Wahlkampf in Wietze: Alice Weidel zu Gast im voll besetzten Bürgersaal
Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl in Wietze hat AfD-Bundessprecherin Alice Weidel am Donnerstag den Wahlkampf des AfD-Bürgermeisterkandidaten Dennis Jahn unterstützt. Der Bürgersaal war mit 250 zugelassenen Besuchern vollständig ausgelastet. Bereits zum Einlass hatte sich vor dem Veranstaltungsort eine lange Schlange gebildet. Der Andrang war größer als die verfügbare Kapazität, sodass weitere Interessierte nicht mehr in den Saal gelassen werden konnten.

















Die Veranstaltung wurde von Guido Schwanke vom AfD-Kreisverband Celle moderiert. Der Beginn verzögerte sich zunächst, da Weidel noch auf dem Weg nach Wietze war. Die Wartezeit wurde mit Musik überbrückt. Anschließend eröffnete Bürgermeisterkandidat Dennis Jahn den politischen Teil.
Jahn stellt kommunale Themen in den Mittelpunkt
Jahn zeigte sich angesichts des Andrangs zufrieden. „Es ist der Wahnsinn, was da draußen los ist“, sagte er zu Beginn. Zunächst dankte er den zahlreichen Helfern sowie den medizinischen Einsatzkräften, die für die Veranstaltung bereitstanden.
Danach konzentrierte sich Jahn auf seine kommunalpolitischen Schwerpunkte. Einen Schwerpunkt setzte er bei den Finanzen und Personalkosten der Gemeinde. Nach seinen Angaben seien die Personalkosten von 3,9 Millionen Euro im Jahr 2019 auf derzeit 7,6 Millionen Euro gestiegen und sollen im kommenden Jahr 8,2 Millionen Euro erreichen. Den Schuldenstand bezifferte er auf rund 21 Millionen Euro.
Jahn kündigte an, als Bürgermeister keine Mitarbeiter entlassen zu wollen. Bei frei werdenden Stellen müsse jedoch geprüft werden, ob diese in gleicher Form wiederbesetzt werden müssten.
Deutlich positionierte er sich gegen die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen Rathaus. Sollte er Bürgermeister werden, werde dort „nicht ein einziger Flüchtling“ einziehen, sagte Jahn.
Als weiteres örtliches Thema sprach er die Verkehrsbelastung in Jeversen an. Insbesondere der Lkw-Verkehr sei für die Anwohner eine Belastung. Jahn fordert deshalb Tempo 30 für Kraftfahrzeuge über 7,5 Tonnen. Eine weitere Entwicklung von Gewerbeflächen sieht er kritisch, solange für die Verkehrssituation keine Lösung gefunden sei.
Daneben kritisierte Jahn die Bedingungen, unter denen seine Partei den Wahlkampf vor Ort führe. Unter anderem berichtete er von Schwierigkeiten bei der Suche nach medizinischer Absicherung für die Veranstaltung und von einem zunächst genehmigten, später jedoch nicht mehr zugelassenen Infostand auf dem Gelände eines örtlichen Supermarktes.
Weidel wirbt um Unterstützung bei der Kommunalwahl
Mit der Ankunft von Alice Weidel verlagerte sich der Schwerpunkt von der Kommunal- auf die Bundespolitik. Weidel machte allerdings gleich zu Beginn deutlich, weshalb sie unmittelbar nach der Haushaltsdebatte im Bundestag nach Niedersachsen gekommen sei.
Der Kommunalwahlkampf sei für ihre Partei wichtig, weil die AfD „auch in der Fläche wachsen“ müsse. Gleichzeitig räumte sie ein, dass die Bedingungen für ihre Partei in Niedersachsen schwieriger seien als beispielsweise in Teilen Ostdeutschlands.
Für Weidel ist es nicht der erste Wahlkampfauftritt im Landkreis Celle. Nach Angaben der Veranstalter war es ihr vierter Auftritt im Landkreis und der zweite in Wietze. Zuvor war sie bereits in Lachendorf und Winsen (Aller) zu Gast.
Im vergleichsweise kleinen Bürgersaal setzte Weidel über weite Strecken auf einen ruhigen und persönlichen Vortragsstil. Sie scherzte mit dem Publikum, reagierte auf Zwischenrufe und ließ während ihrer Rede auch eine Frage aus dem Saal zu. Die Atmosphäre bezeichnete sie selbst als „sehr, sehr schön und familiär“. Dabei war ihr Auftritt erkennbar darauf ausgerichtet, Nähe zum Publikum herzustellen und die zentralen Positionen ihrer Partei in kompakter Form darzustellen.
Von Energiepolitik bis Migration
Einen breiten Raum nahm die Energiepolitik ein. Weidel forderte eine Rückkehr Deutschlands zur Kernenergie und kritisierte die Förderung erneuerbarer Energien. Staatliche Subventionen für Windkraftanlagen will die AfD nach ihren Worten streichen. Anlagen könnten ihrer Ansicht nach weiterhin betrieben und gebaut werden, wenn sie sich ohne entsprechende Förderung wirtschaftlich rechneten.
Auch beim Automobil stellte Weidel die von ihr sogenannte „Technologieoffenheit“ in den Mittelpunkt. Verbraucher sollten dauerhaft selbst entscheiden können, ob sie Fahrzeuge mit Benzin-, Diesel- oder anderen Antrieben kaufen.
Weitere Kritik richtete Weidel gegen die Europäische Union und die aus ihrer Sicht übermäßige Bürokratie. Lieferkettengesetze und weitere regulatorische Vorgaben für Unternehmen will ihre Partei zurücknehmen.
Beim Thema Ukraine forderte Weidel Friedensverhandlungen und eine stärkere diplomatische Rolle Deutschlands. Auf eine Frage aus dem Publikum erklärte sie, unabhängig von unterschiedlichen Bewertungen der Ursachen des Krieges müsse das Ziel darin bestehen, die beteiligten Seiten an einen Verhandlungstisch zu bringen.
Schärfer wurde ihre Wortwahl beim Thema Migration. Weidel verband Fragen der inneren Sicherheit mit der deutschen Migrationspolitik und forderte konsequentere Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Auch die Bürgergeld- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung griff sie an.
Weitere Themen waren Rente und Steuern, die Corona-Politik sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk.
Wahlkampf im kleinen Saal
Der Auftritt unterschied sich durch seinen Rahmen von Weidels größeren Wahlkampfveranstaltungen. In Wietze standen ihr 250 Besucher unmittelbar gegenüber. Weidel nutzte diese Nähe: Statt einer durchgehend zugespitzten Rede wechselte sie zwischen politischen Forderungen, persönlichen Bemerkungen und humorvollen Passagen.
Vor dem Bürgersaal fand zeitgleich eine Gegenkundgebung statt, die Weidel zu Beginn ihrer Rede kurz aufgriff. Über den Gegenprotest berichtet die Celler Presse gesondert.
Zum Abschluss richtete Weidel noch einmal einen Wahlaufruf an ihre Anhänger. „Alles ist möglich“, rief sie zweimal in den Saal.
Für einen besonderen Schlusspunkt sorgte der bundesweite Warntag. Bereits vor Beginn waren die Besucher darauf hingewiesen worden, dass gegen 11 Uhr zahlreiche Mobiltelefone gleichzeitig Alarm schlagen würden. Das Timing fiel schließlich nahezu mit dem Ende von Weidels Rede zusammen: Während der Schlussapplaus einsetzte, begannen die Warnmeldungen auf den Mobiltelefonen – und gingen im Beifall weitgehend unter.
Dennis Jahn zeigte sich anschließend zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und hob insbesondere das Timing und den professionellen Auftritt Weidels hervor.
Am Sonntag, 13. September, entscheiden die Wietzer über das Bürgermeisteramt. Zur Wahl stehen Amtsinhaber Wolfgang Klußmann, AfD-Kandidat Dennis Jahn und der parteilose Alexander Frank. Sollte eine Stichwahl erforderlich werden, findet diese am 27. September statt.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.
Anzeige









