Flader legt in seiner Laudatio einen Aspekt offen, der den Ursprung für Jürgen Kühls Engagement deutlich macht. Schon früh stand für den gebürtigen Hamburger fest, dass er gerne Förster werden würde. Ein Praktikum führte ihn im Jahr 1975 ins Forstamt Unterlüß – ausgerechnet zur Zeit der großen Waldbrandkatastrophe. „Diese Zeit hat Sie, so haben Sie einmal gesagt, geprägt. Eine Prägung durch das Erleben von Zerstörung und Vergänglichkeit ist vielleicht der Ursprung jener tiefen Entschlossenheit, die Ihre gesamte ehrenamtliche Arbeit bis heute auszeichnet“, führte der Landrat aus. Im Jahr 1993 wurde Jürgen Kühl zum Kreisnaturschutzbeauftragten im Landkreis Celle ernannt, noch ein Jahr wird er die Aufgabe schultern, 2027, wenn er 70 Jahre alt wird, ist Schluss.

Er verlässt die Bühne, könnte man sagen, wenn er denn je eine gebraucht hätte. Der Landrat würdigt Jürgen Kühl mit vielen aussagekräftigen Worten, der Eingangssatz der Laudatio gehört zu den schönsten: „Es gibt Menschen, die Gutes tun – und dafür sorgen, dass man es weiß. Und es gibt Menschen, die Gutes tun – still, beharrlich, über Jahrzehnte, ohne je eine Bühne gesucht zu haben.“ Zur zweiten Gruppe gehört der diesjährige Träger des Umweltschutzpreises 2026 Jürgen Kühl.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht

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