Montag, 17. August 2026

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Pistorius besucht Ausbildungszentrum in Celle: Fokus auf moderne Ausbildung und Luftbeweglichkeit

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am Donnerstag das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit in Celle-Wietzenbruch besucht. Anlass war das zehnjährige Bestehen der zentralen Ausbildungseinrichtung des Heeres, die seit 2016 Soldatinnen und Soldaten für luftbewegliche Operationen ausbildet. Im Mittelpunkt des Besuchs standen Einblicke in moderne Ausbildungsverfahren, Gespräche mit Angehörigen des Standorts sowie ein Ausblick auf die weitere Entwicklung der Bundeswehr.

Zum Auftakt wurde Pistorius vom Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit, Oberst Sönke Schmuck, begrüßt. Nach einem Informationsgespräch erhielt der Minister einen Einblick in die Arbeit der Einrichtung, die als zentrale Ausbildungsstätte des Heeres nationale und internationale Kräfte auf Einsätze mit Hubschraubern und anderen Luftfahrzeugen vorbereitet. Hauptnutzer ist die Division Schnelle Kräfte. Regelmäßig trainieren in Celle aber auch Angehörige der Luftwaffe, der Marine sowie der Jäger- und Gebirgsjägerverbände. Darüber hinaus werden am NATO-zertifizierten Standort auch Soldatinnen und Soldaten aus Partnerstaaten, darunter den Niederlanden, ausgebildet.

Im Rahmen des Besuchs verfolgte Pistorius zunächst eine praktische Vorführung am Transporthubschrauber NH90. Gezeigt wurden Beladungstraining sowie das geordnete Auf- und Absitzen von Soldatinnen und Soldaten. Die Ausbildung beginnt dabei zunächst an sogenannten Mock-ups – detailgetreuen Nachbildungen der Luftfahrzeuge –, bevor sie in Simulatoren und später unter realen Bedingungen auf dem Übungsgelände fortgesetzt wird. Zum Ausbildungsportfolio gehören unter anderem der NH90, der Transporthubschrauber CH-53 sowie weitere Systeme wie der Wiesel.

Im Anschluss erhielt der Minister einen Einblick in die simulationsgestützte Ausbildung. Im sogenannten „Virtual Battle Space 4“ werden komplexe Einsatzlagen realitätsnah dargestellt und taktische Abläufe trainiert. Das Ausbildungskonzept in Celle verbindet virtuelle Simulationen, Planübungen, Handlungstraining und praktische Übungen im Gelände. Nach Angaben des Ausbildungszentrums finden jährlich rund 20 Übungsdurchgänge statt, die jeweils mit zwei- bis dreitägigen Gefechtsübungen abgeschlossen werden.

Ein weiterer Programmpunkt war eine Gesprächsrunde mit rund 40 Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Standorts. Dabei informierte sich der Minister über Erfahrungen aus dem Ausbildungsalltag sowie aktuelle Herausforderungen.

In seinem anschließenden Pressestatement hob Pistorius insbesondere die Bedeutung moderner Ausbildungsmethoden hervor. Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage müsse die Bundeswehr in der Lage sein, Verlegungen und Einsätze schnell und sicher vorzubereiten und durchzuführen. Einen besonderen Eindruck habe bei ihm die virtuelle taktische Simulation hinterlassen.

„Nicht alles, was man können muss, kann im physischen Übungsbetrieb trainiert werden“, sagte der Minister. Umso wichtiger sei eine realitätsnahe Simulation, die unabhängig von Wetter und Tageszeit durchgeführt werden könne. Sie ermögliche es, Verfahren unter unterschiedlichen Bedingungen zu trainieren und gleichzeitig Ressourcen effizient einzusetzen.

Auch der Einsatz unbemannter Systeme gehöre inzwischen selbstverständlich zur Ausbildung. Der Umgang mit Drohnen unterschiedlicher Größen werde mittlerweile in allen Ausbildungseinheiten der Bundeswehr vermittelt und müsse auch bei luftbeweglichen Operationen berücksichtigt werden.

Pistorius betonte zudem die Rolle des Ausbildungs- und Übungszentrums für die Einsatzbereitschaft des Heeres. Die Einrichtung vereine mehrere Aufgaben gleichzeitig – von der Ausbildung luftbeweglicher Kräfte über die Heimatschutzausbildung bis hin zum Betrieb des militärischen Flugplatzes. Dafür seien gut ausgebildete Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Beschäftigte notwendig.

Als Herausforderung bezeichnete der Minister den weiterhin bestehenden Bedarf an Flugverkehrs- und Kontrolloffizieren. Gleichzeitig lobte er die Bereitschaft der Angehörigen des Standorts, pragmatische Lösungen zu entwickeln und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Auch die stärkere Einbindung von Reservistinnen und Reservisten vor dem Hintergrund des geplanten Reserveverstärkungsgesetzes bewertete Pistorius positiv.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung der Bundeswehr verwies der Verteidigungsminister auf mehrere Vorhaben, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Dazu zählen das Wehrdienstgesetz, das sich derzeit im parlamentarischen Verfahren befindet, das Infrastrukturbeschleunigungsgesetz sowie die Reservestrategie. Zudem seien erstmals eine Militärstrategie und ein Fähigkeitsprofil für die Bundeswehr erarbeitet worden.

Ein Schwerpunkt werde weiterhin auf der Modernisierung der Beschaffung liegen. Geplant seien unter anderem ein weiteres Innovationszentrum der Bundeswehr in Kiel sowie zusätzliche Standorte des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Nord- und Ostdeutschland. Gleichzeitig sollen die Strukturen des Beschaffungsamtes zu einer Matrixorganisation weiterentwickelt werden.

Zum Abschluss dankte Pistorius den Soldatinnen und Soldaten sowie den zivilen Beschäftigten des Ausbildungs- und Übungszentrums für ihre Arbeit. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und zur Bündnisfähigkeit Deutschlands. Themen wie „Host Nation Support“, Deutschland als logistische Drehscheibe und „Military Mobility“ würden in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit wurde 2016 als zentrale Ausbildungseinrichtung des Heeres eingerichtet. Es bildet Verbände und Einheiten für das gesamte Spektrum luftbeweglicher Operationen aus – von Luftlandeoperationen über luftmechanisierte Einsätze bis hin zum militärischen Lufttransport. Mit seinem eigenen Flugplatz und modernen Simulationsanlagen gilt der Standort Celle als wichtiger Baustein für die Ausbildung und Vorbereitung nationaler sowie internationaler Streitkräfte.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse