Ansiedlung des Wolfes bedroht die Weidehaltung!

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NIEDERSACHSEN. Die gerade in Ostfriesland noch weit verbreitete Weidehaltung erbringt vielfältige Leistungen für die Biodiversität, den Erhalt des typischen Landschaftsbildes, damit auch für den touristischen Reiz dieser Region und nicht zuletzt für das Wohl der Weidetiere. Deshalb ist sie auch gesellschaftlich sehr erwünscht, betont die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen. Trotzdem ist diese Haltungsform stark rückläufig, weil sie mit der Stallhaltung wirtschaftlich nur schwer konkurrieren kann. Eine Weideprämie, wie von der vorigen Landesregierung zugesagt, wird es unter der großen Koalition wohl auch nicht geben.

Zu diesen wirtschaftlichen Problemen kommen seit Längerem auch noch Nutzungskonflikte mit nordischen Gastvögeln und, ganz aktuell, dem sich immer weiter ausbreitenden Wolf hinzu. „Es ist realitätsfremd, zu glauben, mit Zaunbau könnten die Weidehalter sich vor Wolfsangriffen schützen“, betont Ottmar Ilchmann, Vorsitzender der AbL Niedersachsen/Bremen und Milchbauer im Kreis Leer. Für eine Region, in der noch flächendeckend Tiere auf der Weide stünden, sei eine komplette „Verzaunung“ weder finanziell noch arbeitstechnisch möglich, schon gar nicht für die besonders wichtige Deichbeweidung mit Schafen. Zudem biete selbst ein aufwendiger Zaun keine Sicherheit vor den Angriffen der klugen Raubtiere.

Die ungehinderte Rückkehr der Wölfe in ausnahmslos alle Gebiete sei dabei nicht unabwendbar, wie die ostfriesischen Wolfsberater es kürzlich bei einem Pressegespräch darstellten, sondern Ergebnis einer bewussten Entscheidung. „Politik und Gesellschaft müssen sich entscheiden, ob sie lieber die völlig ungehinderte Ausbreitung des Wolfes oder den Erhalt der Weidehaltung wollen“, so Ilchmann. Inzwischen werde diese Frage auf Landes-, Bundes- und Europaebene bereits sehr offen und ohne Scheuklappen diskutiert.

Angesichts der schnellen Zunahme der Wolfspopulation sei der „gute Erhaltungszustand“ in greifbarer Nähe, wenn nicht schon erreicht. Damit stünde einer Vergrämung von Wölfen in sensiblen Regionen nichts mehr entgegen. „Das wäre der einzige Weg, den Tierhaltern ihre ansonsten sehr begründete Angst vor dem Wolf zu nehmen“, so Ilchmann abschließend.

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