Ehrung und Themenschwerpunkt anlässlich des 100. Todestages von Wilhelm Bomann
Heimatforscher, Volkskundler, Fabrikant, Ehrenbürger – die Liste zum Wirken von Wilhelm Bomann (1848-1926) ließe sich verlängern. Der Nachwelt ist er in erster Linie bekannt durch das Celler Museum, das seinen Namen trägt. Wer dieser Mann eigentlich war, wissen die wenigsten. Ein Themenschwerpunkt anlässlich seines 100. Todestages am 5. September 2026 soll Abhilfe schaffen und zudem die Celler Persönlichkeit würdigen.
So werden der Museumsverein und die Stadt am Vormittag des 5. September Kränze an seinem Ehrengrab auf dem Stadtfriedhof niederlegen. „Für den Museumsverein ist er eine sehr wichtige Person, denn er gehörte zu dessen Mitbegründern. Im Jahr 1898 übernahm er dessen Vorsitz“, berichtet der aktuelle Vorsitzende Andreas Flick. Ursprünglich gab es nur diesen Zusammenschluss als tragende Säule, seit 1938 ist er neben der Stadt Celle, dem Landkreis sowie der Lüneburger Landschaft des ehemaligen Fürstentums Lüneburg einer der vier Gesellschafter des Celler Bomann-Museums. Dieses wurde 1892 als Vaterländisches Museum gegründet. Der am 4. Januar 1848 als Sohn eines Fabrikbesitzers in Celle geborene Wilhelm Bomann gehörte zu den Initiatoren. Zwischen 1903 und 1905 erfolgte der Neubau des heutigen Hauses, das verschiedene Baustile in sich vereinigt.
Bomann hatte von 1868 bis 1871 sogar in New York gearbeitet, aber es zog ihn zurück in die Heimat, sein Herz schlug nicht für die große Welt, seine Leidenschaft galt der Erkundung seiner näheren Umgebung. „Er war ein Jäger und Sammler, er zog durch die Lande und schwatzte den Leuten Gegenstände ab, die ihm bewahrenswert erschienen“, erzählt Flick. „Mit außergewöhnlichem Engagement widmete er sein Leben der Erforschung, Dokumentation und Bewahrung der ländlichen Kultur des ehemaligen Fürstentums Lüneburg, der Lüneburger Heide sowie des Celler Landes“, schreibt der Museumsverein offiziell über Bomann. „Sein Ziel war es, Zeugnisse des Alltagslebens, der Handwerkskunst und der bäuerlichen Kultur für kommende Generationen zu erhalten.“
Im Jahr 1912 hatte er seine Fabrik aller Arten wollener Garne verkauft und arbeitete ausschließlich für das Projekt Museum, dazu gehörte die Erstellung des Standardwerkes „Bäuerliches Hauswesen und Tagewerk im alten Niedersachsen“, das 2014 in 5. Auflage erschien. Allmählich schärfte sich das Sammlungsprofil, bewegte sich weg vom „Gemischtwarenladen“ hin zu einem Konzept auf wissenschaftlicher Grundlage. Im Mai 1923 gab er die Leitung des Museums aus gesundheitlichen Gründen ab, im gleichen Jahr wurde es als Ausdruck seiner besonderen Verdienste um das Haus nach ihm benannt. Sein Wirken erlangte Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus. Heute zählt das Bomann-Museum zu den wichtigsten kulturhistorischen Institutionen Niedersachsens, das laut dem Direktor der Celler Museen Stefan Daberkow „sich auf Augenhöhe mit den Landesmuseen befindet“.
Am 5. September widmet sich das geschichtsträchtige Haus seinem Namensgeber, der Eintritt ist frei, von 13:30 bis 17:00 Uhr erwartet das Publikum ein abwechslungsreiches Programm, das auch Einblick in Bereiche gewährt, die sonst nicht zugänglich sind. Als Beispiele nennt Museumspädagoge Adrian Schwinge die Provenienzforschung, die Werkstätten und das Depot. „Wir bieten fünf Vorträge sowie Führungen zur Forschung und Arbeit Wilhelm Bomanns“, kündigt Schwinge den vielversprechenden Thementag an.
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht
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