Mehr als 250 Menschen protestieren gegen Weidel in Wietze
Der Besuch von AfD-Bundessprecherin Alice Weidel hat am Donnerstagvormittag, 10. September, in Wietze sowohl zahlreiche Besucher als auch mehr als 250 Gegendemonstranten mobilisiert. Während sich vor dem Bürgerhaus eine lange Schlange für das Bürgergespräch mit Weidel bildete und nicht alle Interessierten in den Saal gelangten, versammelten sich draußen Menschen aus verschiedenen Teilen des Landkreises Celle zu einer Gegenkundgebung. Im Saal selbst verfolgten rund 250 Besucher die AfD-Veranstaltung.





Die Gegenkundgebung war vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) angemeldet worden. Zum Protest aufgerufen hatten unter anderem Solidarisches Celle und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit vor dem Bürgerhaus sorgte der „Adenauer SRP+“ des Zentrums für Politische Schönheit. Das Fahrzeug begleitete die Gegenkundgebung in Wietze und war bereits im Vorfeld als besonderer Bestandteil des Protests angekündigt worden.
Die Polizei war mit Einsatzkräften vor Ort und sicherte sowohl das Bürgergespräch als auch die Gegenkundgebung ab. Zwischen den Teilnehmern der unterschiedlichen Veranstaltungen wurden Bereiche freigehalten. Auf Seiten der Gegendemonstration prägten Transparente, Redebeiträge und politische Botschaften das Bild vor dem Bürgerhaus.
Manuela Mast fordert Widerstand gegen AfD-Politik
Zu den Rednerinnen der Gegenkundgebung gehörte Manuela Mast. Sie bedankte sich zunächst bei den Demonstrierenden sowie bei den eingesetzten Polizeikräften. In ihrer Rede griff sie die AfD scharf an und warf ihr vor, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen und mit Feindbildern zu arbeiten.
Mast machte deutlich, dass sie die Demonstration zugleich als Ausdruck der Meinungsfreiheit verstehe. Aus ihrer Sicht dürfe sich gesellschaftlicher Protest gegen die Positionen der AfD nicht daran gewöhnen, dass rechtspopulistische Positionen zunehmend Teil der politischen Auseinandersetzung würden. Ziel müsse es sein, sich weiterhin öffentlich für Demokratie, Menschenrechte und ein solidarisches Zusammenleben einzusetzen.
Einen Schwerpunkt ihrer Rede legte Mast auf die Situation von Frauen und die Migrationspolitik. Dabei erinnerte sie unter anderem an eine Äußerung Weidels aus einer Bundestagsrede von 2018 und kritisierte außerdem Aussagen des AfD-Mitglieds Gerhard-Michael Welter. Mast warf der Partei vor, Straftaten von Migranten für eine pauschale Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen zu nutzen.
Einen weiteren Schwerpunkt legte Mast auf Gewalt gegen Frauen und die Migrationsdebatte. Sie warf der AfD vor, Straftaten von Migranten für eine pauschale Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen zu nutzen. Zugleich argumentierte sie, dass Gewalt gegen Frauen häufig im persönlichen und sozialen Umfeld der Betroffenen stattfinde. Mast forderte, beim Schutz von Frauen nicht nach der Herkunft möglicher Täter zu unterscheiden.
Menschenrechte und Klimaschutz als weitere Themen
Mast weitete ihren Redebeitrag anschließend auf Menschenrechte, soziale Fragen und Klimaschutz aus. Menschenrechte müssten unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Geschlecht oder sexueller Orientierung gelten, sagte sie. Das schließe auch Geflüchtete und Menschen an den europäischen Außengrenzen ein.
Darüber hinaus forderte sie eine verfassungsrechtliche Prüfung eines möglichen AfD-Verbots. Als Vorbilder für anhaltenden gesellschaftlichen Protest nannte sie unter anderem Christopher-Street-Day-Veranstaltungen, die Klimabewegung und die Frauenbewegung.
Auch der Klimaschutz nahm einen längeren Teil ihrer Rede ein. Mast warb für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und verband die Frage mit steigenden Lebenshaltungskosten sowie der langfristigen Energieversorgung. Zugleich rief sie dazu auf, das Engagement für Frauen, Geflüchtete und Klimaschutz fortzusetzen.
Pastor Lars Röser-Israel: „Rechtsextremisten sind keine Alternative“
Mit Lars Röser-Israel, Pastor der evangelischen Kirche in Großmoor und Adelheidsdorf, sprach ein weiterer Redner zu den Demonstrierenden. Er begründete seine Ablehnung der AfD ausdrücklich mit seinem christlichen Menschenbild. Nächstenliebe und die Vorstellung, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes seien, stünden für ihn im Gegensatz zu Aussagen und politischen Forderungen der Partei.
Röser-Israel beschäftigte sich in seiner Rede auch mit Wahlergebnissen der AfD und der Frage, weshalb die Partei Zuspruch erhält. Er sprach über wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Energie- und Lebenshaltungskosten, den russischen Krieg gegen die Ukraine und die Folgen des Klimawandels. Dass Menschen angesichts solcher Entwicklungen verunsichert seien, könne er nachvollziehen. Nach seiner Auffassung biete die AfD dafür jedoch keine tragfähigen Lösungen an.
Der Pastor kritisierte insbesondere eine politische Sprache, die zwischen einem vermeintlichen „Wir“ und anderen gesellschaftlichen Gruppen unterscheide. Als Beispiel führte er AfD-Slogans wie „Wir holen uns unser Land zurück“ und „Unser Land, unsere Regeln“ an. Er warnte davor, von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe auf einzelne Menschen zu schließen.
Dabei verschwieg Röser-Israel nicht, dass auch er mit politischen Entscheidungen unzufrieden sei und Probleme sehe. Kommunalpolitik erlebe er jedoch als Arbeit von Menschen unterschiedlicher Parteien, die ehrenamtlich um Lösungen ringen und dabei auch Fehler machten. Seine Konsequenz daraus formulierte er am Ende eindeutig: „Rechtsextremisten waren und sind keine Alternative.“ Er appellierte an die Teilnehmer, zusammenzuhalten und trotz der politischen Auseinandersetzungen zuversichtlich zu bleiben.
Protest begleitet Bürgergespräch im Wietzer Zentrum
Während draußen die Redebeiträge der Gegenkundgebung liefen, war auch der Andrang auf das Bürgergespräch mit Alice Weidel groß. Vor dem Bürgerhaus bildete sich eine lange Warteschlange. Nicht alle Wartenden konnten schließlich in den Saal gelangen. Rund 250 Besucher nahmen nach den vorliegenden Angaben drinnen an der AfD-Veranstaltung teil.
Damit trafen am Donnerstagvormittag in Wietze zwei deutlich unterschiedliche politische Lager unmittelbar aufeinander. Auf der einen Seite stand das Bürgergespräch mit Alice Weidel und dem AfD-Kandidaten für das Bürgermeisteramt, auf der anderen Seite mehr als 250 Gegendemonstranten aus Wietze und anderen Teilen des Landkreises Celle. Die Kundgebung vor dem Bürgerhaus blieb dabei nicht auf den Protest gegen den Besuch Weidels beschränkt: Die Redner nutzten die Veranstaltung auch, um für Menschenrechte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratisches Engagement zu werben.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
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