Samstag, 12. September 2026

✔ unabhängig ✔ überparteilich ❤ kostenfrei

Anzeige

Anzeige

Neues Buch aus der Südheide: Kurzgeschichten aus dem Celler Land und dem Rest der Welt

Eine rote Tür, ein schwarzer Kater und dahinter 26 Kurzgeschichten und Kolumnen: Andreas Meier-Münnich hat mit „Die rote Tür – Kurzgeschichten aus dem Celler Land und dem Rest der Welt“ einen Band vorgelegt, der regionale Schauplätze mit persönlichen Beobachtungen, historischen Stoffen und Ausflügen über die Grenzen der Südheide hinaus verbindet. Enthalten sind auch Texte aus seiner Kolumne „Hermanns letzte Worte“, die seit 2024 im Hermannsburger Journal erscheint.

Der Titel des Buches verweist auf eine Geschichte, die Meier-Münnich selbst als seinen Favoriten innerhalb der Sammlung bezeichnet. Doch bevor die Leser zur „Roten Tür“ gelangen, führt der Autor sie an ganz unterschiedliche Orte und in verschiedene Zeiten. Das Inhaltsverzeichnis reicht von „Rätselhafte Natur“ und „Die Entdeckung Amerikas“ über „Die Not mit der Notdurft“, „E-Mail an Günther Jauch“ und „Der indische Spiegel“ bis zu „Der erste Kuss“, „Von gruseligen Bräuchen“ und „Der Kranich“.

Damit ist bereits die Spannweite des Buches umrissen. Lokale Beobachtungen stehen neben historischen Erzählungen, Alltagserfahrungen neben erfundenen Situationen. Mal geht es um einen Zeitungsredakteur, der auf dem Celler Weinmarkt unvermittelt in eine Ermittlung gerät, mal um einen auf einem Celler Flohmarkt gekauften Spiegel und dessen Folgen. Vier unterschiedliche Menschen warten im Allgemeinen Krankenhaus Celle auf ihre Entlassung, während an anderer Stelle ein Nachtwächter von Begebenheiten aus der Celler Geschichte berichtet.

Auch das Hermannsburger Journal hat seinen festen Platz in dem Band. Seit 2024 schreibt Meier-Münnich dort unter dem Namen „Hermann Burger“ die Kolumne „Hermanns letzte Worte“. Eine dieser Kolumnen trägt den Titel „E-Mail an Günther Jauch“. Darin nimmt der fiktive Hermann Burger die zunehmend digitale Organisation des Alltags aufs Korn: Medikamente werden über das Internet bestellt, Essen soll aus großer Entfernung geliefert werden – und am Ende geht eine Nachricht an das Weingut des Moderators Günther Jauch. Der Humor entsteht dabei weniger aus einer einzelnen Pointe als aus der konsequenten Weiterführung alltäglicher Entwicklungen.

Vom Werber zum Geschichtenschreiber

Andreas Meier-Münnich, Jahrgang 1951, stammt aus Hamburg. Sein Berufsleben verbrachte er nach eigenen Angaben in unterschiedlichen Funktionen in der Werbung. Stationen seines Lebens waren Göttingen, Wiesbaden und Mainz. Seit 1992 lebt er in der Südheide.

Dass ausgerechnet das Schreiben zu seiner kreativen Beschäftigung wurde, beschreibt er im Vorwort mit Selbstironie. Ein Musikinstrument habe er als Kind nicht gelernt, Malen und Singen lägen ihm ebenfalls nicht, mit Fotoapparaten sei er nie recht warm geworden und handwerkliches Geschick zählt er ebenfalls nicht zu seinen Stärken. Also begann er zu schreiben.

Die älteste Geschichte der vorliegenden Sammlung ist „Die Blätter fallen“. Sie entstand bereits 2006 und erschien zunächst in der Mitarbeiterzeitschrift seines damaligen Arbeitgebers. Zu dieser Zeit war Meier-Münnich gerade in sein Haus auf dem Dorf gezogen und gewöhnte sich an das Leben auf dem Land. Aus diesem Umfeld stammt auch die Geschichte „Rätselhafte Natur“.

Weitere Texte haben einen unmittelbar persönlichen Ausgangspunkt. Eine Begegnung im Jahr 2017 wurde zum Anlass für „Der Kranich“. Meier-Münnich las damals Romane eines japanischen Autors und empfand das tatsächlich Erlebte nach eigener Darstellung beinahe wie eine Szene des Magischen Realismus. Für die literarische Fassung kamen Elemente hinzu, anderes wurde gekürzt.

Auch die Corona-Zeit findet Eingang in den Band. In „Die Not mit der Notdurft“ verarbeitet Meier-Münnich die Lieferengpässe des Jahres 2020 und insbesondere den damaligen Ansturm auf Toilettenpapier. Aus einer kollektiven Alltagserfahrung wird eine persönliche, humorvoll erzählte Erinnerung.

Historische Stoffe führen weit über Celle hinaus

Nicht jede Geschichte bleibt im Celler Land. „Die Entdeckung Amerikas“ führt beispielsweise in das ausgehende 15. Jahrhundert. Christoph Kolumbus, Beatriz Enríquez de Arana und die Reise nach Westen bilden den historischen Hintergrund. Der Text greift bekannte Ereignisse auf und verbindet sie mit einer erzählerischen Perspektive, die Geschichte weniger als Lehrstoff denn als Ausgangspunkt für eine unterhaltsame Erzählung nutzt.

Ähnlich arbeitet Meier-Münnich mit anderen historischen und gesellschaftlichen Themen. Die Sammlung springt bewusst zwischen Jahrhunderten, Ländern und Milieus. Dadurch entsteht kein durchgehender Erzählbogen – und genau das entspricht dem Konzept eines Kurzgeschichtenbandes, dessen Texte unabhängig voneinander gelesen werden können.

Eine besondere Rolle spielt dabei der Wechsel zwischen recherchierten Hintergründen und erfundenen Szenen. Meier-Münnich weist selbst darauf hin, dass etwa hinter „Die rote Tür“ ein dokumentierter, sehr ähnlicher historischer Fall steht. Die Recherche dazu habe ihm besondere Freude bereitet. Entstanden sei die Geschichte – ebenso wie „Der erste Kuss“ – im Rahmen eines Schreibkurses an der Volkshochschule.

Zwischen Dudelsack, Business-Englisch und Günther Jauch

Der Autor sucht seine Themen nicht nur in historischen Büchern. Häufig reicht eine Beobachtung aus dem Alltag. So beschäftigt sich „Englisch für Fortgeschrittene – Made in Germany“ mit Anglizismen in der deutschen Arbeitswelt. Aus „Industriewerbung“ wird „Business-to-Business-Communication“, aus Tätigkeiten und Positionen werden englischsprachige Berufsbezeichnungen. Meier-Münnich beobachtet diese Entwicklung aus der Perspektive eines Menschen, der selbst lange in der Werbung gearbeitet hat.

In „Rätselhafte Natur – Schlaflos in Südheide“ wiederum geht es zunächst um Frösche und die Frage, weshalb diese nachts so ausdauernd zu hören sind. Von dort führt der Text unter anderem zum Dudelsack und zu historischen Bezügen nach Schottland. Typisch für mehrere Geschichten des Bandes ist diese Bewegung vom Alltäglichen zum Unerwarteten: Ein zunächst unscheinbarer Anlass öffnet die Tür zu einem anderen Thema.

Gerade diese kurzen gedanklichen Wege gehören zu den Stärken der Sammlung. Meier-Münnich versucht nicht, aus jedem Gegenstand eine große Botschaft abzuleiten. Häufig genügt ihm die Beobachtung, dass eine alltägliche Situation bei genauerem Hinsehen genügend Stoff für eine Geschichte liefert.

Rezension: Ein Buch, das sich Zeit für seine Geschichten nimmt

„Die rote Tür“ ist kein Buch, das auf einen einzigen Stil oder ein einziges Genre festgelegt werden möchte. Die 26 Texte verbinden Kolumne, Kurzgeschichte, persönliche Erinnerung und historisch inspirierte Erzählung. Entsprechend unterschiedlich fallen Ton und Aufbau aus.

Am überzeugendsten wirkt der Band dort, wo Meier-Münnich von einer konkreten Beobachtung ausgeht und daraus Schritt für Schritt eine Geschichte entwickelt. Seine Texte wollen dabei nicht literarisch rätselhaft sein. Sie sind zugänglich geschrieben und setzen häufig auf einen trockenen, gelegentlich selbstironischen Humor. Wer einzelne Geschichten zwischendurch lesen möchte, findet dafür eine geeignete Form: Die Texte stehen für sich und verlangen keine feste Reihenfolge.

Für Leser aus Celle und der Südheide kommt eine zusätzliche Ebene hinzu. Ortsbezüge, das Hermannsburger Journal, der Celler Weinmarkt oder andere regionale Anknüpfungspunkte sorgen für Wiedererkennung. Gleichzeitig beschränkt sich Meier-Münnich nicht auf Heimatgeschichten. Christoph Kolumbus, englische Sprachmoden, historische Bräuche oder persönliche Reise- und Alltagserfahrungen erweitern den Radius.

Der Band lebt weniger von dramatischen Wendungen als von seinem Blick auf Situationen, die anderen möglicherweise keinen zweiten Gedanken wert wären. Ein Froschkonzert, Toilettenpapier, ein Spiegel vom Flohmarkt oder eine sprachliche Modeerscheinung reichen als Ausgangspunkt. Darin liegt ein wesentlicher Reiz des Buches: Meier-Münnich betrachtet den Alltag als Materiallager für Geschichten.

Dass dabei nicht jeder Text denselben Ton trifft, gehört zur Anlage einer Sammlung, die über einen Zeitraum von rund zwei Jahrzehnten entstanden ist. Gerade dadurch lässt sich auch eine Entwicklung erkennen – von frühen Geschichten aus dem neuen Leben auf dem Land bis zu den jüngeren Kolumnen des „Hermann Burger“.

Auch die Entstehung des Buches selbst wird im Vorwort zum Thema. Andere Teilnehmer eines VHS-Schreibkurses hatten ihre Texte bereits veröffentlicht. Meier-Münnich ließ sich davon anregen und machte sich schließlich selbst an ein Buchprojekt. Dabei stellte er fest, dass nicht nur das Schreiben Arbeit bedeutet: Buchsatz und Korrekturdurchgänge habe er nach eigener Aussage unterschätzt.

Das Ergebnis ist eine persönliche Sammlung, die ihre regionalen Wurzeln nicht versteckt, sich thematisch aber nicht darauf beschränkt. Wer kurze, unkompliziert zugängliche Geschichten mit lokalem Bezug, historischen Abstechern und einem zurückhaltenden Augenzwinkern mag, dürfte in „Die rote Tür“ einiges zum Weiterlesen finden.

Der Untertitel bringt das Konzept deshalb recht genau auf den Punkt: Es sind „Kurzgeschichten aus dem Celler Land und dem Rest der Welt“.

Buchinformation:
Andreas Meier-Münnich: Die rote Tür – Kurzgeschichten aus dem Celler Land und dem Rest der Welt. 26 Kurzgeschichten und Kolumnen, darunter „Hermanns letzte Worte“ aus dem Hermannsburger Journal. ISBN 978-3-565-58634-9.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse

Hinweis zu der Meldung
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.

Anzeige