Freitag, 7. August 2026

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Kirschenmann: „Kritische Infrastruktur bisher weitgehend ungeschützt“

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle fordert die IHK Lüneburg-Wolfsburg bessere Vorkehrungen zum Schutz kritischer Infrastruktur. In einem gemeinsamen Seminar mit dem Leuphana Center for Cooperative Security erfahren Unternehmen, wie sie sich systematisch auf Krisen und Störungen vorbereiten.

Der Fund einer mutmaßlich mit Sprengstoff präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle führt vor Augen, wie verwundbar kritische Infrastruktur und wirtschaftlich bedeutende Verkehrsknotenpunkte sind. Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) bekräftigt deshalb die gemeinsame Position der IHK-Organisation: Bund und Länder brauchen ein abgestimmtes Sicherheitskonzept, das analoge und digitale Bedrohungen zusammen betrachtet, Zuständigkeiten eindeutig regelt und die verantwortlichen Stellen mit ausreichend Personal und Technik ausstattet.

„Der Vorfall in Leipzig ist ein ernstes Warnsignal, aber leider keine Überraschung. Die Risiken durch Drohnenüberflüge, Sabotage und andere hybride Bedrohungen sind seit Langem bekannt. Bisher sind die notwendigen Schutzmaßnahmen nicht getroffen worden. Jetzt müssen aus den Vorfällen Konsequenzen abgeleitet werden.  Die Bedrohung ist real und wir sehen hier quasi nur die Spitze des Eisbergs. Bund und Länder müssen Zuständigkeiten eindeutig regeln und dafür sorgen, dass für Prävention, Erkennung und Gefahrenabwehr das notwendige Personal, die Technik und eingeübte Abläufe vorhanden sind“, sagt IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann.

Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung entdeckten Beschäftigte des Flughafens in der Nacht zum 5. August eine mutmaßlich mit Sprengstoff und einem Zünder präparierte Drohne in der Nähe mehrerer Transportflugzeuge. Wer dafür verantwortlich ist und wie die Drohne auf das Gelände gelangte, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht geklärt. Der konkrete Vorfall wird weiterhin untersucht.

Die IHKLW warnt vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen, wenn Energie-, Wasser-, Kommunikations- oder Verkehrsinfrastrukturen ausfallen. Störungen können innerhalb kurzer Zeit Lieferketten unterbrechen, Produktionsprozesse stoppen und ganze Wertschöpfungsnetze beeinträchtigen.

„Die Widerstandsfähigkeit Deutschlands zeigt sich im Krisenfall daran, ob die wesentlichen Funktionen des Landes aufrechterhalten werden können. Unternehmen und Bürger sind auf sichere Energie-, Kommunikations- und Verkehrswege angewiesen. Ihr Schutz ist deshalb nicht nur eine sicherheitspolitische Aufgabe, sondern eine zentrale Voraussetzung für einen stabilen Wirtschaftsstandort“, sagt Kirschenmann.

Neben staatlichen Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur kommt es aus Sicht der IHKLW darauf an, dass sich auch Unternehmen resilienter aufstellen. Sie sollten betriebliche Abhängigkeiten kennen, kritische Prozesse bestimmen, Verantwortlichkeiten festlegen und Notfallabläufe erproben. Mit ihrer Taskforce „Integrierte Sicherheitspolitik in Nordostniedersachsen“ fördert die IHKLW zudem den Austausch zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Sicherheitsorganisationen über kritische Infrastruktur und regionale Krisenvorsorge.

Wie kleine und mittlere Unternehmen ihre Resilienz systematisch stärken können, zeigt das Seminar „Wirtschaftsschutz kompakt: Fahrplan zum krisenfesten KMU“. Die IHKLW bietet es gemeinsam mit dem Leuphana Center for Cooperative Security am Donnerstag, 17. September, 9 bis 16.30 Uhr, im Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg an. Das Seminar richtet sich an Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte sowie Personalverantwortliche. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Cyberangriffe und Sabotage. Auch Naturkatastrophen, unterbrochene Lieferketten, Standort- oder Personalausfälle können den Geschäftsbetrieb gefährden. Die Teilnehmenden untersuchen, welche Menschen, Prozesse, Lieferanten und Infrastrukturen für ihr Unternehmen unverzichtbar sind und wie sich kritische Funktionen bei Störungen aufrechterhalten lassen. Die Teilnahme kostet 350 Euro, Anmeldung unter www.leuphana-gmbh.de/sicherheit.

PR
Foto: IHKLW/Jürgen Müller

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