Beachbar an der Pfennigbrücke: Natur schützen statt neue Flächen zu versiegeln
Lars Wegmann, Kandidat der LINKEN für den Celler Stadtrat, kritisiert den Vorschlag für eine Beachbar an der Pfennigbrücke. Statt neue Nutzungen in sensiblen Naturräumen zu schaffen, sollte die Stadt bestehende, bereits bebaute Orte wiederbeleben.
Eine Beachbar an der Pfennigbrücke klingt zunächst nach einer schönen Idee. Doch bei genauerem Hinsehen stellen sich aus Sicht von Lars Wegmann erhebliche Fragen – insbesondere mit Blick auf Natur- und Uferschutz.
„Bei einer Beachbar denke ich zunächst an Sandstrand, Liegestühle und sommerliches Ambiente. Einen Sandstrand gibt es an der Pfennigbrücke allerdings nicht. Vor allem aber halte ich den vorgeschlagenen Standort für ökologisch und planerisch ungeeignet“, so Wegmann, Bauingenieur im öffentlichen Dienst.
Der vorgeschlagene Bereich liegt am Außenbogen der Aller. Dort ist die Strömung stärker, wodurch das Ufer einer höheren Erosionsbelastung ausgesetzt ist. Der vorhandene Bewuchs in der Wasserwechselzone trägt dazu bei, das Ufer zu stabilisieren und einer Verschiebung der Uferlinie entgegenzuwirken. Gleichzeitig bietet die Vegetation Lebens- und Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten und dient ihnen als Nahrungsquelle.
„Wir sollten nicht leichtfertig in funktionierende natürliche Strukturen eingreifen, nur weil sich ein Standort auf den ersten Blick für eine Freizeitnutzung anbietet. Gerade an einem Fluss müssen wir berücksichtigen, welche Funktion die vorhandene Vegetation für den Ufer- und Naturschutz erfüllt“, erklärt Wegmann.
Auch rechtlich ist die räumliche Nähe zum Naturschutzgebiet aus Sicht der LINKEN nicht nebensächlich. Rund 100 Meter östlich der Pfennigbrücke beginnt das Natura-2000-Schutzgebiet „Obere Allerniederung bei Celle“. Für Pläne und Projekte, die ein Natura-2000-Gebiet erheblich beeinträchtigen könnten, gelten besondere Anforderungen an den Schutz der festgelegten Erhaltungsziele. Nach § 34 Bundesnaturschutzgesetz ist vor der Zulassung eines entsprechenden Vorhabens dessen Verträglichkeit mit diesen Erhaltungszielen zu prüfen. Dabei können auch Projekte außerhalb der eigentlichen Schutzgebietsgrenzen relevant sein, wenn von ihnen Auswirkungen auf das Gebiet ausgehen können.
„Die Frage kann deshalb nicht einfach lauten: Liegt die Beachbar innerhalb oder außerhalb des Naturschutzgebietes? Entscheidend ist vielmehr, welche Auswirkungen das Vorhaben auf das angrenzende Natura-2000-Gebiet und seine Erhaltungsziele haben kann“, erklärt Lars Wegmann.
Gerade bei einer gastronomischen Freizeitnutzung mit regelmäßigem Publikumsverkehr, Beleuchtung, Musik und gegebenenfalls weiteren baulichen Anlagen müsse deshalb sorgfältig geprüft werden, welche Auswirkungen auf die angrenzende Allerniederung entstehen können. Das europäische Schutzsystem Natura 2000 verfolgt ausdrücklich das Ziel, Verschlechterungen der geschützten Lebensräume und Habitate zu vermeiden.
„Naturschutz darf nicht erst dann anfangen, wenn der Bagger bereits am Ufer steht. Wenn wir wissen, dass nur rund 100 Meter entfernt ein europäisch geschütztes Gebiet beginnt, müssen wir mögliche Auswirkungen von Anfang an ernst nehmen.“, so Wegmann.
Statt einer Beachbar an der Aller schlägt Wegmann deshalb vor, bestehende Leerstände und geeignete Flächen insbesondere in der Innenstadt stärker in den Blick zu nehmen.
„Wir sollten die Natur Natur sein lassen und gleichzeitig Orte schaffen, an denen Menschen gerne zusammenkommen. Warum nicht die Innenstadt wieder stärker beleben? Dort gibt es bereits Gebäude und Infrastruktur. Das wäre für mich der sinnvollere Weg, als unseren Fußabdruck in der Natur weiter zu vergrößern.“
Darüber hinaus mahnt Wegmann an, kommunalpolitische Debatten nicht losgelöst von den größeren gesellschaftlichen Problemen zu führen.
„Natürlich dürfen wir über eine Beachbar diskutieren. Aber wir sollten uns auch fragen, welche Probleme die Menschen derzeit tatsächlich beschäftigen. Immer mehr Menschen machen sich Sorgen um steigende Wohnkosten, Pflegekosten, eine unzureichende Gesundheitsversorgung oder fehlende Perspektiven für junge Menschen. Eine neue Beachbar in Celle wird diese Probleme nicht lösen.“
Für DIE LINKE müsse Kommunalpolitik deshalb vor allem dort ansetzen, wo sie das Leben der Menschen konkret verbessern könne: bei bezahlbarem Wohnen, guter Infrastruktur, sozialer Teilhabe und einer lebenswerten Innenstadt.
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