Celler Kulturpolitik kritisch betrachtet
Die Mischung der Teilnehmenden im atelier 22 war bunt: Von der Celler Rockmusik Initiative (CRI) über den Museumsverein bis zu Engagierten im Bereich Partnerstädte waren anlässlich des Dialogs zum Thema „Kunst und Kultur“ etliche Interessierte vertreten. Angekündigt hatte sich Karin Abenhausen in ihrer Eigenschaft als Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt.
Sie wollte mit Cellern ins Gespräch kommen, und das funktionierte: „Kunst und Kultur lebt vom Ehrenamt, das muss wertgeschätzt werden, und es wird in dem Moment schwierig, wenn die Stadt auf einmal mit eigenen Konzepten daherkommt“, warf Georgia Langhans unter Anspielung auf die Vorgänge rund um den „Freiraum“ vor einigen Monaten in den Raum, als u.a. aufgrund einer missverständlichen Pressemitteilung der Verwaltung der Eindruck entstanden war, die Stadt wolle den freien Kunstraum in der Schuhstraße in Eigenregie betreiben.
„Auf der Stadtwebsite spielt Kunst und Kultur überhaupt keine Rolle, dort müssten alle Initiativen gelistet sein“, merkte ein Gast an. „Es muss einen Veranstaltungskalender von Seiten der Stadt geben“, bestätigte der frühere Vorsitzende des Vereins Celler Stadtfest und Mitglied der CRI Wolfgang Reichert. „Wir haben einen guten Draht zur Stadt, es soll kein falscher Eindruck entstehen, aber es gibt einen Mangel an Kommunikation auf Augenhöhe“, merkte der Celler an. Er höre immer wieder, dass die Menschen davon ausgingen, das Celler Stadtfest würde vom Neuen Rathaus bezahlt. Dem ist nicht so, und auch organisatorisch liegt die Arbeit beim Verein. Der Vorsitzende der CRI, Alexander Knoche, brachte den Brandplatz ins Spiel, der vor einigen Jahren grundsaniert wurde: „Bei der Eröffnung wurde gesagt, es gebe Kulturvielfalt, jetzt stehen da überall Tische.“ Jürgen Henke vom atelier 22 sieht eine Diskrepanz in der Finanzierung von Projekten. Für die Kultur stünden im Jahr 30.000 Euro zur Verfügung, für einmalige Events würden jedoch Beträge in sechsstelliger Höhe ausgegeben. Zudem würde unter Kunst und Kultur etwas verkauft, das eigentlich dem Stadtmarketing zuzurechnen sei.
Auch die Pflege der zahlreichen Partnerstädte kommt einigen Cellerinnen zu kurz, der Fokus liege derzeit auf der neuen brasilianischen Partnerstadt und auf Sumy in der Ukraine. Bei allen anderen gäbe es Luft nach oben, so auch bei der ältesten Partnergemeinde Meudon, betonte eine Vertreterin des Deutsch-Französischen Freundeskreises.
Der Zweite Vorsitzende des ateliers 22, Eric Schaper, sprach auf die jüngst verabschiedete Kulturförderrichtlinie an: „Vielleicht wäre eine Vorerhebung, wie viel Geld ungefähr für das kulturelle Grundrauschen einer Stadt benötigt wird, sinnvoll gewesen.“ Hintergrund: Schaper hatte erst jetzt Fördergelder für das laufende Jahr beantragt: Am Tag des Kulturgesprächs erhielt er die Antwort: „Da wir nun bereits Juli haben, uns die meisten Anträge aber im letzten Quartal des jeweiligen Vorjahres erreichen, sind die Mittel für 2026 leider bereits erschöpft.“ Auf der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung hatte es noch geheißen, alle Antragsteller könnten bedient werden.
Ein weiterer Beleg für einen Eindruck, den die rund 30 Gäste des Dialogs teilen und den eine Teilnehmerin formulierte: „Kultur und Kunst laufen so nebenher, sie haben keinen Wert in dieser Stadt.“
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
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